Merzalben
Wie die Kernzonen des Biosphärenreservats geschützt werden
Die Natur soll sich dort, wo Wege nicht mehr unterhalten werden, ihr Terrain zurückerobern – und das bedeutet, „dass es für Wanderer gefährlich werden kann“, erläuterte der Leiter des Forstamtes Hinterweidenthal, Michael Grünfelder. Darauf sollen die vier neuen Infotafeln aufmerksam machen, die an markanten Punkten rund um die Kernzone aufgestellt wurden. „Oft weiß der Wanderer ja gar nicht, wo er gerade im Gebiet unterwegs ist, und in den Kernzonen ist genau darauf besonders zu achten“, sagte Friedericke Weber, Direktorin des Biosphärenreservats. Auf den Tafeln wird darüber informiert, dass die meisten Wege, die noch durch die Kernzone führen, wegen querliegender Bäume nur noch schwierig und mit besonderer Sorgfalt begangen werden können. Umgestürzte Bäume, zugewachsene Strecken und herabfallende Äste sorgen für Lebensräume für Pflanzen und Tiere, werden aber zugleich zur Gefahr für Wanderer.
Die Gründe dafür sind mit der zweiten Aufgabe der Informationstafeln verknüpft: dem Wanderer zu erläutern, was eine Kernzone ist. Ziel ist es, sagte Weber, Gebiete in ihren Prozessen weitgehend unbeeinflusst zu lassen. Flora und Fauna sollen sich ungestört entfalten. Der Mensch soll möglichst wenig eingreifen. Eine Ausnahme wäre zum Beispiel ein Borkenkäferbefall.
Nur wenige Wege sollen bleiben
Mit der Einrichtung der Kernzone sollen die Wälder älter werden, und es soll mehr Alt- und Totholz geben. „Das führt natürlich zur Gefährdung von Wanderern und Erholungssuchenden“, unterstrich Weber. Man habe sich deshalb überlegt, wie man mit den Wegen in den Kernzonen umgeht. Ein Ansatzpunkt ist das Besucherlenkungskonzept der Verbandsgemeinde Rodalben. Das beinhaltet eine Konzentration auf einige, wenige Wege. „Viel wichtiger ist es allerdings, die Wanderer auf die Wege aufmerksam zu machen, um das Gebiet zu umwandern“, meinte Weber. Deshalb empfehlen die Tafeln wenige nutzbare und relativ sichere Wege. „Das sind die Wege, auf denen wir im Notfall auch Rettung und Hilfe gewährleisten können“, sagte Grünfelder. Denn es gelte der Grundsatz, dass Wanderer das Gebiet auf eigene Gefahr betreten. Wichtig sei das Verständnis der Wanderer, verbunden mit der Aufforderung, sich ans Wegegebot zu halten.
Im Vergleich zu einem normal bewirtschafteten Wald „haben wir hier vielleicht noch ein Viertel der Wegestruktur“, erläuterte Grünfelder. Ganz fallen die Wege nicht weg. Auch weil es im Gebiet noch eine Pipeline und Energieleitungen gibt. Die müssten unterhalten werden, „und vor dem Hintergrund wird es immer eine Grunderschließung geben“, sagte der Forstamtsleiter.
Größte Kernzone um Wieslauterquelle
Auf 5400 Hektar ist die Gesamtfläche der 20 Kernzonen angewachsen, das entspricht drei Prozent des Biosphärenreservats. Das Quellgebiet der Wieslauter ist die größte der 20 Kernzonen und umfasst 2400 Hektar. Seit 2007 ist sie ausgewiesen und steht unter besonderem Schutz. In dem Gebiet habe es damals schon einen sehr hohen Anteil an alten Laubbäumen gegeben, berichtete Grünfelder. Ihr Anteil liege mittlerweile bei 98 Prozent. Es werde ein Buchen-Urwald mit Eichenanteil, skizzierte er die Entwicklung. Mit Blick auf den Klimawandel merkte der Förster an, dass sich das Verhältnis in ein paar Hundert Jahren zugunsten der Eiche drehen könnte, weil auch die Buche unter Hitze leidet. Der Forst hat sich aus der Bewirtschaftung dieser Zone zurückgezogen. Damit entfällt auch die Verkehrssicherung auf den markierten Wanderwegen. Eine gute und sichere Begehbarkeit sei nur noch sehr eingeschränkt gegeben.
Hermersbergerhof, Luitpoldstein, Zieglertal
Aktuell seien noch ein paar Wanderwege im Gebiet ausgeschildert, aber nicht mehr auf den Informationstafeln enthalten. Die werden bei der Umsetzung des Besucherlenkungskonzeptes verschwinden. Auch die noch markierten Wege des Pfälzerwald-Vereins werden sukzessive rausgenommen, erzählte der stellvertretende Direktor des Biosphärenreservats, Arno Weiß.
Die vier Tafeln rund um das Quellgebiet der Wieslauter hat das Team des Biosphärenreservats Pfälzerwald in Zusammenarbeit mit Landesforsten, genauer gesagt dem Forstamt Hinterweidenthal, und der rheinland-pfälzischen Naturschutzbehörde aufgestellt. Zu finden sind sie an markanten Punkten: an der Burg Gräfenstein, am Hermersbergerhof, am Luitpoldstein sowie im Zieglertal.
Drei Wege bleiben in der Kernzone auf lange Sicht markiert und sind auf den Tafeln ausgewiesen: Der Premiumwanderweg Pfälzer Waldpfad streift die Kernzone an den Flanken. Der Radweg im Zieglertal ist die Hauptachse durch die Zone, und dann gibt es noch einen Pfad, der Hinterweidenthal und Merzalben verbindet, und dabei die Kernzone quert. Das sei ein gewachsener Bestandteil der Infrastruktur, sagte Grünfelder zu diesem Weg. Insgesamt werde aber bei den touristischen Zielen ein Schritt zurück erforderlich, um der Natur gerecht zu werden.