Höheinöd / Steinalben RHEINPFALZ Plus Artikel Weitere Solaranlagen in der Diskussion

Der Strombedarf steigt und damit das Interesse am Bau weiterer Solaranlagen.
Der Strombedarf steigt und damit das Interesse am Bau weiterer Solaranlagen.

In Höheinöd ist seit 2009 der Solarpark am Horschelkopf in Betrieb. Seither wird auf dieser Fläche Strom aus der Sonne gewonnen. Jetzt gibt es Interessenten, die weitere Freiflächenanlagen in Höheinöd bauen wollen. Der Gemeinderat wird dazu am Dienstag eine grundsätzliche Entscheidung treffen (19 Uhr, Haus des Bürgers). In der Nachbargemeinde Steinalben war dieser Grundsatzbeschluss für einen geplanten Solarpark im Seetal positiv ausgefallen. Es gibt aber Widerstände.

„Es ist wichtig, dass dieser Prozess so transparent wie möglich abläuft“, sagt Höheinöds Bürgermeister Lothar Weber (SPD). Deshalb hatte es reichlich Informationen zum Thema Solarpark gegeben, „damit sich die Ratsmitglieder auch selbst ein umfassendes Bild machen können, bevor sie entscheiden“. Ein solches Projekt beinhalte natürlich Punkte, die dafür und dagegen sprechen. „Da gibt es ganz viel zu beachten“, weiß Weber.

Ausgelöst wurde das, „weil uns mittlerweile acht Anfragen von Firmen oder Interessengemeinschaften vorliegen, die hier in Höheinöd weitere Flächen nutzen wollen, um Solarstrom zu erzeugen“, schildert Weber die Situation. Zwei Flächen, an denen Interesse bekundet wurde, liegen links beziehungsweise rechts der Autobahn. Eine Erweiterung des bestehenden Solarparks am Horschelkopf ist gleichfalls Thema.

Mehr Strombedarf – mehr Solarstrom

Dieser Solarpark wurde Ende 2009 in Betrieb genommen. Die damalige Pfalzsolar, an der die Pfalzwerke beteiligt waren, realisierte ihn. Die Pfalzsolar ging irgendwann in den Pfalzwerken auf. Diese sind nun an der Pionext GmbH beteiligt, die den Solarpark betreibt und unter anderem in Herschberg eine Freiflächensolaranlage plant.

Am Horschelkopf gibt es eine vier Hektar große Fläche für den Park, von der etwa 2,3 Hektar mit Solarmodulen belegt sind. 16.595 Module sind verbaut, die eine Leistung von 2,16 Megawatt/Peak bringen. Die Anlage laufe, sagt Weber. Sie bringt der Gemeinde unter anderem Gewerbesteuer.

Der Strombedarf in Deutschland wird in den kommenden zehn Jahren deutlich steigen. Zuletzt hatte die Bundesregierung ihre Prognose deutlich nach oben korrigieren müssen auf 665 Terawattstunden, 20 Prozent mehr als aktuell. Der Bedarf soll überwiegend aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Mit ein Grund, warum auch in der Südwestpfalz die Nachfrage nach Freiflächen für Solarparks steigt.

Rat muss Grundsatzentscheidung treffen

Der Rat in Höheinöd muss grundsätzlich entscheiden, ob, und wenn ja, in welcher Form beziehungsweise an welchen Standorten, er sich weitere Solarflächen vorstellen könnte. Die Grundstücke, auf denen die Solarmodule gestellt werden können, befinden sich in Privateigentum. Ob bei einem positiven Signal seitens der Gemeinde alle ihre Flächen anbieten, „bleibt abzuwarten“, sagt Weber. Falle die Grundsatzentscheidung positiv aus, werde man sich auf wenige Nachfrager konzentrieren. Ein entscheidendes Kriterium werde sein, wer das beste Angebot für die Gemeinde und damit für alle Höheinöder Bürger einbringt.

