Horbach Warum sich Bahnfahrer im Theaterstück „Stress im Schampus-Express“ wie zuhause fühlen

Die Fahrt im Schampus-Express und den damit verbundenen Stress bei der Generalprobe haben Manuela und Michael Höhne, Rita Bold,
Die Fahrt im Schampus-Express und den damit verbundenen Stress bei der Generalprobe haben Manuela und Michael Höhne, Rita Bold, Tanja Prinz, Sabine Lechner, Sophie Krogull und Dieter Stemler (hinten von links) sowie Daniel Nauerz erfolgreich überstanden. Mitfahrerin Sarah Hohmann musste etwas früher aussteigen und fehlt auf dem Bild. Zur Premiere sind aber alle wieder an Bord des lustigen Zuges.

Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Das wusste schon der deutsche Dichter Matthias Claudius, auf den dieser Satz zurückgeht. Der Satz hat bis heute Gültigkeit, wie die Theatergruppe des Horbacher Karnevalvereins mit der Komödie „Stress im Schampus-Express“ zeigt. Sie feiert am Freitag Premiere.

Dass Akteure der „Bühnenkracher“ bei der Deutschen Bahn arbeiteten oder arbeiten, ist sicher noch mit dem Hinweis „Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig“ zu versehen. Wobei es für das Bühnenbild, das die Gäste in das Bord-Bistro des Schampus-Express mitnimmt, von großem Vorteil ist. Vorhang auf: Ja, Bahnfahrer fühlen sich gleich wie zu Hause; oder wie in der Deutschen Bahn. Spätestens dann, wenn während des Stückes Durchsagen zu hören sind, die auch in einem echten Zug zu hören sein könnten.

Kein Zufall sind zahlreiche Vorkommnisse auf der Fahrt des Schampus-Express. Wer im wahren Bahnfahrerleben schon verzweifelte Menschen sah, die aussteigen wollten, aber an sich partout nicht öffnenden Waggontüren scheiterten, wer schon mal in einem hinteren Abteil saß und zum Sprintstar wurde, weil kurz vor Einfahrt in einen Bahnhof verkündet wurde, dass nur die vorderen Wagen das Ziel ansteuern, das auf der eigenen Fahrkarte steht, der kennt auch das Erlebnis, dass der Zielbahnhof an einem vorüberzieht, weil dort außerplanmäßig nicht gehalten wird – wegen der berühmt-berüchtigten „Störung im Betriebsablauf“. Autor Bernd Spehling, von dem die Komödie stammt, der die Horbacher einmal mehr mit viel Spielfreude Leben einhauchen, ist offensichtlich Bahnkenner.

Tarif-Dschungel und Servicewüste Bahn-Bistro

Wer in Horbach in den Schampus-Express einsteigt, erlebt aber trotz – oder gerade wegen – all der Widrigkeiten das, was die Bahn ihren Kunden wünscht: eine gute Fahrt. Und eine, bei der es viel zu lachen gibt. Nicht nur weil Schaffner das Tanzbein schwingen, sondern auch weil sie durch den Tarifdschungel der Bahn leiten. Da gibt es zum Beispiel den günstigen Familienspaß 80 plus. Voraussetzung: ein Mitfahrer ist jünger als zwei Jahre, zwei sind älter als 80, erklärt Schaffner Wischnewski (Dieter Stemler) seiner Zugchefin Gesine Grube-Steckel (Manuela Höhne) die Voraussetzungen für den Ticketerwerb, die noch einen besonderen Pferdefuß hat: „Alle mussten ihr Fahrrad dabei haben“, sagt Wischnewski – was wohl der Grund dafür gewesen sei, dass das Ticket kein Erfolg wurde. Sparen lässt sich aber noch mit dem Quick-Ticket zum Easy-Weekend-Tarif, wird Fahrgast Steffen Fettenläufer (Daniel Nauerz) erklärt. Vorausgesetzt, er tritt nachts die Rückfahrt an. Just da fahren keine Züge und der Fahrgast wollte ohnehin das ganze Wochenende in Horbach verbringen. Zum Glück gibt es noch das Mitleid-easy-Ticket. Aber nicht für Fahrgast Fettenläufer. Der ist zu jung.

