Dietrichingen / Großsteinhausen
„Wenn ein arbeitendes Paar kein Haus bauen kann, stimmt was nicht“
Vier Baugebiete erschließt Berthold Staab mit seiner Bauträgergesellschaft und seiner Baufirma aus Schmitshausen derzeit im Süden der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Sowohl in Dietrichingen, wo man erst anfängt, als auch in Großsteinhausen, wo noch zwei Bauplätze frei sind, engagiert sich Staab. Wobei die Vermarktung aufgrund gestiegener Zinsen und vor allem enorm gestiegener Handwerker- und Baustoffpreise laut Staab eher schwierig geworden ist.
In der Flurstraße in Dietrichingen baut Staabs Firma ein U-Straße, an die insgesamt 16 Bauplätze für Einfamilienhäuser grenzen. „Jenseits der Kreuzklamm“ heißt das Neubaugebiet, das derzeit noch aus Wiesen- und Ackerflächen besteht und am Hang Richtung Camp Dietrichingen liegt. Die Planung ist nahezu fertig, ganz fertig ist der Bebauungsplan, der öffentlich ausliegt. „Die Straße wird verkehrsberuhigt mit Pflaster ausgebaut. Es gibt ein Regenrückhaltebecken und wir bauen zwei Kanäle. Wir müssen noch die Einleiteerlaubnis klären“, sagt Berthold Staab zum reinen Wohngebiet. Bis Ende 2024 soll das Baugebiet fertig sein. Die ersten Bagger für die Erschließung sollen Ende Sommer dieses Jahr rollen. In Großsteinhausen ist am Ortsausgang in Richtung Bottenbach ein Mischgebiet entstanden, in dem noch zwei Bauplätze an der Straße frei sind. Hier seien sowohl Wohn- als auch Kleinbetriebsbebauung möglich. In Walshausen sind die vier Bauplätze, die Staab gehörten, verkauft, von den weiteren vier, welche der Ortsgemeinde waren, sind laut Staab noch welche zu haben. Das Neubaugebiet am Ortseingang von Falkenbusch umfasst neun Bauplätze, die alle verkauft und nahezu alle bereits bebaut sind.
Bauplätze: eine Investition, die sich lohnt?
„Die Nachfrage ist nicht mehr so da wie früher“, hat Bauunternehmer und Bauträger Staab gemerkt. Teils stark gestiegene Baustoff- und Handwerkerpreise schreckten viele ursprünglich am Neubauen Interessierte ab. Höhere Zinsen würden diesen Trend noch verstärken. „In manchen Gebieten läuft es besser, in anderen weniger gut“, macht er aber auch regionale Unterschiede aus. So sei die Nachfrage nach Neubauland in Thaleischweiler-Wallhalben größer als beispielsweise in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Trotzdem will der Schmitshauser an seinem geschäftlichen Mischmodell zwischen Baufirma und Bauträgergesellschaft festhalten und auch weiterhin Baugebiete erschließen. Auch und gerade, weil derzeit in der Baubranche nicht viel los sei.
„Ein Bauplatz ist eine Investition, die ihren Wert immer steigert. Man muss ja nicht sofort bauen. Man kann ja auch kaufen und erst dann bauen, wenn sich die Preise wieder normalisiert haben. Bei Holz und Stahl sind die Preise schon gesunken, und das wird auch in anderen Bereichen so kommen, weil die Nachfrage gesunken ist“, sagt er voraus. Noch sind jedoch einige Preise weit entfernt von den Preisen von vor einigen Jahren. Was auch Staabs Schwiegersohn und rechte Hand, Fabian Peifer, bestätigt. Und er fährt fort: „Wenn heute beispielsweise beide Teile eines Paares arbeiten, muss es für die möglich sein, sich ein Haus zu bauen. Und wenn das nicht mehr geht, dann stimmt ja etwas nicht, und es muss sich etwas ändern“, ist er überzeugt.
Staab: Vorteile von einer Privatstraße hat niemand
Mit Blick auf die Zweibrücker Siebenpfeifferstraße, von der ein Teil ein Investor gekauft hat und anschließend von den Bewohnern unter der Drohung der Sperrung der Privatstraße ein Kaufangebot verlangt hatte, sagt Berthold Staab klipp und klar: „Wir haben noch nie eine Privatstraße gebaut. Wir bauen ausschließlich Straßen, die wir der Gemeinde schenken. Das ist für die Gemeinde günstiger, weil, wenn sie den Bau ausschreiben, muss die Gemeinde einen Teil der Straße bezahlen“, erklärt er. Vorteile habe von einer Privatstraße eigentlich keiner, sagt auch Fabian Peifer. Denn der Besitzer sei zuständig für Winterdienst und Reparaturen. Beim Staab’schen Modell hingegen spare sich Gemeinde die Baukosten und müsse anschließend nur für den Unterhalt aufkommen. Das komme den Gemeinden in Zeiten leerer Kassen sehr entgegen.
Zukünftige Baugebiete wollen Berthold Staab und Fabian Peifer in der Dellfelder Schulstraße erschließen, dort sind um die 15 Bauplätze geplant. Auch für Kleinbundenbach gibt es eine Vorplanung. Auch in Lemberg ist ein Projekt avisiert. Generell will sich Staab nicht auf die Region festlegen. Denn wenn es sich rechnet, ist er auch bereit, weiter weg zu bauen und zu erschließen. Denn auch für ihn selbst seien alle Kosten gestiegen, vom Material über Lohn- bis zu Treibstoffkosten und Verwaltungskosten. Diese könne er bei laufenden Maßnahmen nicht umlegen auf die Käufer. Die Mitarbeiterzahl ist konstant bei rund knapp 30, seit Corona kamen zwei Mitarbeiter dazu. Baufirma und Bauträger ergänzten sich umsatzmäßig nahezu hälftig. Derzeit sei die Auftragslage gerade im öffentlichen Bereich nicht rosig. „Man muss stets hintendran bleiben“, beschreibt er sein Motto. Auch habe man in moderne Technologie investiert und sei dadurch leistungsfähiger, beispielsweise durch neue GPS-Steuerungen in Baumaschinen. „Durch die Digitalisierung können wir teilweise den Fachkräftemangel in der Baubranche auffangen“, sagt Fabian Peifer.