Kreis Südwestpfalz Wer hätte Anne Frank gerettet?

Die Anne-Frank-Ausstellung wird morgen, Sonntag, um 11 Uhr in Pirmasens eröffnet. Im November kommt die Wanderausstellung ins St
Die Anne-Frank-Ausstellung wird morgen, Sonntag, um 11 Uhr in Pirmasens eröffnet. Im November kommt die Wanderausstellung ins Stadtmuseum nach Zweibrücken.

„Hätten wir Menschen wie Anne Frank versteckt?“ Theo Wieder, Bezirkstags-Vorsitzender und Schirmherr der Ausstellung über die jüdische Tagebuchschreiberin, ist sich da nicht so sicher. Morgen, Sonntag, wird die Ausstellung in Pirmasens in der Alten Post eröffnet. Von 14. November bis 12. Dezember kommt die Ausstellung nach Zweibrücken ins Stadtmuseum.

Die Geschichte des jüdischen Mädchens Anne Frank, das sich mit seiner Familie zwei Jahre lang in Amsterdam in einem Hinterhaus vor dem Abtransport ins Konzentrationslager versteckte, dürfte fast jeder kennen. Ihr in diesen Jahren geführtes Tagebuch wurde verfilmt. Unzählige Bücher sind über das Schicksal der letztlich doch verratenen Familie erschienen. Die vom Anne-Frank-Zentrum erarbeitete Ausstellung liefert dennoch viele unbekannte Details, und für Theo Wieder, der die Ausstellung in die Pfalz holte, ist die Geschichte heute noch aktuell. Wie der Bezirksverband in seiner Ankündigung erklärt, hat Zweibrücken einen direkten Bezug zur Familie Frank. Annes Onkel, Erich Elias, wurde 1890 in Zweibrücken geboren. Sein Sohn „Buddy“ Elias hat Zweibrücken mehrmals in den Jahren vor seinem Tod besucht. „Ist das Eis heute dicker als 1933?“, fragte Wieder bei der Präsentation der Ausstellung in Pirmasens. Mit nur wenigen Tricks sei es damals den Nazis gelungen, eine Rechtsordnung auszuhebeln, auf der unsere heutige immer noch beruht. Wieder hatte die Ausstellung in Köln gesehen und wollte sie auch in der Pfalz haben. In Pirmasens war mit der Alten Post ein großer Ausstellungsraum schnell verfügbar, und so kam die vom Bezirksverband mit 10 000 Euro finanzierte Ausstellung zuerst dorthin. Im kommenden Jahr soll sie in Ludwigshafen an der Anne-Frank-Realschule gezeigt werden. Wieder warnte vor den Entwicklungen in „sogenannten Sozialen Medien“, wo eine Vielzahl an Kommentaren vor Hass und Diskriminierung nur so strotzten. Er empfahl, bei den Kommentaren die Worte Muslim oder Islam durch Jude und Judentum zu ersetzen. „Sie sind dann nicht mehr weit weg vom Stürmer“, meinte er mit Verweis auf das NS-Propagandablatt. Die morgen beginnende Ausstellung geht im zweiten Teil auf solche Fragen ein, die sich dem Heute widmen. Hier wird gefragt, wie sich die Besucher gegenüber diskriminierenden Witzen oder Hetzreden verhalten. „Wo leisten wir heute Widerstand, wenn andere diskriminiert werden?“, fragte Wieder. Der Nationalsozialismus sei keine einmalige Orgie des Bösen gewesen, sondern eine Verkettung im Hinnehmen von Entwicklungen, wie sie heute auch wieder passieren könnten. Die Ausstellung richtet sich an Jugendliche, die in einem ähnlichen Alter sind wie die mit 16 Jahren ermordete Anne Frank. Der erste Teil der Ausstellung mit historischen Fakten, vielen Filmausschnitten, Fotos und einem Faksimile des Originaltagebuchs sowie anderen authentischen Ausstellungsstücken der Zeit kann aber auch vielen Erwachsenen neue Einblicke in die Geschichte des Mädchens geben, das zwei Jahre lang das Haus nicht verlassen konnte und alles seinem Tagebuch anvertraute, auch mit dem Wissen um den literarischen Wert, den das Buch zweifelsohne hat und ohne den sein Erfolg wohl nicht so groß gewesen wäre. Ein wesentliches Element der Ausstellung ist die Ausbildung sogenannter Peer Guides. Dies sind Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren, die darin geschult wurden, Besucher, insbesondere Schulklassen, durch die Ausstellung zu führen. Damit wollen die Macher eine möglichst zielgruppenorientierte Führung erreichen. Von Jugendlichen für Jugendliche werde besser die richtige Sprache getroffen, als wenn ausgebildete Historiker dies tun, verteidigte Theo Wieder das Vorgehen. Im Vorfeld der Ausstellung habe es Kritik daran gegeben, und es sei gefordert worden, solch eine Wissensvermittlung den Historikern zu überlassen. 30 Jugendliche werden nun geschult. In der Mehrzahl hätten sich Mädchen gemeldet, erzählte gestern die für die Museumspädagogik in der Alten Post zuständige Denise Kamm. Die Peer Guides kommen laut Kamm aus allen Schularten von der Realschule plus über die Integrierte Gesamtschule bis zum Gymnasium. 16 Schulklassen hätten sich bisher für eine Führung angemeldet. „Hier haben wir noch viel Luft nach oben“, sagte Kamm, die auch auf Schulklassen aus dem weiteren Umland von Pirmasens hofft. Kamm betonte, dass der Eintritt für Schulklassen frei sei. Die Ausstellung wird morgen, 11 Uhr, eröffnet. Neben dem Pirmasenser Oberbürgermeister Bernhard Matheis und Theo Wieder wird Patrick Siegele, der Direktor des Anne-Frank-Zentrums Berlin, in die Ausstellung einführen. Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“, ist in Pirmasens bis 4. Mai täglich 10 bis 17 Uhr zu sehen. Eintritt sechs Euro. Kultur

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