Diese Probleme kommen Bahnfahrern bekannt vor? Sie werden noch mehr Bekanntes auf den Bühnenbrettern zu sehen bekommen: zum Beispiel ein denkwürdiges Essens- und Getränkeangebot im Bord-Bistro, von Kellnerin Gertrud (Rita Bold) mit wenig Begeisterung, aber viel trockenem Humor serviert. Auch Reinigungskraft Ilse (Sophie Krogull) gibt gerne ihren Senf dazu. Vor allem mit Blick auf die skurrilen Fahrgäste. Wie Oma Lieselotte (Tanja Prinz), die mit Enkel Harvey (Sarah Hohmann), der nur in die Schule ging, um Kreide zu holen, reist. Dabei trifft sie auf die Pathologin Piepenbrink (gleichfalls Hohmann), die die Farbe des servierten Schampus mit Retina-Flüssigkeit vergleicht. Oder verzweifelte Fahrgäste, wie die Radfahrerin (Krogull), die für sich und ihr Zweirad kein passendes Abteil im Schampus-Express findet.

Fünf Aufführungen geplant, wenige Resttickets

So weit, so (fast) alltäglich. Aber dann passiert etwas, was kein Bahnfahrer erleben möchte: das Bord-Bistro wird überfallen. Rudolf und Kati Rommel (Michael Höhne/Sabine Lechner) wollen an das Geld und mit diesem am nächsten Bahnhof abhauen. Der geneigte Bahnfreund ahnt: das kann nicht klappen; wegen der Bahn und ihrer bekannten Störungen im Betriebsablauf. Das ist aber nur ein Problem. Ein weiteres: Das Räuber-Duo selbst zählt auch sichtlich nicht zu den intelligentesten Bahnreisenden. Es wird nun richtig turbulent im Schampus-Express. Die Kripo kommt mit zwei Beamten (Stemler/Prinz) an Bord und nimmt die Ermittlungen auf. Spezialkräfte der Polizei rücken an. Was mit den Räubern und dem Geld passiert, ob sich für den Fahrgast Fettenläufer noch der richtige Tarif findet, wie das Fahrrad doch noch Bahn-konform transportiert werden kann und ob im Tunnel alle Lichter ausgehen, das sind einige von vielen Fragen, die im unterhaltsamen Dreiakter geklärt werden.

Fünf Mal laden die Bühnenkracher zur Fahrt im Schampus-Express ein. „Alle Aufführungen sind nahezu ausverkauft“, freut sich Carmen Stemler, die einmal mehr Regie führt und dabei von Laura Matheis unterstützt wird, über das große Interesse. Barbara Betschl souffliert, wenn notwendig. Aber Improvisation spielt in diesem Stück – vom Autor durchaus so vorgesehen – eine wichtige Rolle. „Wer fünf Mal kommt, sieht fünf Mal ein anderes Stück“, sagt Dieter Stemler lachend. Natürlich nicht. Das lustige Bahnabenteuer steht durchaus fest im Gleis. Für alle, die ein Theaterticket haben, heißt es: einfach einsteigen, Schampus oder Wasser bestellen und genießen. Für alle, die noch kein Ticket haben, aber gerne noch einsteigen würden, gibt es noch das ein oder andere Restticket.

Info

Am Freitag, 22. September, feiern die Bühnenkracher Premiere mit dem „Stress im Schampus-Express“. Weitere Aufführungen: 23. September, 29. September, 6. und 7. Oktober. Es gibt noch wenige Resttickets. Informationen bei Familie Stemler, Telefon: 06333/60152.

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