Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Wahl-Kolumne: Bevor die Wahl zur Qual wird

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Wie die Bürger in Hauenstein vor der Wahl ihres neuen Verbandsbürgermeisters an die Hand genommen werden. Eine besondere Geschichte.

In Corona-Zeiten ist vieles anders. Wahlen gehören dazu. Denn Bürgernähe ist in diesen Zeiten weniger angesagt – zumindest im Wortsinne. Maske tragen und Abstandhalten macht es da Kandidaten auf Wahlkampftour schwer, Gesicht zu zeigen. Größere Veranstaltungen sind nur unter Auflagen möglich, Händeschütteln unter Hygienegesichtspunkten unerwünscht. Und wenn dann noch, wie in der VG Hauenstein, gleich fünf Bewerber um das Amt des Hauensteiner Verbandsbürgermeisters konkurrieren, wird die Lage fürs Wahlvolk so richtig undurchsichtig.

Unter solchen Einschränkungen leiden die Wähler, was nun prominente Helfer auf den Plan ruft. Unter diesen Bedingungen falle es Bürgern nicht leicht, ein sachliches Urteil zu finden, stellt die VG-Ratsfraktion FDP und freie Bürger Hauenstein besorgt fest. Weswegen man dem eingeschränkten Bürger nun besondere Fürsorge angedeihen lassen möchte: Wahlhilfe für alle, die nicht selbst zu einem Urteil finden können.

Mit Bewertungstabelle

Diese kommt in ungewöhnlicher Form daher: als Bewertungstabelle, in der die fünf Kandidaten mit einer Art Note von 1 bis 3 beurteilt werden. Die gab es in folgenden Kategorien: „Erfahrung in der Verwaltung“, „Tourismus: Einblick, kreative Vorschläge“, „Verwaltung aktualisieren durch Digitalisierung“, „Bürgernähe als Ziel durch eigenes Vorbild“ und „Steht für den Erhalt der Verbandsgemeinde: Kooperation statt Fusion“ plus am Ende eine Gesamtwertung.

Als Fraktion im Verbandsgemeinderat sehe man sich „in der Pflicht, einen sachlichen Beitrag zu leisten“, damit Wähler eine mögliche Entscheidungshilfe hätten. Deswegen hätten sie sich auch „neutral und uneigennützig“ mit allen Bewerbern in ausführlichen Gesprächen auseinandergesetzt, um den bestmöglichen Kandidaten zu finden. So begründen die sechs Unterzeichner ihren Vorstoß. Den haben sie übrigens komplett – also mit Punkten pro namentlich genanntem Kandidaten – in Facebook öffentlich gemacht. Und zur Sicherheit im Amtsblatt noch einen Hinweis draufgesetzt, in dem sie auf ihre akribische Untersuchung hinweisen. Die Ergebnistabelle suchen Leser dort aber vergebens; Wahlhilfe wollte der herausgebende Amtsblatt-Verlag selbst nicht machen.

Wer die Verbandsgemeinde am besten repräsentiere, überließen sie der Einschätzung der Wähler, versichern die Sechs. Ganz liberal. Nicht jeder Wähler goutiert freilich einen solchen Dienst am Bürger. „Vielen Dank für die fertig aufbereitete Meinung“, antwortet etwa ein Facebook-Nutzer. Und zeigt sich überzeugt davon, dass „die eine oder andere dependente Persönlichkeit in ihrer Wahlentscheidung davon profitieren“ werde.

Immerhin: Mit diesem Coup wird der Wahlkampf wieder in den Vordergrund gerückt. Geniale Idee.

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