Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Friseur Claus Hochreuter auch nach Corona weiter Maske tragen will

„An dem Abend waren wir fix und fertig, aber glücklich“, erzählt Claus Hochreuter, der am Dienstag zusammen mit seiner Frau Dian
»An dem Abend waren wir fix und fertig, aber glücklich«, erzählt Claus Hochreuter, der am Dienstag zusammen mit seiner Frau Diana noch die letzten Kunden vor dem Lockdown bediente.

Endspurt vor dem Lockdown: Im Friseursalon in der Zweibrücker Straße in Contwig brannte am Dienstag um 19.40 Uhr noch Licht. Claus Hochreuter und seine Frau bedienten noch Kundschaft. Unserem Mitarbeiter Mario Moschel hat der Contwiger Friseur erzählt, warum Kunden Pech hatten, wenn sie falsche Namen und Telefonnummern angaben, warum er auch nach Corona Maske tragen wird und warum das Virus nicht schuld an allem ist.

Herr Hochreuter, am Dienstagabend brannte um 19.40 Uhr noch Licht bei Ihnen. Warum?
Wir haben am Dienstagabend bis 20 Uhr gearbeitet. Das hatten wir von vorneherein so festgelegt. Wir haben am Sonntag unsere Kunden angerufen und haben deren Termine umgelegt. Einige mussten wir in den Januar verschieben, eine Handvoll auf den Dienstagabend. Wir waren zwar eh schon ausgebucht, aber wir haben das dann noch irgendwie hinbekommen am Dienstag. Die Kunden, die wir in den Januar schieben mussten, haben ab dem 12. Januar Termine bekommen. Aber ich glaube nicht, dass der Lockdown dann schon vorbei ist. Dank der Kontaktdaten, die jeder Kunde hinterlassen muss, haben wir ja deren Telefonnummern und können reagieren, falls sich noch mal was ändert. Einige wenige Kunden haben auch falsche Namen oder Nummern aufgeschrieben, die haben dann halt Pech gehabt und bekommen keinen neuen Termin. Das ist dumm. Die hätten sogar vor Weihnachten noch einen Termin haben können. Da reagiere ich auch ein wenig empfindlich, das ist nicht in Ordnung. Freie Termine vergeben wir dann natürlich lieber an Leute, die sich korrekt eingetragen haben. Und die haben sich riesig gefreut.

Hatten Sie Sonntag geöffnet?
Nein, es gibt Kollegen, die haben sonntags geöffnet vor dem Lockdown, wir haben die Zeit lieber genutzt zur Planung, und um unseren Kunden Ausweichtermine zu ermöglichen.

Sie hätten am Sonntag aber öffnen können?
Ja, bei uns Friseuren wurde es versäumt, ein Ladenschlussgesetz zu erlassen. Wir könnten 24 Stunden und an sieben Wochentagen öffnen, wenn wir wollten. Das macht natürlich keiner, und im Lockdown geht es ja schon gar nicht. Für uns war am Dienstag bis 20 Uhr abends vertretbar. Wir haben das Glück, dass meine Eltern nebenan wohnen, die haben uns mittags mit Essen versorgt. Somit konnten wir wenigstens was essen zwischendrin. An dem Abend waren wir fix und fertig, aber glücklich. Denn die Freude der zehn bis 15 Kunden, die wir zusätzlich bedienen konnten, war enorm.

Wie vielen Kunden haben Sie am Dienstag insgesamt die Haare geschnitten und gefärbt?
Ich denke mal mehr als 35 Leute. Und wir sind vier Leute im Salon, neben mir, meiner Frau und meiner Tochter noch eine angestellte Friseurin. Wir dürfen von acht Plätzen auch nur vier benutzen. Und wir halten uns auch dran. Ich finde den Lockdown eigentlich unnötig. Denn wenn sich jeder an die ganz normalen Regeln gehalten hätte, bräuchte man den Lockdown jetzt nicht. Und das ist ja nicht zu viel verlangt: einen Mund-Nasen-Schutz anziehen und Abstand halten. Dann hätte man vieles vermeiden können. Und je höher die Infektionszahlen, umso mehr Verweigerer hat man.

Auch in ihrem Laden?
Natürlich gab es Kunden, die das umgehen wollten. Die kommen dann mit Gleichstellung oder Attesten. Aber gerade die mit Attesten müssen doch noch mehr aufpassen und sich noch besser schützen, weil sie eine Vorerkrankung haben und Risikopatienten sind. Die Leute, die sich an die Regeln halten und Masken tragen, sind auch insgesamt weniger krank. Die üblichen Spätherbst-Grippe und Magen-Darm-Krankheiten hatten wir in diesem Jahr gar nicht. Deshalb werde ich auch vieles beibehalten. Ich werden den Mund-Nasen-Schutz zumindest über die Wintermonate gerne tragen, auch nach Corona. Wenn man so nah am Kunden arbeitet wie wir, merkt man schnell die Vorzüge der Masken. Und mich persönlich stört die Maske auch nicht. Obwohl ich Asthma habe. Aber ich bekomme genug Luft durch die Maske. Bei mir im Laden bestehe ich auf die Maske.

Sie haben den Maskenverweigerern nicht die Haare geschnitten?
Nein. Aber wir konnten sie überzeugen. Zumal wir Masken hier haben, die sie kaufen können. Das Argument „Maske vergessen“ zieht also auch nicht. Es gab Kunden, die seit 20 Jahren Stammkunden sind, die wollten mit mir diskutieren. Aber darüber diskutiere ich nicht. Die haben sich dann daran gehalten.

Wie sieht es in der Friseurbranche generell aus? Die Friseur-Großkette Klier hat Insolvenz angemeldet. Wie sieht es denn bei den kleinen Läden wie Ihrem aus?
Klier macht nicht wegen Corona zu, die haben das gleiche Problem, das ich vor Jahren hatte, nämlich das passende Personal zu finden. Und ich hatte damals nur drei Filialen. Es gibt die Leute, die verantwortlich ihren Beruf ausüben, ob selbstständig oder im Angestelltenverhältnis. Unsere Jenny ist 13 Jahre bei uns, und ihr Arbeitsplatz ist ihr heilig.

Wie sieht die Zukunft aus?
Spannend und rosig. Viele werden die Zukunft nicht so rosig erleben. Wir haben zum Beispiel dieses Jahr keinen Urlaub gemacht und stattdessen durch viel Arbeit das finanzielle Polster wieder aufgefüllt, das wir im Frühjahr verbrauchen mussten. Wir gehen entspannt in den Lockdown, uns wird es an nichts fehlen. Wir können jetzt entspannt im Winter Urlaub machen. Ich muss nicht weg, bin beruflich genug unterwegs. Viele Kollegen vergessen leider, vorzusorgen für schlechte Zeiten.

Mehr zum Thema
x