Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die Bauern so angespannt auf ihre Wetter-Apps schauen

Im Vordergrund liegt die ertragreiche Luzerne für die Silagemiete. Neben dem Kleefeld steht der gut entwickelte grüne Weizen und
Im Vordergrund liegt die ertragreiche Luzerne für die Silagemiete. Neben dem Kleefeld steht der gut entwickelte grüne Weizen und dahinter vor den Bäumen ist der noch höhere Raps zu sehen. Am Horizont wird das Grünfutter auf den Ladewagen befördert.

Der zweite Grünschnitt für Silagefutter war höchst erfreulich. Ein schwieriges Jahr für die anstehende Getreideernte zeichnet sich ab. Alle Getreidearten sind zwar richtig gut entwickelt, aber es bräuchte Sonnentage. Erste größere Lagerschäden sind in der Feldflur sichtbar. Der Mais streckt sich dafür in die Höhe. Wo bleibt das Sommerwetter?

Die Bauern verfolgen mit größter Anspannung die Vorhersagen der Wetterstationen im Umkreis und die Wetter-Apps auf ihren Handys, um die kurzen Sonnenstunden zu nutzen. So haben sie das Wochenende zum Monatswechsel genutzt, um im Eiltempo ihr Wiesenfutter, die Felder mit Luzerne und rotem Klee einzufahren.

Durch den vielen Regen war das Grünfutter üppig und von ausgezeichneter Qualität. „Dem Grünfutter bekommt Feuchtigkeit und ausreichend Wärme, sodass keine Feldfrucht in diesem Jahr unter Wassermangel leidet wie in den vergangenen Jahren,“ sagt Landwirt Jörg Klein aus Winterbach. Nur für das Futter in den Talwiesen sah es nicht gut aus, da es zu feucht war, um dort überhaupt nur zu mähen. Einiges Futter hätte schon längst zu Heu gemäht werden müssen. Auch die Pferdehalter würden gerne Heu ernten, aber es braucht schon einige Tage Sonnenschein, damit es zuerst einmal abtrocknet. Dann könnte gemäht werden, damit das Heugras bei weiterem kräftigerem Sonnenschein dürr werden könnte für eine gute Lagerung. Noch immer ist eine stabile Wetterlage mit mehreren Sonnentagen nicht in Sicht. Auch diese Woche soll durchwachsen werden.

Lauter Ruf nach Sonnentagen

„Vorerst hätten wir eigentlich den Regen satt“, findet Landwirt Andreas Veith aus Battweiler. Diese Einschätzung ist verständlich, denn im Juni sind fast überall in der Südwestpfalz mehr als 100 Liter Regen auf den Quadratmeter niedergegangen. In den ersten Julitagen kamen gut 50 Liter hinzu. Dieser teilweise Starkregen mit kräftigen Windböen hat jetzt seine Spuren in den Getreidefeldern weit über die Sickinger Höhe hinaus hinterlassen.

Lange stand das kräftig entwickelte Getreide schön aufrecht auf dem Halm, aber jetzt wurde schon viel an Weizen und Wintergerste niedergedrückt, sodass man vom typischen unbeliebten Lagergetreide spricht, was schon nach wenigen Tagen zum Qualitätsverlust führt.

„Es wird jetzt richtig problematisch, wenn der Regen nicht eine etwas größere Pause einlegt. Die Halme mit den kräftig ausgebildeten Ähren werden jetzt viel zu schwer, sodass sie jeder stärkere Windhauch niederdrückt. Vor allem haben Wintergerste, einige Kornfelder und an verschiedenen Standorten die Triticale schon eine Gelbfärbung angenommen, dass bei Sonnentagen schon sehr schnell der Mähdrescher im Einsatz sein könnte,“ sagt Jörg Klein. Es wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, ob die bisher so gut entwickelten Getreidefelder die Bauern auch mit einer erfreulichen Ernte belohnen.

Getreide hofft auf Sonne

Der Raps steht auf den Feldern so gut entwickelt wie schon lange nicht mehr. Selbst Sonderkulturen wie Erbsen für die Viehfütterung würden endlich einen Ertrag ergeben, was nach den misslungenen Trockenjahren eine späte Belohnung sei. Der Mais hat durch die ausreichende Feuchtigkeit einen Schuss von über einem Meter gemacht. Ohne weiteren Regen und mehr Wärme würde er sich jetzt weiter gut entwickeln, meint Veith. Das gemähte Grünland treibt schon wieder aus, sodass ein dritter Grünschnitt auch noch einmal günstig ausfallen könnte. Alles hängt jedoch von einer vorübergehenden Regenpause von mindestens zehn bis zwölf Tagen ab.

Auf der Winterbacher Gemarkung hat Patrick Peifer aus Biedershausen für den Landwirt Klaus Blinn Wintergerste geerntet. Eigentlich eine Noternte, um noch ein wenig vom Ertrag auf dem Feld zu retten, weil sich alles schon stark zum Boden geneigt hat. Zudem kommt schon viel zu viel Grasbewuchs auf, der das Getreidefeld nachteilig durchmischt. Für den modernen John-Deere-Mähdrescher war das einfach zu feuchte Mähgut eine echte Herausforderung. Nun hat der Bauer die wichtige Aufgabe, das Getreide lagerfähig zu machen.

Wintergerste schon gelbrot

Peifer blickt von seinem Erntegerät über die Landschaft und zeigt zur Hanglage nach Biedershausen, wo auf dem Sandboden Wintergerste schon eine starke gelbrote Färbung hat. Hier könnte bei Sonne in wenigen Tagen gemäht werden. Auch Raps und an einigen geeigneten Standorten mit leichterem Boden wäre auch Triticale bald erntereif. Der Weizen bräuchte noch einige Tage. In Richtung Schmitshausen sind Felder noch völlig grün, weil der Weizen jetzt in die Hochphase seiner Entwicklung kommt. Nur schade, dass dort auch schon riesige Plätze sind, wo der Regen und Wind das Getreide so umgedrückt und zerzaust haben, dass der Weizen nicht mehr für Backweizen taugen wird. Nur wo die Ähren schön stehen und die Trockenheit alle weiteren Qualitätsmerkmale ins Gleichgewicht bringt, da erzielt der Bauer eine gewinnbringende Ernte, erläutert Peifer.

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