Hinterweidenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Wasser möglichst lange im Wald halten

Damit der Pfälzerwald, hier am Löffelsberg bei Busenberg, gesund bleibt, braucht er regelmäßig Regen.
Damit der Pfälzerwald, hier am Löffelsberg bei Busenberg, gesund bleibt, braucht er regelmäßig Regen.

Wie lässt sich Regenwasser länger im Wald halten, um die Bäume in trockenen Sommern zu unterstützen? Michael Grünfelder, Forstamtsleiter von Hinterweidenthal, gibt Antworten.

Der viele Regen der vergangenen Monate sei wichtig für den Wald gewesen, sagt Forstamtsleiter Michael Grünfelder. Allerdings habe der Regen den Bäumen, die bereits im Sterben liegen, nicht helfen können. Dieser Prozess lasse sich nicht aufhalten. Die Schäden seien in den vergangenen Jahren sehr weit fortgeschritten. Gerade die Buche bereite im Forstamt Hinterweidenthal große Sorgen.

Generell nehme die Vitalität von Bäumen im Alter ab, sie erholten sich dann nur noch schwer. Bei Buchen sei das ab einem Alter von etwa 120 Jahren der Fall, bei Eichen ab 200 Jahren. Je nach Standort könnten jedoch auch jüngere Bäume betroffen sein, erklärt Grünfelder. Vor allem bei Bäumen auf Plateaulagen sowie an Südhängen wirke sich die Trockenheit massiv aus. Der Forstamtsleiter schätzt den Anteil auf ein bis zwei Prozent der Bäume, Tendenz wachsend. Der Regen habe dem Wald lediglich eine kurze Verschnaufpause gewährt.

Dieses Jahr ist die Ausnahme

Die durchschnittliche Niederschlagsmenge habe in den vergangenen zehn Jahren systematisch abgenommen, sagt Grünfelder mit Blick auf die Daten, die an der Wetterstation in Merzalben seit dem Jahr 1881 gesammelt werden. Dieses Jahr stelle bisher eine Ausnahme zur sinkenden Tendenz dar.

Was sich ebenfalls verändert hat, sind die Vegetationszeiten der Bäume, diese haben sich nach vorne verschoben. Die Buche schlage mittlerweile Anfang Mai aus. Gleichzeitig fehlten Niederschläge in der Vegetationszeit, also genau dann, wenn die Bäume das Wasser dringend bräuchten.

Doch anders als in den Vorjahren sei der Wald diesen Sommer mit einer hohen Bodenfeuchte in die Saison gestartet. Grünfelder schätzt, dass die Wassermenge, die im Waldboden vorhanden ist, bis in den August reichen dürfte. Das Regenwasser brauche acht bis zehn Jahre, bis es 200 Höhenmeter durch den Boden gesickert sei. Der Buntsandstein sei porös und halte das Wasser wie ein Schwamm. Nur der oberflächliche Sandboden trockne sehr schnell aus.

Wie das Wasser im Wald gehalten wird

Damit das Wasser besser im Wald gehalten werde könne, gebe es verschiedene Bemühungen, erklärt Grünfelder. Früher sei es das Ziel gewesen, Wasser auf direktem Weg möglichst schnell von den Wegen abfließen zu lassen, beispielsweise durch Rohre. Nun soll das Wasser in die Breite und damit in die Bestände gebracht werden. Finden Waldarbeiten statt, werden die Maßnahmen mittlerweile dazu genutzt, dieses Konzept umzusetzen. So werden an Hanglagen entlang der Bergseite Gräben als Flutmulden gezogen, in denen das Wasser langsam versickere.

Fällt mehr Wasser an, als diese Flutmulden fassen können, helfen Rigolen weiter. An diesen Stellen bestehen die Waldwege aus aufgeschichtetem Schotter unterschiedlicher Körnung. Durch diese Schicht kann das Wasser fließen. Entweder es versickere nach unten in den Boden oder laufe durch die Rigole durch. In jedem Fall sei der Wasserzug verlangsamt.

Rigolen sorgen für langsamen Wasserzug

Eine weitere Maßnahme sei die Forstarbeit an sich. Je nach Hanglage und Baumart werde ein individueller Nutzungsansatz für den Standort entwickelt. Je älter die Bäume sind, desto dunkler sollte der Bereich beispielsweise gehalten werden, um die Verdunstung aufzuhalten.

Auch Totholz sei ein wertvoller Wasserspeicher, das Wasser werde durch die Rinde nach außen abgeschottet und sickere langsam nach unten. Generell gelte es, offenen Waldboden und Freilagen zu vermeiden. Doch so sinnvoll diese Maßnahmen seien, eines stehe fest: „Wenn die Temperaturen im Durchschnitt nach oben gehen, lässt sich das nicht durch Regen kompensieren“, betont Grünfelder.

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