Zweibrücken-Land
Wie eine Internetbekanntschaft eine Frau seelisch zerstört und finanziell ruiniert hat
Der in Karlsruhe lebende Mann musste sich wegen Betrugs verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat 13 Fälle aufgelistet, in denen die Frau aus der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land zwischen August und Oktober 2023 auf Geheiß des Mannes über verschiedene Banken zusammen 17.761 Euro an arabisch klingende Namen überwiesen hat. Die beiden führten über etwa zwei Monate eine Wochenendbeziehung. Die Endfünfzigerin bezahlte sogar die Zugtickets, damit der arbeitslose Libanese von Karlsruhe nach Zweibrücken kommen konnte. Vor Gericht gab der Angeklagte an, in den 90er Jahren nach Deutschland gekommen zu sein, derzeit von Bürgergeld zu leben und 40.000 Euro Schulden zu haben. Seine vier Kinder lebten bei der Mutter im Libanon.
Kennengelernt hatten sich die beiden über eine Internetseite. Er sei dann auf Wunsch der Frau an sechs bis acht Wochenenden mit dem Zug zu ihr in die Westpfalz gefahren. „Sie hat die Tickets bezahlt und hat mir auch sonst mit Geld geholfen“, schilderte er vor Gericht. Im September habe er dann in den Süd-Libanon fliegen müssen, weil sein Bruder gestorben sei. Die Frau habe die Reise bezahlt. In dem Kriegsgebiet habe er aus Sicherheitsgründen nicht mit ihr telefonieren können. Er sei dann von der Polizei verhaftet worden und habe Geld gebraucht, um freizukommen.
Auf Kosten der Frau am Kopf operiert
Wochen später sei er im Süden von Beirut in einem Krankenhaus wegen früherer Verletzungen am Kopf operiert worden. Die Kosten habe die Frau per Auslandsüberweisung beglichen. Einige Transaktionen seien an seinen Sohn gegangen, da er selbst kein Konto im Libanon hatte. Er habe nach Deutschland zurückkehren wollen, allerdings seien die Flüge wegen des Krieges ausgesetzt worden. So habe sich die Rückkehr um viele Wochen verzögert. „Sie hat das Geld mit Liebe gegeben und nie gesagt, dass sie es zurückhaben will“, meinte der Angeklagte. Als er im Januar 2024 wieder in Frankfurt gelandet sei, habe er seine Freundin angerufen. Sie sei aber nicht rangegangen, hatte ihn blockiert.
Die Geschädigte hatte eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Das Kennenlernen und die Wochenendbeziehung waren das einzig Übereinstimmende. „Ich hatte die rosa Brille auf und war verliebt, und er hat mir Lügengeschichten aufgetischt.“ Er habe sie um Geld gebeten, das sie überwiesen habe. „Aber er hat gesagt, dass er mir das zurückgibt, wenn er wieder arbeitet.“ Als Beweis zeigte sie eine entsprechende Whatsapp-Nachricht. „Da sind Ermittlungsfehler passiert, ich will den ganzen Chat-Verlauf, will alles einsehen. Das ist ja nur ein Ausschnitt von 500 Euro, dabei geht es um eine Gesamtsumme von 17.000 Euro“, meinte der Verteidiger des Libanesen. Auf die Schnelle war der komplette Chat-Verlauf aber nicht abrufbar. „Da kommen wir auch nicht drumrum“, stellte die Richterin fest. Bis zur Fortsetzung des Prozesses am 17. Februar soll Staatsanwaltschaft und Verteidigung dann alles vorliegen.
Freundinnen überweisen ebenfalls Geld
Im Oktober 2023 sei er in den Libanon geflogen, „um seinen Bruder nochmal zu sehen, der angeblich im Sterben lag. Er wollte drei Tage bleiben. Dann kam eine Nachricht, dass er im Gefängnis sitzt, weil er einen Polizisten geschlagen haben soll. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mit dem Sohn kommuniziert.“ Es sei um Anwaltskosten gegangen, etwas später um einen Krankenhausaufenthalt und eine OP im Süden von Beirut. Sie habe erneut Geld überwiesen, um ihm zu helfen. Der Sohn des Angeklagten habe gesagt, dass sie das Geld von seinem Vater zurückerhalte. Als eine Obergrenze erreicht war und die Bank Western Union wegen Geldwäscheverdachts keine weiteren Überweisungen mehr tätigte, habe sie zwei Freundinnen gebeten, Geld für sie an den Sohn zu überweisen. „Ich war psychisch fertig und habe sogar einen Kredit über 27.000 Euro aufgenommen.“ Er habe ihr ja bei der Rückzahlung helfen wollen. „Doof wie ich war, habe ich aber nichts schriftlich.“ Bei Facebook habe der Angeklagte etwa 20 Accounts. In dem Hospital in Beirut, in dem er angeblich operiert wurde, sei er nicht bekannt gewesen. Das habe sie bei einem Anruf herausgefunden. „Alles war auf Lügen aufgebaut. Dieser Mann hat mich seelisch kaputtgemacht und finanziell ruiniert. Und so einer Person habe ich mein Herz geschenkt.“
Die beiden Freundinnen waren auch als Zeuginnen geladen. Die eine hatte Anfang November 2023 etwa 3875 Euro überwiesen – für eine OP und damit der Angeklagte angeblich aus dem Gefängnis. „Sie war sehr gutgläubig und hat geglaubt, dass alles stimmt, was er sagt. Sie hat eine gemeinsame Zukunft erwartet“, sagte eine der Frauen aus. Die andere ergänzte: „Ich war misstrauisch und fand es nicht gut, dass er sie finanziell ausbluten lässt. Aber sie war verliebt.“
Polizist berichtet von haarsträubender Geschichte
Als Zeuge war auch der Hauptkommissar geladen, der den Fall aufgenommen hatte. „Sie war in emotionaler Not, verliebt und hatte Kontrolle durch Vertrauen ersetzt. Sie wollte die Wahrheit nicht wissen.“ In solchen Situationen überweise man normalerweise kein Geld ins Ausland. Transfergesellschaften wie Western Union kassierten hohe Gebühren, und oftmals – das zeige die kriminalistische Erfahrung – steckten hinter solchen Überweisungen illegale Machenschaften. Häufig würden Notsituationen vorgetäuscht. „Was mir geschildert wurde, war haarsträubend.“ Die Geschädigte habe sich danach geschämt und auch gesagt, dass sie dem Libanesen das Geld geliehen, nicht geschenkt habe. Der Mann sei strafrechtlich schon in Erscheinung getreten – auch wegen Betrugsdelikten. Er habe alles mitgenommen, was er kriegen konnte. Die Frau habe es viel Überwindung gekostet, überhaupt Anzeige zu erstatten. Der Hauptkommissar weiß aus langjähriger Erfahrung: „Das Schamgefühl ist bei Frauen deutlich höher als bei Männern.“
Die Verhandlung wird am Montag, 17. Februar, um 12 Uhr fortgesetzt.