Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Harald Bellaire in seiner Freizeit Dampfmaschinen baut

Harald Bellaire ist leidenschaftlicher Dampfmaschinenbauer.
Harald Bellaire ist leidenschaftlicher Dampfmaschinenbauer.

Es zischt, klackert und werkelt: Harald Bellaire aus Contwig baut in seinem Hobby-Stübchen Modell-Dampfmaschinen und andere Motoren. Der RHEINPFALZ erzählt er, wie das funktioniert und wie er zu diesem Hobby gekommen ist.

Normaler Modellbau mit fertigem Bausatz, Klebstoff und Farbdöschen ist für Harald Bellaire aus Contwig einfach zu langweilig. „Ich baue hier alles selbst“, berichtet er stolz der RHEINPFALZ beim Besuch im Hobby-Stübchen. Auf Regalen verteilt stehen zahlreiche Modell-Dampfmaschinen, Sterling-Motoren und weitere Modelle. Das Besondere: Für keines hat er einen Bausatz verwendet, allerhöchstens einen Bauplan – „wobei das auch eher die Seltenheit ist“.

Vor einigen Jahren hat Bellaire mit dem Bauen von Modellschiffen begonnen. Beim Zusammenbau einer Nachbildung der „African Queen“ aus dem gleichnamigen US-Abenteuerfilm von 1951 kam dann die Idee der Dampf-Motorisierung. Das Projekt ist geglückt, „dann hatte mich der Dampf-Virus richtig erfasst“, sagt Bellaire und lacht. Eine Werkstatt zum Bauen der Modelle hatte der Contwiger da aber noch nicht. „Dann hatte ich etwas Glück“, erzählt Bellaire weiter. Seine Frau hatte seinerzeit eine Spedition, die nach Haushaltsauflösungen Gerümpel zur Entsorgung abtransportierte. Manchmal war bei eben diesem Gerümpel aber noch etwas Brauchbares dabei, erinnert sich Bellaire. So wie bei einer Räumung in Zweibrücken, bei der eine Uhrmacherdrehbank entsorgt werden sollte. „Ich rettete die Drehbank vor der Deponie und mit dem Werkzeug hat dann der Modellbau gestartet“.

Am Flammenfresser ist ein Teil der Stadtwerke verbaut

Die Entwicklung läuft laut Bellaire fast immer gleich ab. Zunächst gibt es da ein Foto der Original-Maschine, mit der die Idee entsteht. „Dann überlege ich mir, wie ich daraus ein Modell mache.“ Hier habe sich in den Jahren beim Modellbau einiges getan. „Früher waren die Leute auf Modellbaumessen unterwegs, heute gibt es Bilder im Internet“, erklärt Bellaire. Aus dem Rohmaterial wie Messingrohre oder Eisenstücke werde dann Bauteil für Bauteil gefertigt, später wird alles zusammengesetzt. Weil die Bauteile aber nicht vorgefertigt sind, muss Bellaire jedes in mühsamster Detailarbeit selbst sägen, drehen und feilen. Je nach Größe des Modells geht für den Bau gerne mal ein Jahr Arbeit drauf. „Die Arbeitsstunden habe ich noch nie gezählt, weil es mein Hobby ist.“

Manchmal hat Bellaire mit seinen Bauteilen aber auch etwas Glück, findet auf dem Schrott etwa ein Teil, das fast genau für ein bestimmtes Modell passend ist. Und manchmal sind es auch Freunde, die beim Aufspüren von Bauteilen helfen. An dem Modell eines „Flammenfressers“ ist beispielsweise ein altes Ventilrad von den Stadtwerken verbaut. Bei dem Gasversorger wurde es ausrangiert, Bellaire konnte es weiterverwenden.

Bellaire: Modellbau muss auch etwas darstellen

Der Flammenfresser ist laut dem Modellbauer eine andere Art Motor, der per Unterdruck funktioniert. In Realität wurde das Maschinchen laut dem Contwiger nie gebaut, weil es einfach zu wenig Leistung erbringt. Beim Modellbau sei es die Königsdisziplin. Bellaire weiß aber, dass es mit dem einfachen Herstellen der Motoren nicht getan ist. Modellbau muss auch immer etwas Optisches darstellen, sagt der Contwiger. Manchmal darf dann zwar getrickst werden, jedoch stehe das Aussehen im Vordergrund. In diesem Zusammenhang präsentiert Bellaire stolz sein Modell einer altertümlichen Schmiede. Drei Jahre hat er daran gesessen, das Modell ist sehr groß und auch sehr schwer. Ziel war es, die einzelnen Arbeitsabteilungen der Schmiede darzustellen, etwa den Schmiedehammer oder eine große Säge. Zudem war es Bellaire wichtig, im Hintergrund des Modells hier und da die Wand etwas „dreckig“ zu gestalten, so dass zwischen den Arbeitsabteilungen auch Werkzeuge herumliegen – also alles ganz so, als hätten in dem Modell vor wenigen Minuten noch echte Menschen gearbeitet. Übrigens: Angetrieben werden alle Arbeitsgeräte der Modellschmiede per Dampfmaschine. Über ein Gewerk aus Zahnräder und Riemen im Gebälk der Schmiede können die einzelnen Geräte individuell zu- und abgeschaltet werden – wie in der Realität.

Weil es laut Bellaire immer weniger Dampfmaschinen-Modellbauer gibt, ist der Contwiger stets auf der Suche nach Gleichgesinnten. Zudem schreibt er für eine Fachzeitschrift. Neu ist ein Youtube-Kanal, auf dem Bellaire Videos seiner Modelle veröffentlicht, etwa den Stirlingmotor oder den Flammenfresser.

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