Hauenstein
Wie in der Hauensteiner Kita St. Hedwig seit 20 Jahren die Freude an der Bewegung gefördert wird
Der Spaß, mit dem Anni, Joscha, Matti und Co. bei der Sache sind, ist förmlich mit den Händen zu greifen. Gemeinsam absolvieren sie einen Geräteparcours im Turnraum der Hauensteiner Kita St. Hedwig. Dort ist Bewegung und die Vermittlung von Bewegungsfreude seit 20 Jahren Programm: Im Juni 2006 wurde die Kita auf dem Zimmerberg, die in kirchlicher Trägerschaft steht, als eine der ersten im Land als „Bewegungskita Rheinland-Pfalz“ zertifiziert. Seit zwei Jahrzehnten ist sie somit Trägerin des entsprechenden Qualitätssiegels, das just zum Jubiläum bestätigt und erneuert wurde – inklusive eines Glückwunschs von Bildungsminister Sven Teuber. Sein Kabinettskollege Michael Ebling, damals noch Staatssekretär im Bildungsministerium, hatte vor 20 Jahren Urkunde und Plakette an die von Rita Hammer geleitete Kita überreicht.
„Wir leben seither das Konzept der Bildungs- und Gesundheitsförderung durch Bewegung, das dem Qualitätssiegel zugrunde liegt“, erläutert die heutige Kita-Leiterin Stefie Engel. „Altersgerechte Bewegungsanreize und immer wieder neue Bewegungsmotivation – das durchdringt unsere tägliche Arbeit“, betont sie und verweist auf den ganzheitlichen Entwicklungsansatz, der in der Kita verfolgt werde. Kindgemäßer Sport sei essenzieller „pädagogischer Beitrag zu einem gesunden Aufwachsen unserer Kinder“. Wichtig sei ferner, dass das gesamte Kita-Team hinter dem Profil stünde. Mehrere Erzieherinnen haben dafür eine spezielle psychomotorische Fortbildung absolviert.
Viele Möglichkeiten, Kraft und Motorik zu schulen
Wie wird das Konzept nun konkret umgesetzt? Immer wieder werden den Kindern freie und angeleitete Bewegungsangebote unterbreitet. Beim Besuch im Turnraum huschen die Kleinen gerade über eine Gerätebahn: Dort geht’s ein paar Stufen hoch zu einer auf zwei Sprungkästen ruhenden Rollenrutsche, auf dem Bauch oder auf den Knien weiter zu einer Turnbank und über diese – vorwärts oder rückwärts – wieder abwärts. Und dann von vorne … Der Raum ist entsprechend ausgestattet: Matten sichern die Geräte, eine Strickleiter lädt zum Klettern und zum Schaukeln ein, eine dreidimensionale Sprossenwand lockt mit einem Kletternetz aus gespannten Seilen. Kurzum: Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, seine Kraft und Motorik zu schulen.
Das Thema begegnet einem im Haus und auf dem Freigelände immer wieder: Da gibt es die „Bewegungsbaustelle“, an der die Kinder selbst ihre Geräte auswählen können; in einem kleineren Raum liegt ein Sortiment an großformatigen Stoffbausteinen bereit; im Außenbereich befinden sich eine Kletterwand und ein multifunktioneller Spielturm. Die Eltern seien ebenfalls in die Aktivitäten eingebunden, berichtet Stefie Engel: So gebe ein „Bewegungskalender“ regelmäßig Impulse und Ideen an die Eltern weiter. Ferner werden sie zu einem „Bewegungsaktionstag“ eingeladen, an dem Anregungen für die Familien gegeben werden. Mit dem TV Hauenstein hat die Kita zudem einen Kooperationspartner.
Eine Kita, die sich bewegt – auch im übertragenen Sinn
Nicht ohne Stolz weist Engel darauf hin, dass St. Hedwig alle Vorgaben des aktuellen Kita-Gesetzes erfülle: 60 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren besuchen derzeit die Einrichtung. Sie werden altersgemischt und im teiloffenen Betrieb von zehn pädagogischen Fachkräften – sie seien durchweg auch „Bewegungsfachkräfte“ – betreut. Feste Gruppen gibt es nicht mehr, die Kinder können sich frei im ganzen Haus bewegen. Zudem ist das Gebäude, dessen baulicher Zustand lange ein Sorgenkind war, mittlerweile saniert: So sei die Küche nun auf neuestem Stand und mit professionellen Gastrogeräten bestückt. Dort wird täglich das Mittagessen zubereitet – bei Bedarf können alle 60 Kinder „bekocht“ werden. Die Fußböden wurden erneuert, die Wände haben neue Anstriche erhalten, die Treppe wurde aufgearbeitet. Auch in den Brandschutz hat der Träger investiert.
„Wir sind stolz auf unsere Kita“, resümiert Stefie Engel und spricht von einem angenehmen Klima, das immer wieder zu „positiven Rückmeldungen“ – beispielsweise der Eltern – führe. Und: Man ruhe sich nicht auf dem Erreichten aus, sei stets offen für Neues. „Wir sind ein Kindergarten, der sich bewegt“, sagt die Leiterin – und meint das in diesem Fall auch im übertragenen Sinn.