Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Wie man einen Bauernhof unterstützen kann und dafür einen Teil der Ernte bekommt

Die vier vom Solawi-Hof Böhler in Contwig (von links): Sabrina und Michael Böhler, Steffen und Veronika Overhage.
Die vier vom Solawi-Hof Böhler in Contwig (von links): Sabrina und Michael Böhler, Steffen und Veronika Overhage.

Man zahlt einen Jahresbetrag für die Mitgliedschaft, dafür bekommt man jede Woche frisches Gemüse und andere Lebensmittel. Wer mag, kann den Hof besuchen und sogar mithelfen. So funktioniert die solidarische Landwirtschaft. In Contwig gibt es jetzt einen zweiten Hof, der das anbietet. Die Nachfrage ist sehr groß. Hofbesitzer Michael Böhler hat festgestellt: Die Teilnehmer sind oft Familien aus der Stadt.

Solidarische Landwirtschaft zum Zweiten: Neben dem Wahlbacherhof bietet jetzt auch der Betrieb der Contwiger Familie Böhler Mitmachern an, Landwirtschaft unmittelbar kennenzulernen und an der Ernte teilzuhaben. Für eine Jahresmitgliedschaft bekommt man einen Teil der Ernte, und man hilft, kleinbäuerliche Strukturen und die Vielfalt und Naturbelassenheit der Produkte zu erhalten – und gibt den Landwirten Planungssicherheit.

Die Ernte wird geteilt

„Sich die Ernte teilen“ lautet das Motto. Konkret geht es um Kartoffeln und Eier, Salate und Kräuter, um 40 Gemüsesorten und um Äpfel. All das erzeugen Sabrina und Michael Böhler in Contwig auf knapp 30 Hektar Fläche – und all das steht den Mitmachenden der Solidarischen Landwirtschaft Bärental zur Verfügung. In wöchentlichen Abhol-Portionen, saisonal wechselnd.

Dafür zahlt man einen festen Betrag pro Monat, darf sich an Planung, Anbau und Ernte beteiligen, darf Beet-Patenschaften übernehmen und seine Kinder auf den Hof in der Gutenbrunnenstraße mitbringen – wenn man mag. „Wir möchten die Mitmacher gern einbinden, möchten Interesse am Wo und Wie in der Landwirtschaft wecken und so eine Verbindung zwischen Erzeuger und Verbraucher schaffen“, skizziert Veronika Overhage die Idee. Mit ihrem Mann Steffen komplettiert sie das Nebenerwerbs-Landwirte-Quartett.

40 Sorten Gemüse

Beide sind ausgebildete Gärtner, und beide waren so begeistert von der Idee der Solawi, wie Solidarische Landwirtschaft abgekürzt wird, dass sie spontan aus dem Münsterland in die Westpfalz zogen. Gemeinsam mit dem Ehepaar Böhler kümmern sie sich um bald 170 Hühner, eine kleine Mutterkuh-Herde der Rasse Fleckvieh, um zwei Pferde, Obstbäume und Bienenweiden – und um das Gemüse. „Fenchel, Kohlrabi, Tomaten, Paprika, Sellerie, Kürbis, Rettich, Auberginen und Kohl – alle gängigen Sorten“, zählt Veronika Overhage nur einige Beispiele auf. Arbeiten mit der Natur bedeute Vielfalt – und Vielfalt sei auch ein Gewinn für die Mitmachenden.

Auf Exoten müsse man allerdings verzichten, erläutert Sabrina Böhler, die seit drei Jahren Erfahrung mit dem Gemüseanbau sammelt und gerade auf die Lieferung von zwei Folien-Gewächshäusern wartet: „Mehr Mühe als ein kleiner Garten erfordert es schon, ist aber auch in unserer Region machbar.“

Vor zehn Jahren auf Bio umgestellt

Machbar als Perspektive für den kleinen Hof schien letztlich nur die Solawi: „Vor 25 Jahren haben wir den Betrieb im Nebenerwerb übernommen, haben ihn seitdem wieder auf- und ausgebaut, vor gut zehn Jahren auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Statt auf Spezialisierung zu setzen und uns Marktzwängen zu unterwerfen, wollten wir das traditionelle Konzept einer breiten Anbaupalette beibehalten“, erklärt Sabrina Böhler.

Langfristig gelingen könne das durch die Mitmacher, für die 40 Anteile vorgesehen sind. An Interesse daran fehlt es laut Michael Böhler nicht. „Angemeldet haben sich vor allem Familien aus dem städtischen Bereich“, hat er festgestellt. Über das breite Interesse freuen sich die Solawi-Aktiven natürlich – und kündigen an, bei Bedarf auch eine Warteliste zu erstellen.

Bei Stambach gibt es schon solidarische Landwirtschaft

Was einfach klingt („die Ernte teilen“) hat somit einen längeren Vorlauf – und es hat ein Vorbild vor Ort: Solidarische Landwirtschaft gibt es schon seit sechs Jahren auf dem Wahlbacherhof bei Stambach. „Und sie funktioniert sehr gut“, bekräftigt Michael Böhler aus unmittelbarer Erfahrung. Dieser Erfolg habe dem Bärental-Projekt Schub gegeben, zumal die beiden Höfe sich nicht als Konkurrenten begreifen, sondern als Netzwerk.

Info

Nähere Informationen über die Solidarische Landwirtschaft Bärental findet man unter solawi-baerental.de im Internet.

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