Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Was die Corona-Zahlen verraten – und was nicht

Das Corona-Testcenter auf dem Parkplatz des ehemaligen Evangelischen Krankenhauses Zweibrücken.
Das Corona-Testcenter auf dem Parkplatz des ehemaligen Evangelischen Krankenhauses Zweibrücken.

Die Kreisverwaltung meldet jeden Tag, wie viele Personen in der Südwestpfalz positiv auf Sars-Cov2 getestet wurden. Wie viele tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert sind, lässt sich daran aber nicht ablesen. Das lässt sich nämlich gar nicht genau sagen. Auch bei anderen Zahlen muss man aufpassen. Manche sind zu hoch, andere zu niedrig oder alt.

Die Pressestelle des Kreises meldet jeden Tag zur Mittagszeit die Anzahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Personen. Diese Anzahl ist aber nur eine Momentaufnahme. Das ist auch allen Beteiligten bewusst und nichts Schlimmes. Das gleich vorweg.

Es gibt mehr Infizierte als positiv Getestete

Das Coronavirus Sars-Cov2 löst die Krankheit Covid-19 aus. Diese Abkürzung steht für Corona Virus Disease 2019, also Coronavirus-Krankheit 2019. Man kann infiziert sein, ohne tatsächlich krank zu sein. Deshalb ist die Anzahl der positiv Getesteten nicht gleich der Anzahl der Infizierten.

Nicht jeder, der wieder gesund ist, muss sich noch mal testen lassen

Seit Donnerstag meldet die Kreisverwaltung auch die Anzahl der genesenen Personen. Das sind Personen, die erst positiv und nach überstandener Krankheit negativ getestet wurden. Auch diese Zahl entspricht nicht der tatsächlichen Anzahl. Denn positiv Getestete werden nicht grundsätzlich ein zweites Mal getestet, wie Thorsten Höh, Pressesprecher der Kreisverwaltung, erklärt. Nur bei bestimmtem Personal, beispielsweise Krankenhausangestellten, geschehe das automatisch. Es gebe ansonsten keine Pflicht für einen positiv Getesteten, sich erneut testen zu lassen. Wer das möchte, müsse sich selbst um den zweiten Test kümmern.

Wer mit dem Virus stirbt, ist nicht unbedingt an dem Virus gestorben

Auch die Zahl der Verstorbenen spiegelt nicht unbedingt die tatsächliche Anzahl wider. Darauf hat der Kreis bereits hingewiesen. In der Südwestpfalz gibt es bisher zwei „Todesfälle mit Sars-Cov2 infizierten Personen“, wie es in der Übersicht des Landkreises heißt. Das ist korrekt. Aber es besagt, dass zwei Personen, die positiv getestet worden sind, verstorben sind. Es bedeutet nicht, dass sie an der Viruserkrankung gestorben sind. Tatsächlich ist in der Südwestpfalz eine Person an dem Virus gestorben, eine zweite – die positiv getestet worden war – aber an einer anderen Ursache. Der Kreis hat auch auf diesen Unterschied hingewiesen, folgt aber der Zählweise des Robert-Koch-Instituts (RKI), wie Höh erläutert. Das RKI spricht bei den Todesfällen von „im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben“ – also auch nicht davon, dass die Personen an der Krankheit selbst starben. Streng genommen würde hier auch ein Patient gezählt, der positiv getestet wurde, aber einen Unfalltod starb.

Wer in der Quarantäne gesund wurde, war gar nicht krank

Schließlich gibt es noch eine weitere Zahl: „Genesen aus Quarantäne entlassen“. Hier von Genesenen zu sprechen ist nicht korrekt. Denn es geht um Personen, die vorsichtshalber zuhause bleiben mussten. Sie wurden aber nicht getestet, hatten demnach auch keine Symptome und waren nicht erkrankt. Folglich mussten sie auch nicht gesund werden. Auch hier folge man dem RKI, erläutert Höh. Genesen bedeute in dem Fall, dass die Personen in der Quarantäne keine Symptome gezeigt hätten.

Die Zahlen des Ministeriums sind älter und kleiner als die vom Kreis

Und zu guter Letzt fassen wir uns an die eigene Nase: Auf rheinpfalz.de veröffentlicht die RHEINPFALZ die „Anzahl der Corona-Infizierten in der Pfalz“. Das müsste korrekt „Anzahl der positiv Getesteten in der Pfalz“ heißen. Die Zahlen weichen auch von anderen Artikeln auf unserer Internetseite ab. Unsere Übersichtsgrafik nimmt die Zahlen des Gesundheitsministeriums. Bis sie dort landen, dauert etwas: Die Gesundheitsämter melden die Anzahl der positiven Fälle an das Landesuntersuchungsamt, das sie ans Robert-Koch-Institut weiterleitet. Die Zahlen des Gesundheitsministeriums entsprechen den Zahlen in der Meldesoftware des RKI. Das RKI aktualisiert die Zahlen einmal täglich um Mitternacht. Unsere Lokalredaktion erhält die Zahlen schon mittags direkt vom Kreis. Deshalb sind sie neuer und höher.

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