Südwestpfalz
Warum der Kreis in Sachen Corona derzeit besser dasteht als andere
„Wir haben die niedrigste Inzidenz in Rheinland-Pfalz“, sagte Landrätin Susanne Ganster am Freitag mit Blick auf die Anzahl der Corona-Infektionen in den vergangenen sieben Tagen, hochgerechnet auf 100.000 Einwohner. „Das ist sehr außergewöhnlich, im Vergleich zu anderen haben wir eine relativ entspannte Lage“, bemerkte sie. Am Freitag wurde die Inzidenz für die Südwestpfalz mit 163 angegeben, der Landesdurchschnitt lag bei 363. Die landesweit höchste Sieben-Tage-Rate verzeichnet derzeit die Stadt Kaiserslautern mit einem Wert von 687 (Freitag).
Dabei hat das Gesundheitsamt alle Hände voll mit der Information der Infizierten zu tun. Derzeit gelten im Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes, das den Kreis und die Städte Pirmasens und Zweibrücken umfasst, 663 Menschen als mit dem Coronavirus infiziert. Rund 700 Menschen wurden in den ersten beiden Wochen des Jahres positiv auf Corona getestet. Das sind Zahlen, die um ein Vielfaches über denen der ersten und zweiten Welle liegen. „Wir haben auch an unserer Hotline ein hohes Anruferaufkommen, im Durchschnitt sind es 100 Anrufe pro Tag“, sagte die Landrätin.
Ü12: Fast 87 Prozent vollständig geimpft
„Wir haben eine disziplinierte Bevölkerung und unsere Impfquote ist hoch“, nannte die Landrätin zwei mögliche Gründe, warum die Südwestpfalz im Vergleich zu anderen Regionen etwas besser dasteht. Den Ordnungsbehörden seien nur wenige Verstöße gegen die Corona-Maßnahmen bekannt, die Menschen hielten sich an die Abstands- und Hygieneregeln und würden Kontakte vermeiden. Fast 87 Prozent der über Zwölfjährigen im Kreis sei vollständig geimpft, von den vollständig Geimpften seien bereits 64 Prozent (Vorwoche: 58 Prozent) geboostert, sagte Ganster. In Pirmasens sind knapp 82 Prozent der über Zwölfjährigen vollständig geimpft, knapp die Hälfte davon ist bereits geboostert. Der Landesdurchschnitt liegt bei knapp 80 Prozent. Bei den Fünf- bis Elfjährigen haben im Kreis vier Prozent eine Erstimpfung erhalten, in Pirmasens sind es 1,3 Prozent. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt seit Mitte Dezember die Covid-Impfung in dieser Altersgruppe für vorerkrankte Kinder.
Weil die Impfquote im Kreis vergleichsweise hoch ist, reduziere das Land allerdings die Anzahl der Impfbustermine im Februar. „Es wird noch acht Termine über den Landkreis verteilt geben“, sagte Ganster.
Gesundheitsamts-Chef gegen Impfpflicht
Im Kampf gegen die Corona-Pandemie bezeichnete Heinz-Ulrich Koch, Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises, die Impfung als „Goldstandard“. Er spricht sich gegen eine Impfpflicht aus, „das ist aber meine persönliche Meinung“, ergänzte er. „Eine Impfpflicht sollte so lange nicht kommen, wie man durch freiwillige Maßnahmen noch etwas erreichen kann“, sagte Koch. „Man sollte mit solchen Zwangsmitteln sehr vorsichtig sein, eine Impfpflicht ist immer die letzte Option“, bemerkte er. Mit Blick auf die geltenden 2G- und 2G-plus-Regeln habe man allerdings „de facto eine Impfpflicht“.