Hinterweidenthal
Wespenplage: Tiere sollen umziehen
Das kennen wir alle: In der warmen Jahreszeit wird draußen gegrillt. Die Gaumenfreude wird aber nur allzu oft getrübt durch stechende Plagegeister: Wespen. So mancher bedient sich dann gern einer Fliegenklatsche, um dem munteren Treiben ein jähes Ende zu bereiten und Stiche zu vermeiden.
„Wespen haben zu unrecht einen schlechten Ruf“, findet hingegen der Hinterweidenthaler Pascal Biebel. Der Vater einer neunjährigen Tochter weiß, wovon er spricht: Er ist gewissermaßen Wespenexperte mit Zertifikat. „Die Natur braucht Räuber, die Bestände regulieren, damit andere Insektenarten nicht überhand nehmen. Wespen sind nützliche Insekten“, sagt der 26-Jährige.
Wespen umsiedeln
Töten ist verboten, das Motto laute Vermeidung. Und wenn sich das Wespenvolk bereits ihr Nest am Wohnhaus gebaut hat, es quasi zum schlimmsten Fall gekommen ist, lässt sich das Problem durch Umsiedelung lösen. Biebel bietet dafür eine Beratung an. In seine Ausstattung habe er rund 1200 Euro investiert und zusätzlich eine Sachkundebescheinigung „Umsetzen von Hornissen und anderen besonders geschützten Insekten“ an der Fachhochschule für Hygienetechnik in Rüdesheim erworben. „Die Zeit, in denen sich die Tierchen vermehren, steht unmittelbar bevor“, erinnert der Hinterweidenthaler.
Zucker als „Flugbenzin“ und Fleisch für die Aufzucht
Warum Wespen in den Augen vieler Menschen Plagegeister sind, kann Biebel erklären. „Die Wespe benötigt für die Aufzucht kein Nektar, sondern Eiweiß aus Fleisch und als ,Flugbenzin’ braucht sie Zucker, den sie aus Fallobst bezieht. Und von der faulen Birne bis zu unserem Quetschekuchen ist es quasi nicht weit“, macht der Fachmann anschaulich klar, warum Wespen so gerne an den frisch gedeckten Kaffeetisch kommen.
Biebel engagiert sich zudem in zwei freiwilligen Feuerwehren. Bei manchen Einsätzen wurden die Wehrleute vor Herausforderungen der besonderen Art gestellt und mussten sich im Umgang mit Wespen üben. Das kann etwa der Fall sein, wenn Menschen mit Allergien betroffen sind.
Mindestens drei Kilometer weit wegbringen
In eigens hergestellten Wespenkästen wird das komplette Nest dorthin verlagert, wo es keine Konflikte mit Menschen gibt. Dank einer Kooperation mit dem Forstamt Hinterweidenthal kann Biebel die Wespenkästen an ausgewählten Standorten abseits von Wanderwegen positionieren. „Die Entfernung zum ursprünglichen Nest sollte mindestens drei Kilometer betragen, denn ist es kürzer, fliegen die Wespen wieder zurück“, erklärt er. Ein Jahr lang dauert die Umsiedlung, folglich sind auch seine Nestkästen dann zwölf Monate lang geblockt. „Ich habe aber genügend Stückzahlen, sodass ich den Bedarf decken könnte“, ist er zuversichtlich.
Wespe ist auch nicht gleich Wespe: Die verschiedenen Arten, bei uns sind es etwa acht an der Zahl, könne man am einfachsten an der Art der Nester unterscheiden. „Die eine Art bevorzugt Totholz, andere frisches Holz, wieder andere lieben es flauschig, um ihr Nest zu bauen.“ Auch Hornissen gehören der Familie der Wespen an.
Hält Hühner, Enten und Bienen
„Beratung macht viel aus, oftmals ist es gar nicht nötig, eine Umsiedlung vorzunehmen. Mit ein paar Tricks und Kniffen kriegt man meist die Plage auch ohne Aufwand in den Griff. Hierin sehe ich meine Aufgabe“, sagt der junge Mann. Einen richtigen Einsatz hatte er noch nicht. Aber Pascal Biebel ist sicher, in allernächster Zeit wird es soweit sein. Ende August sterben dann einige Wespenarten ab, andere leben bis in den Oktober hinein. „Beratung ist deshalb ein wichtiger Aspekt“, sagt der Experte.
Neben seinem Faible für Insekten ist Pascal Biebel so etwas wie ein angehender Selbstversorger. Im Garten der Familie Biebel picken Hühner, zusammen mit einem Nachbarn werden Enten gehalten, und drei Bienenvölker in der Umgebung seiner Arbeitsstätte, dem Pfalzklinikum Klingenmünster, sind nicht nur Hobby, sondern auch Therapie für die Patienten, die Biebel als Pflegefachkraft in der Klinik für forensische Psychiatrie betreut. „Verantwortungsvoll mit Natur und Tier umgehen, das ist der therapeutische Ansatz“, sagt er und fügt hinzu: „Wer gut mit Tieren umgehen kann, hat es auch bei den Menschen leichter“. So ganz nebenbei können die Patienten den selbst geschleuderten Honig kosten.
Ehefrau Lisa, sie ist Krankenschwester, und Tochter Lana unterstützen Pascal Biebel bei der Versorgung der Tiere. Derzeit hüpfen ein gutes Dutzend Küken im Stall herum und werden von Lana und ihren Schulfreundinnen bestens verköstigt.