Mittwochsinterview
Warum sich junge Hobbykünstler trauen sollten, ihre Werke öffentlich zu zeigen
Frau Scheid, wie kamen Sie zur Malerei?
Ich habe schon immer gerne gemalt. Mit der Schule und der Berufsschule hat das allerdings nichts zu tun. Ich bin von Beruf Technische Zeichnerin und dieses beruflich erforderliche technische Zeichnen, die starren Linien, sind in der Malerei ja eher hinderlich. Was mein Hobby anbelangt bemühe ich mich, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg locker zu malen.
Sind sie das Hobby Malerei zielgerichtet angegangen?
Nein, absolut nicht. Es fing klein an. Wahrscheinlich sehr typisch, mit Block, Stiften und Kritzeleien auf dem Block. Bei der ein oder anderen Kritzelei hat man gedacht, ach ja, ist ja ganz gut geworden. Es wurde dann immer besser, die Farben kamen ins Spiel.
Sie arbeiten mit verschiedenen Techniken?
Ja. Aquarelle und Pastellmalerei.
Wie und wo finden Sie Ihre Motive?
Ganz unterschiedlich. Ich war mein Leben lang gerne draußen in der Natur, ich mag Tiere. Die sind deshalb oft ein Motiv. Dabei sind die Augen ganz wichtig. In denen spiegelt sich schon die Seele des Tieres wider. Ich glaube, die Augen bekomme ich auch gut hin. Manchmal entdeckt man etwas in der Zeitung und denkt beim Anschauen, das könnte ich auch mal malen. Einen Eisvogel, der hier in der Ausstellung zu sehen ist, in der Natur so lange beobachten zu können, dass ich ihn malen kann, ist ja leider nicht möglich. Da helfen dann zum Beispiel Fotografien. Das ist die Grundlage. Natürlich malt man nicht den Vogel ab. Für das Endergebnis, zum Beispiel die Farbgebung, ist mein Empfinden wichtig. Ich wähle die Farben dann so, dass es mir gefällt. Bis ich zufrieden bin. Das ist wohl die bekannte künstlerische Freiheit.
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Bild?
Ja, tatsächlich. Ich habe vor Jahrzehnten am Küchentisch damit angefangen. Eine Postkarte war meine erste Vorlage. Ich wollte einfach wissen, ob was daraus wird. Mein Mann, der selbst auch malt, allerdings einen anderen Stil hat, schaute mir über die Schulter und sagte, dass ich nichts kochen müsse, weil das was wird (lacht). Das ist fast 50 Jahre her. Aber damals habe ich selbst gemerkt, dass es etwas werden könnte, und dass es mir vor allem sehr viel Freude macht.
Haben Sie auch Malkurse besucht?
Ja, den einen oder anderen. Für mich war aber die Literatur viel wichtiger. Ich habe viel über die Malerei, die Techniken gelesen und immer wieder probiert, das umzusetzen. Der Ehrgeiz wächst natürlich auch, wenn etwas gelingt.
Haben Sie mal überlegt, aus dem Hobby einen Beruf zu machen?
Nein, niemals. Es war immer ein schöner Ausgleich zum alltäglichen Leben. Der Alltag hat ja vorgegeben, wie viel Zeit für die Malerei bleibt. Das war immer sehr unterschiedlich. Haus, Familie, dann wurde mein Vater ein Pflegefall. Es war immer etwas zu tun. Aber wenn es die Zeit zugelassen hat, habe ich gemalt. Dabei konnte ich immer gut abschalten, ein bisschen den Alltag verlassen.
Wie verzweifelt ist man, wenn die Striche nicht so werden, wie geplant, die Farbkomposition nicht aufgeht?
Da verzweifelt man nicht. Das ist kein Problem, da heißt es auf ein Neues. Papier ist bekanntlich geduldig. Dann fängt man noch mal von vorne an. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man nur malen kann, wenn man wirklich zu hundert Prozent abschalten kann, zu hundert Prozent beim Malen ist. Kann man das nicht, weil einen andere Dinge zu sehr beschäftigen, bringt es nichts zu malen. Dann wird es nichts.
Sie stellen seit der Premiere hier im Heimatmuseum aus. Zum 30. Mal. Wie wichtig sind Ausstellungen?
Das ist schon schön. Wir Künstler sind ja eine Gemeinschaft. Die Ausstellung, die Organisation der Ausstellung ermöglicht uns den Austausch untereinander. In den vergangenen 30 Jahren hat sich natürlich vieles verändert. Bei den Künstlern, bei den Ausstellungsbesuchern. Ich, und nicht nur ich, wir alle würden uns wünschen, dass der ein oder andere jüngere Hobbykünstler seine Werke auch ausstellen würde. Ich bin mir sicher, dass es mehr Menschen gibt, die zu Hause Erfüllung finden, wenn sie kreativ tätig werden. Malen, zeichnen, Skulpturen erstellen. Kunst ist vielfältig. Diese Vielfalt zeigen zu können, ist wichtig. Natürlich ist es auch eine schöne Bestätigung, wenn man hier in der Ausstellung eine positive Resonanz erfährt. Also mutig sein, mitmachen.
Gibt es Freunde und Bekannte, die schon mal ein Bild, zum Beispiel von ihrem Haustier, bestellt haben?
Ja, die ein oder Anfrage gab es. Ich mache das ehrlicherweise nicht gerne. Weil man nicht weiß, ob der Blick, den ich zum Beispiel auf das Tier habe, so ist, wie der Besitzer sein Tier sieht. Ich weiß noch, dass ich mich mal habe überreden lassen und eine Katze gemalt habe. Es gab keine Beschwerde. Scheint also gepasst zu haben (schmunzelt).
Interview: Andrea Daum