Kreis Südwestpfalz Wasserfälle auf Beton
„Also machen wir das jetzt wirklich?“ Isidora Paz-Lopez konnte es am Montag kaum fassen: Ihr Vorschlag, die Felsentreppe mit einem großen Mosaik mit Naturmotiven aufzuwerten, wird nächstes Jahr Wirklichkeit. Die chilenische Künstlerin will Pirmasens zur Mosaikhauptstadt Deutschlands machen.
Der untere Teil der Treppe, die von der Bahnhofstraße neben der Koppschen Fabrik hinab zur Schäferstraße führt, könnte der Anfang einer Reihe von großen Mosaiken sein, mit denen die Künstlerin Isidora Paz-Lopez die Stadt verschönern will (wir berichteten am Samstag vorab). Paz-Lopez (43) kommt aus Chile, hat dort schon mit weiteren Künstlern großflächig Mosaikkunst betrieben und lebt mit ihrem Mann seit mehreren Jahren in Hinterweidenthal. „Wir wohnen hier in der Region, also gilt es, hier etwas zu tun. Wir wollten das nicht in Berlin machen“, erklärte ihr Ehemann Chris Lukhaup gestern im Pressegespräch. Der frühere Rockmusiker ist weit gereist, zuletzt lebte das Paar in Stuttgart. An der Südwestpfalz schätzen die beiden die Natur − und die soll sich auch in der Pirmasenser Mosaikkunst wiederfinden. Bereits vor zwei Jahren hatte Paz-Lopez deswegen mit der Stadt Kontakt aufgenommen. Sie berichtete im Hauptausschuss von den Anfängen ihres Gemeinschaftsprojekts in Puente Alto, einst ein heruntergekommener Vorort von Chiles Hauptstadt Santiago de Chile: reichlich Graffiti und Dreck an den Haltestellen, nur negative Schlagzeilen. Das Mosaikprojekt habe den Ort deutlich aufgewertet − auch weil Paz-Lopez nach eigenen Worten Arbeitslose einband, die Bewohner ein neues Gefühl für ihren Vorort entwickelten und inzwischen Touristen aus aller Welt kommen, um die Mosaike zu bewundern. Oberbürgermeister Matheis sieht in dem Kunstwerk an der Felsentreppe eine Aufwertung der Innenstadt. Der Aufgang in der Schäferstraße sei bestens geeignet, weil ihn täglich viele Autofahrer und Fußgänger passierten. „Als pittoresk kann man das nicht bezeichnen“, sagte er über die Treppe, die immer wieder beschmiert und zugemüllt wird. Paz-Lopez’ Vorhaben sei „ein überschaubares Projekt, das einen großen Mehrwert bringt“. Dann nutzten vielleicht auch wieder mehr Leute die Treppe. Mosaike blickten auf eine lange Tradition zurück − auch in Pirmasens, erinnerte der OB an den Sandsteinfries der Alten Post, der ein Mosaik enthält. Auch Matheis kann sich gut vorstellen, dass aus Pirmasens mit Paz-Lopez’ Hilfe eine „Mosaikstadt“ wird. „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal“, das Besucher anziehe. Doch bedürfe es Sponsoren für weitere Kunstwerke − da Pirmasens hochverschuldet ist, kann es sich solche freiwilligen Leistungen nicht erlauben. Matheis ist zuversichtlich, dass sich Geldgeber finden, das habe bei der Gestaltung mehrerer Kreisel auch funktioniert. Sollten wider Erwarten keine Sponsoren einspringen, „dann kann die Felsentreppe auch für sich stehen“. Beim ersten Projekt („Da kann ich kein Risiko eingehen“) will Paz-Lopez mit erfahrenen Künstlern arbeiten, bei weiteren würde sie, wie in Chile, Arbeitslose einbinden. Paz-Lopez’ Motive, die sie für die Treppe gewählt hat, fügen sich ins Grün und den Felsen der Umgebung ein. Nach ihrer Beobachtung verändert ein Mosaik nicht nur ein Bauwerk, sondern auch die Leute drumherum: „Mosaike inspirieren Menschen. Wenn das in Chile möglich ist, dann geht das auch in Deutschland.“