Kreis Südwestpfalz Warnwestenpflicht für Hühner
Ein feines Pink hat sich Jens Weber ausgesucht, als er seinem Vater, Bürgermeister Klaus Martin Weber, vergangenes Jahr ein Weihnachtsgeschenk machte: eine Warnweste für Hühner, vom Hersteller Omlet aus dem Vereinigten Königreich. Der Bürgermeister spricht nun von einer Warnwestenpflicht für Hühner in Käshofen und von einem Hühner-Zebrastreifen in der Höhenstraße. Gelten soll die Warnwestenpflicht ab 1. April – was auch verrät, wie ernst die Idee gemeint ist.
Eine pinkfarbene Warnweste für Hühner hat der Käshofer Bürgermeister also von einem seiner Söhne zu Weihnachten bekommen. Denn Klaus Martin Weber, der direkt an der Ortsdurchfahrt wohnt, ist Hühnerhalter. Sozusagen in dritter Generation. Ursprünglich hielt schon sein Vater Hinkel, und bei seiner Übersiedlung aus der Heimatstadt Hornbach nach Käshofen zogen die Hühner mit um. Die vier farbenprächtigen Hühner und ihr passender Hahn der Rasse Wyandotte, die er heute hält, stammen aber nicht mehr vom Vater sondern vom Sohn Jannik. Der ist ein echter Star in der Kleintierzüchter-Szene: Er hat mit seinen Kaninchen gerade erst den Titel „Europameister“ eingeheimst und steht bei diversen Wettbewerben schon seit Jahren auf kleinen und großen Siegertreppchen. Mittlerweile hat er so viele Kaninchen, dass die Hinkel aus dem Stall weichen mussten. Also nahm sie Vater Klaus Martin Weber in Käshofen auf, wo er ihnen neben dem Wohnhaus einen Holzstall mit Auslauf gebaut hat. „Ach was, die fliegen nicht über den Zaun, die haben viel zu viel Angst“, beantwortet er die Frage, ob das pinkfarbene Westchen mit Reflexstreifen seine Hühner vor dem Unfalltod an der nahen Höhenstraße bewahren soll. Die Geschichte vom Käshofer Landwirt und seinem platten Huhn kennt auch Klaus Martin Weber. Derzufolge soll ein nicht weit entfernt wohnender Käshofer Bauer versehentlich eines seiner Hühner mit dem Traktor überfahren haben. Als die herannahende Tochter schrie „Papa, dei Hinkel!“ soll er nur mit der Schulter zuckend geantwortet haben „Ist nedd meins – so platte Hinkel hann ich nedd!“. Ob die Geschichte tatsächlich wahr ist oder nicht, das weiß auch Hühnervater Klaus Martin Weber nicht: „Die Geschichte ist bekannt, aber sie wird in jedem Ort über jemand anderen erzählt.“ Ihm kann sowas nicht passieren, ist er doch einer der seltenen Käshofer Bürgermeister ohne eigenen Schlepper. Das mit dem Omelette ist auch nicht so weit her. Denn seit Wochen legen seine Hühner keine Eier mehr. Vielleicht aus Angst vor der pinkfarbenen Warnweste. Die hat ihr Halter einem der Hühner mit der tollen Maserung im Gefieder doch tatsächlich mal testweise angezogen, aber schnell gemerkt: „Die fühlen sich nicht wohl drin.“ Denn sobald ein Huhn die Reflexweste angezogen bekommt, läuft es im Stall nur noch rückwärts und versucht, die Weste wieder abzustreifen. Ein urkomisches Spektakel für Zuschauer. Aber nicht lustig für die Wyandotte gelb-schwarz gesäumt, wie Rasse und Farbenschlag richtig heißen. „Nur fürs Auge“ hat sich Klaus Martin Weber, der hauptberuflich Vollstreckungsbeamter des Zolls ist, vor vier Jahren die Hühner von Sohn Jannik geholt. Und tatsächlich ist ihr Gefieder herrlich anzuschauen. Da passt die pinkfarbene Leuchtweste – die es auch in Gelb und mit Tarnfleckmuster gibt – gar nicht ins Bild. Doch Weber, mit Humor gesegnet, dachte gleich weiter. „Das passt doch zur Fastnacht“, sagt er, um dann jedoch gleich seine Idee einer Warnwesten-Pflicht für Hühner in Käshofen ab dem 1. April“ vorzutragen. Da würden die Omlet-Engländer einigen Umsatz machen, wenn das so käme. Auch an einen Zebrastreifen für Hühner dachte Klaus Martin Weber schon. Natürlich über die viel befahrene Höhenstraße direkt vor der Haustür. Und sein bewestetes Hinkel müsste dann in der Kolonne hinten laufen, damit man es am besten sieht. Oder er müsste noch drei weitere Warnwesten dazukaufen, damit alle Hühner versorgt sind. Die Wyandotten sind zwar selten – Klaus Martin Weber schätzt die Zahl der deutschen Züchter seiner Wyandotten-Art auf „vielleicht 20“ und die Zahl der Tiere auf rund 200 in der Bundesrepublik – aber leider nicht wertvoll. Warum Sohn Jens – er kann übrigens mit Hühnern wie mit Kaninchen gleichermaßen wenig anfangen und schlägt somit aus der Art in der Familie Weber – überhaupt die Warnweste fürs Huhn geschenkt hat, das weiß Klaus Martin Weber selbst nicht. Vielleicht in weiser Voraussicht. Denn Verluste am eigenen Bestand hatte der Bürgermeister noch nicht. Und das könnte so bleiben. Ohne Schlepper und mit Warnweste.