Thaleischweiler-Fröschen
Warntag: Kampf für Ausbau des Sirenennetzes
Die Feuerwehrleute Mikschy und Clauß gehörten 2016 zu den Gründungsmitgliedern der Sirenenfreunde. Für sie und ihre Mitstreiter war aus der Erfahrung, die sie bei der Wehr gesammelt hatten, klar: „Sirenen sind ein ganz wichtiges, unverzichtbares Instrument, um die Bevölkerung im Ernstfall vor Gefahren zu warnen.“ Der 34-jährige Mikschy erklärt: „Sirenen haben einen Weckeffekt. Wer die Sirene hört, weiß, da ist etwas passiert.“ Das gelte auch für Wehrleute: Wenn die Sirene heult, „weiß jeder bei der Feuerwehr, dass es jetzt wirklich auf jeden Einzelnen ankommt“, ergänzt Clauß. So war es zum Beispiel beim Großbrand des Hotel Martin in Waldfischbach-Burgalben.
Bankbetriebswirt Mikschy wird mittlerweile bundesweit zum Thema angefragt. Sirenen funktionieren unabhängig von jedem anderen System, haben eine eigene Infrastruktur, seien Tag und Nacht einsatzbereit. Die modernen elektronischen Sirenen funktionieren auch ohne Strom. „Wenn man sich Rettungsketten anschaut, haben Sirenen den großen Vorteil, dass sie signalisieren, dass Hilfe unterwegs ist“, sagt Bruno Clauß, Mitarbeiter des Bauhofs von Thaleischweiler-Fröschen. Allein dieses Wissen sei für den in Not Geratenen schon die erste Hilfe. Alarmierung mittels Sirene sei zum Beispiel sinnvoll bei dünn besetzter Tagesalarmbereitschaft oder wenn die Piepser gerade nicht am Mann getragen werden. Die Sirene zeige aber auch, dass die Feuerwehr im Einsatz ist, und verdeutliche den Bürgern damit, wie wichtig deren Arbeit und Hilfe ist.
Nach Wiedervereinigung viele abgebaut
Die Sirene war einst eines der wichtigsten Warnmittel. Sie warnte vor Bombenangriffen, Umweltkatastrophen, Hochwasser und Bränden. Als der Kalte Krieg zwischen Ost und West zu Ende ging, die Wiedervereinigung Deutschlands kam, wurden bundesweit zahlreiche Sirenen – für die der Bund verantwortlich war – abgebaut oder schlicht ihrem Schicksal überlassen.
Das war ein Fehler, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz mit Blick auf den Warntag am Donnerstag und verwies darauf, dass in Mainz 32 zusätzliche Sirenen installiert werden. Das „war auch ein Erfolg für uns Sirenenfreunde“, sagt Mikschy. Politische Entscheidungsträger für das Thema sensibilisieren, „das war und ist eine unserer der Aufgaben“. Bei öffentlichen Veranstaltungen weisen sie auf ihr Anliegen hin.
Digitalisierung: Sirenen umrüsten
2016 nahmen die Sirenenfreunde ihre Arbeit als Interessensgemeinschaft auf, gründeten eine Gruppe in den sozialen Medien und vergrößerten sich. Bei der Plattform Facebook sind die Sirenenfreunde mit über 12.000 Abonnenten die größte organisierte Gruppe, die sich mit diesem Thema befasst. Jeweils 20.000 bis 25.000 Menschen erreichen die Sirenenfreunde mit ihren Beiträgen, oft seien es Entscheider und Multiplikatoren, die sich vor Ort für die Sirenen einsetzen. Erfolgreich, wie Rückmeldungen zeigen.
Auslöser für die Gründung der Interessensgruppe war die Umstellung der Alarmierung von analog auf digital. Dabei „wurden gerade in Bezug auf die Sirenen viele Dinge benannt, die so einfach nicht stimmen“. Deshalb wollten die Sirenenfreunde aufklären – zum Beispiel darüber, dass Motorsirenen auf digitale Alarmierung umgestellt werden können. Dass die Umrüstung oder Erweiterung des Sirenennetzes nicht so teuer ist, wie oft erzählt werde. Diese Arbeit bleibt wichtig, sind sich beide einig: Weil aufgeklärt wurde, habe der Landkreis über 200.000 Euro an Fördermitteln bereitstellt, um Sirenenanlagen zu erhalten und zu modernisieren. Verbandsgemeinden sind dabei, ihre Sirenennetze zu modernisieren und wieder auszubauen – manche wie Thaleischweiler-Wallhalben sind weit fortgeschritten. Nachbarkommunen wie die Stadt Zweibrücken und die Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben haben entsprechende Beschlüsse gefasst.
Radio einschalten, wenn die Sirene heult
Corona zeige, dass Katastrophen jeden jederzeit treffen können. Auch in der Politik sei erkannt worden, dass die Bevölkerung für Not- und Katastrophenfälle sensibilisiert werden und lernen muss, was welcher Ton bedeutet. Dafür stehe der Warntag, der künftig jährlich stattfinden soll. Eine Minute Heulton fordert zum Beispiel dazu auf, das Radio einzuschalten und auf Durchsagen zu achten. Das Zusammenspiel der Warnkonzepte ist wichtig, steht für die Sirenenfreunde fest.
Warn-Apps wie Nina und Katwarn seien sinnvoll. Aber in Gegenden mit schlechtem Handynetz oder bei Stromausfall seien deren Grenzen schnell erreicht. Eine Sirene funktioniert dann immer noch, unterstreichen Mikschy und Clauß.