Solarpark auch in Steinalben Thema

Auch in der Nachbargemeinde Steinalben ist wie berichtet ein Solarpark ein großes Thema. Im Seetal gibt es eine Fläche von 20 bis 30 Hektar, die für die Solarstromgewinnung geeignet wäre. Der Steinalber Gemeinderat hat, nachdem ein Anbieter skizziert hatte, wie ein Solarpark aussehen könnte, sein grundsätzliches Interesse bekundet, dieses Projekt positiv zu begleiten. „Das wären wichtige Einnahmen für die Gemeinde“, sagt Klaus Reischmann (CDU). Gelder, die es ermöglichen würden, in der Gemeinde manches zu realisieren, „von dem letzten Endes alle Bürger profitieren“, sagt Reischmann.

Er macht aber auch deutlich, unterstrich das auch in der Ratssitzung, dass es kein Gemeindeprojekt ist. Wie in Höheinöd wären auch in Steinalben private Flächen erforderlich. Die Grundstückseigentümer müssen ihre Flächen für das Projekt verpachten. Der Gemeinderat müsste den Bebauungsplan aufstellen. In Steinalben sind aktuell drei Interessenten für das Solarpark-Projekt in der engeren Diskussion. Dass sie dem Rat ihre Konzeptionen vorstellen, ist der nächste Schritt.

Widerstand von Bürgern

In Steinalben gibt es aber erheblichen Widerstand. Annette Günther aus Steinalben hatte eine Online-Petition gestartet, hatte in Steinalben informiert und Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Die überreichte sie Reischmann in der vergangenen Ratssitzung. 660 Unterschriften gab es gegen das Projekt. „Hätte ich nie erwartet“, sagt Günther. Entscheidend seien die Unterschriften der Steinalber Bürger. 185 Bürger aus Steinalben sprechen sich gegen einen Solarpark im Seetal aus. „Natürlich haben da auch ein paar Kinder unterschrieben, aber es ist ja auch deren Zukunft“, sagt Günther. Nehme man die Unterschriften der Erwachsenen aus Steinalben, „ist es mindestens ein Viertel der Bewohner die nein zu dieser Idee sagen“, sagt sie.

Nicht gegen Solarstrom, aber gegen den Standort

Und das nicht, weil man gegen die Solarstromgewinnung sei. „Damit hat das nichts zu tun, im Gegenteil“, sagt Günther. Aber die betroffene Fläche im Seetal sei Teil des Naturparks Pfälzerwald. Die Flächen seien wichtig für den Erholungsfaktor, „und es handelt sich um sehr wertvolle Magerrasenflächen, die zahlreichen Arten Lebensraum bieten. Zum Beispiel seltene Thymianarten.“ Regenerativ Energien gewinnen dürfe nicht zu Lasten des Artenschutzes gehen. Der Klimawandel zeige, dass auch der Erhalt dieser ökologischen Flächen sehr wichtig sei. Der Sandboden im Seetal sei wichtig als Versickerungsfläche, das bekomme in Zeiten von Starkregen zunehmend Bedeutung. Würden Solarmodule installiert, „verlieren wir Sickerflächen, bilden sich Bereiche, in denen das Wasser verstärkt gesammelt wird“, skizziert sie ein Beispiel, das gegen die Nutzung spreche. Mittlerweile ist auch der Naturschutzbund mit im Boot. Für Günther steht fest, dass es Alternativen gibt, um die Strommenge, die dort mittels Solar produziert würde, anderweitig mittels Sonnenstrom zu gewinnen. „Es gibt so viele versiegelte, überdachte Flächen, die müssten effektiver genutzt werden“, steht für sie fest. Das Seetal sei definitiv zu wertvoll für die Solarstromgewinnung.

„Wir verstehen das und nehmen das auch ernst“, sagt Reischmann. Aber am Ende gehe es darum, das Für und Wider abzuwägen, „und aus meiner Sicht sprechen mehr Punkte für einen Solarpark im Seetal als dagegen“, sagt Reischmann. Schon in der Ratssitzung machte er deutlich, dass er und zumindest ein Großteil des Rates das Projekt befürworten.

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