Kolumne
Wenn einem Roten der Gaul durchgeht
Die Aufkündigung der großen Koalition im Kreistag Südwestpfalz durch die CDU hat die SPD aufgebracht. Die Roten sind mächtig angefressen. Damit halten sie nicht hinterm Berg. Einer, der Enttäuschung und Wut über den Wortbruch der CDU öffentlich macht, ist der Hauensteiner Andreas Wilde. Er sitzt für die SPD im Kreistag und er ist Beigeordneter sowohl der Orts- wie auch der Verbandsgemeinde Hauenstein. Wilde nutzt sein Facebook-Konto und übt heftige Kritik an den in seinen Augen Verantwortlichen für den Koalitionsbruch. Zuerst waren es der CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzende Christof Reichert und die CDU-Landrätin Susanne Ganster, die zugleich stellvertretende Vorsitzende der Kreis-CDU ist. Zuletzt kam noch der Rodalber CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Timo Hornung hinzu, der für Ganster und Reichert schon Wahlkämpfe organisiert hat.
Wilde nutzt das soziale Netzwerk Facebook und verlinkt seine Beiträge mit den Seiten von Ganster und Reichert. Auf der Seite der CDU-Landrätin tauchten diese Posts von Wilde regelmäßig auf. Angesichts der Kommentare, die unter den Beiträgen standen, und die dann auch auf der Seite der Beschimpften zu sehen waren, war das ein Angriff unter der Gürtellinie. Shitstorm nennt man das. Und der war viel zu lange erfolgreich. Mittlerweile sind Wildes Beiträge auf der Facebook-Seite der CDU-Landrätin verschwunden. „Beiträge gelöscht“, „löschen und aussperren von Kritik und unliebsamen Artikeln“, heißt es unter Wildes Postings, die jetzt die verlinkten CDU-Adressaten nicht mehr erreichen. Es gibt in Facebook eine Einstellung, die es Nutzern nicht möglich macht, Artikel auf fremden Seiten zu teilen. Die kennt nicht jeder, was man immer wieder an massenhaft verbreiteten Gewinnspielen und Sonderangeboten sieht. Diesen Schalter hat Ganster offensichtlich gefunden und gleich alle Wilde-Postings gelöscht. Das ist voll in Ordnung. Ist die Gartentür zu, kann einem keiner mehr Mist vor die Tür kippen, ohne es mitzubekommen.
Eigene Koalitionsbrucherfahrung
Zwei Anmerkungen zum wilden Treiben: Wilde kennt sich mit der Aufkündigung von Koalitionen aus. Als im Dezember 2020 die Koalition aus FWG, SPD und Grünen im Verbandsgemeinderat Hauenstein zerbrach, sagte er zur RHEINPFALZ, das Aus sei nach „einer Reihe von Diskrepanzen auf vielen Ebenen, die ein ,Weiter so!’ nicht mehr möglich machen“, erfolgt. So argumentierte jetzt die Kreis-CDU. Hauptgrund für den Koalitionsbruch in Hääschde war, dass sich die FWG nach der Wahl von Patrick Weißler zum Verbandsbürgermeister nicht mehr an die Vereinbarung hielt, die Beigeordneten mit Geschäftsbereichen auszustatten. Wilde und der Grüne Manfred Seibel haben also nicht bekommen, was ihnen zugesagt war. Seibel trat später als Beigeordneter zurück, weil er nach einem weiteren Versuch erneut keinen Geschäftsbereich bekam.
Zweitens: Urheberrechtlich wandelt Wilde mit seinen Beiträgen auf einem schmalen Grat. Das Posten von Zeitungsausschnitten ist eigentlich nicht gestattet. Aber im Eifer des Gefechts kann man auf solche Petitessen keine Rücksicht nehmen.