Pirmasens
Warum Kennel & Schmenger eine Pause auf dem Weg zur Spitze macht
Der Stillstand im Frühjahr hat auch Kennel & Schmenger hart getroffen, wie der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Klautzsch feststellt: Die 20 eigenen Läden geschlossen, die weltweit 1000 Handelspartner nicht mehr belieferbar, die Lieferketten für die Produktion – 80 bis 90 Prozent des Materials kommt aus Italien – unterbrochen. Das Gute sei jedoch gewesen, meint er, dass sie damals einen großen Auftragsbestand hatten. Diesen hätten sie schnell abgearbeitet und den sommerlichen Betriebsurlaub dann in den September verschoben.
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Dann aber rückte eine andere Frage für sie in den Vordergrund: Welche Mengen würde der Handel für die nächste Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2021 abnehmen – angesichts der vielerorts nicht verkauften Schuhe aus dem Corona-Frühling 2020? Diese Mengen sind in der Tat gesunken im Vergleich zur Vorjahres-Kollektion, stellt Klautzsch fest. Allerdings nicht so stark wie befürchtet: „nur“ um rund 30 Prozent statt der angenommenen 50 Prozent. Im Corona-Jahr ist das schon ein kleiner Lichtblick.
Besser als befürchtet
Der Umsatz des Gesamtjahres, der im Laufe der zurückliegenden Jahre stetig auf rund 50 Millionen Euro (2019) anstieg, wird 2020 auch bei K & S zurückgehen. Aber eben nicht so stark wie befürchtet. „Wir hoffen“, sagt Klautzsch, „dass wir mit 15 Prozent weniger Umsatz abschneiden.“ Wie es allerdings 2021 weitergehen wird, sei völlig offen.
Klar ist bisher, dass nun verstärkt Kurzarbeit ansteht. Für die kommenden sechs Monate wollten sie dieses Instrument nutzen, kündigt Klautzsch an. Betriebsbedingte Kündigungen hat es bisher nicht gegeben, wie der für Finanzen zuständige Geschäftsführer Matthias Eder betont; Thema sind sie auch derzeit nicht. Allerdings werden befristete Verträge nicht weiter verlängert und frei werdende Stellen im Moment nicht besetzt. In Pirmasens arbeiten etwa 200 Menschen. In den beiden Produktionen in Ungarn ist die Belegschaft um auf etwa 250 Mitarbeiter leicht geschrumpft, laut Klautzsch jedoch durch natürliche Fluktion. Hinzu kommen 100 Mitarbeiter im Verkauf.
Wieder fit werden bis Mitte 2021
Klar ist für die Geschäftsführer allerdings auch, dass sie die nächsten Monate dazu nutzen müssen, um das Unternehmen wieder fit zu machen. Denn wie andere Betriebe hat K & S einen Überbrückungskredit aus dem Hilfsprogramm des Bundes erhalten. Bisher habe man erst einen Teil des Geldes in Anspruch genommen, sagt Eder. Doch auch der müsse zurückgezahlt werden, und zwar ab Mitte 2021. Womit unter möglicherweise weiterhin schwierigen Marktbedingungen dann auch ein Kapitaldienst zu leisten sei. Ein Jahr hätten sie also Zeit, stellt Klautzsch fest, um sich so aufzustellen, damit das Unternehmen dann auch profitabel arbeite.
Einfach wird das nicht. Zumal die Branche ohnehin seit Jahren mit dem strukturellen Umbruch in der Handelslandschaft und der Digitalisierung beschäftigt ist.
Kollektion wird digital präsentiert
Doch für Andreas Klautzsch liegt auch in dieser Krise eine Chance. Veränderungen seien schneller umgesetzt worden, stellt er fest. Vor allem im digitalen Bereich. So gebe es inzwischen auf manchen Märkten – etwa USA, Asien, Neuseeland – nur noch digitale Kollektionen, um verschiedene Ausführungen zu präsentieren. Die Musterfertigung wurde laut Klautzsch so um über 60 Prozent reduziert – und ein großer Kostenblock verringert. Hinzu kam, dass keine Messebesuche stattfanden, vieles auf eigene Präsentationsräume konzentriert wurde. Eine Ersparnis im sechsstelligen Bereich. Mit solchen Reduzierungen, unterstreicht Eder, könnten sie derzeit Umsatzeinbrüche kompensieren.
Weniger physische Muster bedeutet allerdings auch weniger Produktion. Was das mittelfristig für die Produktionsstandorte heißt, vermag Klautzsch noch nicht zu sagen. Sie müssten sich an neue Gegebenheiten anpassen, betont er, aber der Erhalt der Arbeitsplätze bleibe oberstes Ziel. Auch in der Pirmasenser Produktion. Diese gehöre zum Gesamtkonzept, sagt Klautzsch. Denn: „Wir sind einfach schneller.“ Und Digitalisierung könne keineswegs das Handwerk ersetzen. Allerdings müssten sie, meint Klautzsch, künftig stärker für dieses Handwerk und die Wertigkeit der Produkte werben. Es gebe Konsumenten, die diese Wertigkeit schätzten.
Direkter Verkauf nimmt zu
Bei der Digitalisierung der Muster war übrigens von Vorteil, dass sie dabei auf das System ihres Online-Shops aufsetzen konnten, wie Eder berichtet. Mit dessen Entwicklung sind sie zufrieden. „Unsere stärkste Filiale“, formuliert es Klautzsch. Läden vor Ort wird es dennoch weiterhin geben; gerade wurde im Outlet Metzingen ein Shop eröffnet. Sieben Outlet-Geschäfte gibt es derzeit und 13 Marken-Geschäfte. Der direkte Verkauf an Verbraucher macht bei K & S etwa 20 Prozent des Umsatzes aus. Ein Anteil, der sich erhöhen werde, sagt Klautzsch.
Seit 25 Jahren arbeitet der Schuhfachmann bei K & S, seit 20 Jahren als Geschäftsführer. Schlechte Zeiten hat er ebenfalls erlebt, etwa nach der Finanzkrise vor zehn Jahren. Doch es ging immer wieder aufwärts. Auch, weil die Eigentümer gut gewirtschaftet hätten, sagt Klautzsch. Und wenn die Lage sich nicht verschlechtere, seien sie zuversichtlich, dass sie auch dafür eine Lösung fänden.
Was ihn weiter zuversichtlich stimmt: Mit dem Ende der Pandemie werde der Konsum deutlich ansteigen – die Menschen hätten Nachholbedarf. Und dafür ist das Ziel schon ausgegeben: „Wir wollen einer der stärksten Premium-Hersteller sein.“