Zweibrücken-Land RHEINPFALZ Plus Artikel Warum das Trinkwasser erst nächstes Jahr teurer wird

Die Ortsdurchfahrt von Stambach ist ein Sorgenkind für die Wasserwerke: Hier sind die Leitungen so alt, dass es immer wieder zu
Die Ortsdurchfahrt von Stambach ist ein Sorgenkind für die Wasserwerke: Hier sind die Leitungen so alt, dass es immer wieder zu Rohrbrüchen kommt, wie hier im Februar 2021.

Wer in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land wohnt, muss damit rechnen, dass das Wasser teurer wird. Das liegt aber nicht an den Gründen, die derzeit immer genannt werden.

Von einer Preiserhöhung sprach Werkleiter Eckart Schwarz nicht, aber es war klar, was er meinte: „Wir werden mit Sicherheit nächstes Jahr um diese Zeit – spätestens – diskutieren, wie die Gebühren aussehen werden“, kündigte er am Dienstagabend im Werksausschuss an. Schon vorher hatte er gesagt: „Nächstes Jahr müssen wir die Gebühren neu kalkulieren.“ Dass das Wasser nicht billiger wird, ist klar: Die Leitungen in der Verbandsgemeinde sind teilweise sehr alt.

„Wir waren sehr sparsam“, erklärte Schwarz. Bis 2015/16 habe man vom Bestand gelebt, sagte der Werkleiter, der seit Mitte 2015 im Amt ist. Die ersten 50 bis 60 Jahre würden keine Investitionen anfallen, aber nun müssten die Werke massiv in die Leitungen investieren. Das koste zwar Geld, lohne sich aber. Als Beispiel nannte er die Ortsdurchfahrt von Kleinsteinhausen: „Die war sehr teuer, das hat uns aber sehr viel gebracht, weil die Leitung fast nur noch aus Flickschellen bestanden hat.“

Es gibt Sorgenkinder

Schwarz sagte auch: „Dafür, dass das Netz vergleichsweise alt ist, ist es noch relativ gut.“ Es gebe aber Sorgenkinder wie die Truppacher Straße in Contwig, wo derzeit viele Rohrbrüche zu beklagen seien. Die Werke wollen noch abwarten, wann der Kreis die Straße außerorts Richtung Flugplatz erneuert, aber der Werkleiter sagte: „Wenn es zu lange dauert, müssen wir schon vorher was machen.“ Auch die Leitungen in der Stambacher Ortsdurchfahrt müssten eigentlich erneuert werden, aber die Werke kämen nicht dazu.

Dass derzeit viele Leitungen erneuert werden, liegt laut Verbandsbürgermeister Björn Bernhard (CDU) auch an den wiederkehrenden Beiträgen, die viele Dörfer für den Straßenbau eingeführt haben. Dadurch werden viele Ortsstraßen erneuert, und die Werke nutzen die Gelegenheit, gleich die Leitungen auszutauschen, wenn die Straße sowieso aufgegraben und gesperrt ist. Klaus Martin Weber (CDU) fand, man solle die Gebühren nicht zu spät erhöhen. Es sei besser, sich jetzt schon Gedanken zu machen, „auch wenn es heißt, in Zeiten, wo alles teurer wird, kommen wir auch noch“.

„Die große Welle kommt noch“

Die angekündigte Preiserhöhung hänge nur mit den neuen Leitungen zusammen, nicht mit gestiegenen Kosten, betonte Schwarz: „Wir reden nicht über eine Erhöhung, weil alles teurer geworden ist, Sprit, Baustellen ...“, . Auch die Energiekosten spielten eine untergeordnete Rolle, sagte er auf Nachfrage des dritten Beigeordneten Bernd Hofer (Grüne): „Das wird uns erst später erreichen.“ Die Werke hätten den Vertrag mit dem Energieversorger mit einem Jahr Vorlauf geschlossen. „Wir zahlen jetzt die Preise von vor einem Jahr“, erklärte er. Im September habe man die Preise fürs nächste Jahr gesagt bekommen, und auch da hätten die gestiegenen Kosten noch nicht durchgeschlagen. Auch der Versorger selbst kaufe nicht immer die gleiche Menge ein, sondern achte auf Preisschwankungen. Dass die Preise die vom Vorjahr sind „heißt, dass sie große Welle noch kommt“, stellte Hofer fest, und Werkleiter Schwarz bestätigte: „Die kommt noch.“

Wie viel das Wasser in einem Jahr kosten wird, lässt sich noch nicht sagen. Auch nicht, ob der Verbrauch teurer wird oder die Grundgebühr. Auf diesen Unterschied wies Herbert Blinn (CDU) hin, der fand, es müssten die Beiträge steigen, nicht die Gebühren. Die Gebühren zahlt man auf den Verbrauch – derzeit 1,39 Euro pro Kubikmeter, also für 1000 Liter. Hier lässt sich Geld sparen, wenn man weniger Wasser verbraucht. Dann gibt es aber noch den Jahresbeitrag, der von der Grundstücksgröße abhängt – 86, 98 oder 112 Euro im Jahr. Der ist fest, und er wird fällig, weil die Leitungen gebaut und repariert werden müssen, unabhängig davon, ob jemand viel oder wenig Wasser verbraucht.

Viele Wasserrohrbrüche

Dass der Wasserverbrauch gegenüber dem Vorjahr trotz des trockenen Sommers um fünf Prozent zurückgegangen sei, merkte Manfred Nafziger (SPD) an. Das hängt laut Wassermeister Marc Pirmann aber nicht nur damit zusammen, dass die Leute Wasser gespart haben: 2021 habe man die Hydranten getestet. „Da ist viel Wasser über die Wupper gegangen.“ Dazu kämen die Rohrbrüche. In Bechhofen seien bei einem Rohrbruch 140 Kubikmeter Wasser in einer halben Stunde verloren gegangen, normal seien vier bis fünf Kubikmeter in der Stunde. Der Sommer sei ruhig gewesen, nun habe man wieder vier Rohrbrüche in der Woche – „aber immer nur kleine“.

Wie Werkleiter Eckart Schwarz auf Nachfrage sagte, werden in der Verbandsgemeinde im Jahr 800.000 bis 900.000 Kubikmeter Wasser verbraucht. Das ist so viel Waser, wie in fünf Millionen Badewannen passt. Oder anders: Damit könnten 100.000 Menschen ein Jahr lang jeden Samstag baden.

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