Bottenbach / Kröppen
Wie der Rotmilan die Windräder verhindern könnte
„Der Rotmilan ist unser Sorgenkind, er ist eines der Opfer dieser Anlagen“, so die eindringlichen Worte Peter Spielers vom Naturschutzbund Nabu. Der Rotmilan, eine geschützte Vogelart, brauche eine große, offene und strukturierte Landschaft. „So, wie wir sie hier in Bottenbach haben“, fügt Spieler an. Mit den geplanten Windrädern würde jedoch die Achse Riedelberg-Vinningen zugebaut. Für den Rotmilan gebe es keine anderen Flugrouten mehr. Laut Spieler ein großes Problem: „Er fliegt also von allen Richtungen in die Anlagen rein.“
Fast die Hälfte des Rotmilan-Bestandes weltweit lebt laut dem Nabu-Mann in Deutschland, ein Großteil davon in Rheinland-Pfalz. Er wisse von 41 Tieren, die bisher im Bundesland von Windrädern getötet wurden, in der Südwestpfalz waren es 2020 laut offiziellen Aufzeichnungen vier Stück, sagte Spieler. Diese Statistik sei aber alles andere als aussagekräftig. Der Grund: Um sich ein wirklichkeitsgetreues Bild von der Anzahl der Schlagopfer zu machen – so heißen die Vögel, die von einer Windkraftanlage erfasst werden –, müsste man dreimal täglich den Grund der Anlagen absuchen. Denn oft finde der Fuchs die Tiere schneller als der Mensch. Spieler geht davon aus, dass in der Südwestpfalz wesentlich mehr Rotmilane Opfer von Windrädern wurden, als offiziell dokumentiert. Die Funde im vergangenen Jahr geschahen demnach alle zufällig. Wegen der Corona-Pandemie waren mehr Menschen im Wald unterwegs, und deshalb hätten sich die Zufallsfunde vermehrt, meint Spieler.
Geraten durch den Sog in die Rotorblätter
Das Argument, die Tiere sollten eben schauen, wo sie hinfliegen, entkräftet Uwe Groh vom Naturschutzverband Pollichia insofern, als dass der Rotmilan beim Fliegen nach unten schaue – und nicht nach vorne. Wenn der Vogel dann schon in der Nähe des Windrades ist, wird er durch dessen Sog in die Rotorblätter gezogen. Spieler warnte zudem, dass ein toter Milan gleichzeitig Auswirkungen auf den Nachwuchs hat. Wird etwa das Milan-Männchen geschlagen, so kann es das Muttertier und die Brut nicht mehr mit Nahrung versorgen, und das Weibchen bricht die Brut ab. Die Folge: Der Nachwuchs stirbt. Auch Fledermäuse und Baumfalken sind Spieker zufolge besonders durch Windräder bedroht.
Zweibrücken: Weniger Räder wegen Vögel
Auf Nachfrage des Bottenbacher Gemeinderates, ob wegen der Tiere schon mal Windkraft-Pläne verworfen wurden, nannte Spieler die ursprünglich geplanten Windräder bei Zweibrücken. Dort wurden weniger Windräder gebaut als angedacht – eben wegen des Rotmilans. Sowohl Groh als auch Spieler berichteten im Rat, dass sie bei künftigen Windkraftplänen – auch jetzt bei den geplanten Anlagen in Kröppen – eine Stellungnahme abgeben wollen.
Zum Hintergrund: Sowohl auf Bottenbacher als auch auf Kröpper Gemarkung sind weitere Windräder geplant. Der Bottenbacher Gemeinderat sprach sich bereits einstimmig gegen die Windräder bei Kröppen aus, eben weil sie die bestehende Windradachse schließen würden. Wie schon in der Ratssitzung Ende April erklärte Bürgermeister Klaus Weber erneut, dass er und sein Rat nicht gegen die Windenergie per se seien. Für sie wären es aber zu viele Anlagen auf einem Fleck.