Lemberg RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Peter Kästner nicht von seiner Trompete und Lemberg lassen kann

Der Vollblutmusiker Peter Kästner und sein Instrument, die Trompete.
Der Vollblutmusiker Peter Kästner und sein Instrument, die Trompete.

Ausverkaufte Hallen, Open-Air mit Feuerwerk: Peter Kästner führt das Lemberger Blasorchester weiter – aus Liebe zur Trompete und zum Heimatverein.

Peter Kästner kommt vom Lemberger Blasorchester nicht los. Seit 2012 steht er dort am Dirigentenpult. Eigentlich wollte er aufhören, macht nun aber weiter – sehr zur Freude der Musikerinnen und Musiker. Der hauptberufliche Trompeter wollte nie etwas anderes als Musik machen.

„Ich bin in dem Verein groß geworden“, sagt Kästner in seiner Wohnung in der Bergstraße, von der aus er mit Blick über das Dorf üben kann. Als das Blasorchester noch eine Abteilung des Turnvereins war, wurde er als Kind zu einem Konzert mitgenommen. Vor der Bühne erlebte er ein Trompetensolo von Sandra Resch – ein Moment, der ihn prägte.

„Ich bin heim und habe gesagt, ich will Trompete lernen“, erzählt er. Zuvor tendierte er eher zum Schlagzeug und trommelte auf Kochtöpfen. Mit sieben Jahren ging es zur ersten Trompetenstunde bei Sandra Resch, zuvor klärte ein Zahnarzt, ob das Instrument in diesem Alter überhaupt geeignet ist.

„Es war großartig, mit den Besten im Land zu spielen“

Über das Jugendorchester führte sein Weg zum Dirigenten des Jugendorchesters und zum Jugendleiter im Verein. Es folgten Erfolge bei „Jugend musiziert“. Mit 16 Jahren wollte er dennoch mit der Trompete aufhören. Bernd Jörg von der Kreismusikschule überzeugte ihn zum Weitermachen und holte ihn in die Bigband der Kreismusikschule.

Das Landesjugendorchester engagierte ihn als Lead-Trompeter. „Es war großartig, mit den Besten im Land zu spielen“, erinnert sich Kästner an diese Zeit und an Orchesterreisen nach Südkorea und Brasilien.

Es folgten die Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker und die Einberufung zum Wehrdienst bei den Panzergrenadieren. Ein Freund riet ihm, sich beim Musikkorps der Luftwaffe in Karlsruhe zu melden – dort könne er Trompete studieren. Kästner verpflichtete sich und absolvierte sein klassisches Studium als Orchestermusiker.

Vier Jahre studierte er in Düsseldorf, schloss als einer der letzten Diplomanden mit der Note 1,0 ab. Beim bekannten Jazztrompeter Rüdiger Baldauf bildete er sich weiter und sammelte Erfahrung bei der WDR-Bigband.

Uniform wird getauscht

Nach zwölf Jahren bei der Bundeswehr stellte sich die Frage, wie es als Berufsmusiker weitergeht. Einige Monate arbeitete er als Lehrer an der Landgraf-Ludwig-Realschule in Pirmasens, dann kam der Anruf, ob er beim Polizei-Orchester des Saarlandes aushelfen könne. „Ich wollte die Uniform nach der Bundeswehr eigentlich nicht mehr“, sagt er lachend.

2015 nahm er die Stelle dennoch an, wurde Erster Trompeter und absolvierte per Fernstudium die Weiterbildung zum Leiter Blasorchester. Nach der Umwandlung des Polizei-Orchesters zur Bigband sollte er die Leitung übernehmen. Er lehnte ab, weil er dann nicht mehr trompeten könnte, und wurde stellvertretender Leiter – ein Posten, der ihm das Mitspielen ermöglicht. „Ich spiele einfach zu gern Trompete“, sagt Kästner. Seine jetzige Anstellung sei ideal. „Das ist mein Traumjob.“

Auch die Dirigentenstelle beim Lemberger Blasorchester ist ihm wichtig. 2012 trat er mit dem Ziel an, nach zehn Jahren zu gehen. „Das sollte so sein, damit nicht irgendwann die Musiker sagen, es sei Zeit zu gehen“, findet er. Die Leitung wurde ausgeschrieben, doch es fand sich kein passender Kandidat. Kästner machte weiter – nicht als Notlösung, sondern auf Wunsch des Orchesters.

Das Engagement im Verein ist für ihn Herzenssache. „Das ist mein Heimatverein“, betont er. Die Entwicklung der vergangenen Jahre begeistert ihn: ausverkaufte Konzerte in der Pirmasenser Festhalle, eindrucksvolle Open-Air-Auftritte auf der Burg mit Feuerwerk. „Ein Orchester funktioniert nicht von selbst“, sagt Kästner. Es brauche Arbeit im Hintergrund, Zuwendung für einzelne Musikerinnen und Musiker und immer neue Ideen.

Musik und Zauberei – eine kuriose Verbindung

Um frischen Wind ins Programm zu bringen, kombinierte er im vergangenen Jahr Musik und Zauberei. Ein Cancan kam mit einem Männerballett auf die Bühne, ein Alphornbläser sorgte für besondere Momente. „Ich habe keinen roten Faden fürs Konzert, bei mir ist er bunt“, sagt Kästner.

Am meisten liebt er die Stille nach dem Schlussakkord. „Wenn es im Saal kurz ganz still ist, weiß ich, dass die Emotion von der Bühne ins Publikum übertragen wurde.“ Sein Leitmotiv lautet: „Präzision mit Seele“ – für seine eigene Musik und die des Orchesters.

Die Serie

In unserer Serie „Wir machen Kultur“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, die das kulturelle Leben in Pirmasens und der Südwestpfalz gestalten – als Aktive auf der Bühne oder als Macher im Hintergrund.

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