Südwestpfalz
Wenn der Notruf bei der falschen Stelle landet
Das Ehepaar aus Münchweiler war auf seiner Wanderung einem älteren Herrn begegnet und bemerkte, dass dieser kurz darauf eine Böschung hinunterstürzte und sich nicht mehr aufrichten konnte. Manuel Ackel wählte die Notrufnummer 112, weil das Telefon aber im französischen Handynetz eingebucht war, wurde er mit Notrufleitstelle in Metz verbunden. Es habe eine Weile gedauert, bis die Notrufdisponenten in Metz einen Deutsch sprechenden Kollegen fanden. Der erklärte den verdutzten Wanderern schließlich, dass Metz für Notfälle in Deutschland nicht zuständig sei und den Notruf auch nicht nach Deutschland weiterleiten könne. Er empfahl Dana und Manuel Ackel, ein Stück weiterzulaufen, bis wieder deutsches Handynetz verfügbar ist. Das Paar schaffte es, einen Autofahrer anzuhalten, auch zwei Motorradfahrer konnten helfen. Der verletzte Mann wurde mit einem Rettungswagen weggebracht.
Das Problem von Dana und Manuel Ackel ist kein Einzelfall. Entlang der Grenze zu Frankreich kommt es immer wieder zu Notsituationen, in denen Betroffene den europaweiten Notruf 112 wählen und in Metz landen. Der Notruf könne aber an die deutsche Leitstelle weitergegeben werden, wie André Schattner von der Pressestelle der Kreisverwaltung mitteilte. „Aktuell werden die einsatzrelevanten Informationen noch per Fax weitergeleitet“, so Schattner. Wieso dies der Mitarbeiter in Metz im Fall der Ackels nicht machte, bleibt offen. Die in Zeiten allseits beschworener Digitalisierungsoffensiven prähistorisch klingende Übermittlung per Fax soll bald der Vergangenheit angehören. Laut Schattner gibt es ein Programm namens „Interred“, das über die Europäische Union initiiert wurde und seit Januar 2019 die Verbesserung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit der Rettungsdienste anstrebt.
Die Sprachbarriere soll laut Schattner mit einer technischen Lösung behoben werden. „Der Notrufende, der nicht verstanden wird, soll durch die technische Lösung schnell an die zuständige Leitstelle im Nachbarland weitergeleitet werden“, erklärt der Verwaltungssprecher. Außerdem sollen die im Nachbarland zur Verfügung stehenden Einsatzfahrzeuge auf einer digitalen Karte eingesehen werden können, womit die Einsatzfähigkeit im Ernstfall verbessert würde.
Im Rahmen des Programms sei zudem ein regelmäßiger Informationsaustausch vorgesehen, um die jeweils andere Seite über die Arbeitsweisen und die Notfallversorgung zu informieren, was allgemein die Zusammenarbeit verbessern würde. Die Kosten des Projekts: 7,2 Millionen Euro.
Wann der Notruf künftig im Grenzgebiet auch über französisches Handynetz schnell bei der Leitstelle in Landau landet, konnte Schattner nicht sagen. Aktuell werden die Daten für die digitale Plattform konzipiert und dann deren Realisierung europaweit ausgeschrieben. Das Projekt „Interred“ soll allerdings am 31. Dezember kommenden Jahres fertig sein, was bedeutet, dass spätestens dann die Notrufe bei der richtigen Leitstelle landen.
