Waldfischbach-Burgalben
Wagner-Birner: Drei Generationen Tischlerei und Bestattung
Es ist eine klassische Kombination im Handwerk: Tischlerei und Bestattung. 1966 machte sich Peter Wagner in Waldfischbach-Burgalben gemeinsam mit einem Kompagnon in diesem Bereich selbstständig. 59 Jahre später hat die dritte Generation die Führung des Familienbetriebes übernommen – zur Freude der zweiten Generation, die in Person von Jürgen Wagner weiter im Familien-Handwerksbetrieb tätig sein wird. „Natürlich freue ich mich, dass es bei uns als Familienbetrieb weitergeht“, sagt Jürgen Wagner. Ein reibungsloser Generationenwechsel ist nicht selbstverständlich, das weiß der Schreinermeister, denn das sieht er immer wieder im Umfeld, Betriebsaufgaben inklusive. „Mir hat die Arbeit in der Tischlerei schon immer Spaß gemacht. Ich bin hier groß geworden, wollte das machen“, sagt seine Tochter Sarah Wagner. Die Tischlerin hat gemeinsam mit ihrem Mann Michael Birner die Führung des Familienbetriebes übernommen. Der Betrieb firmiert seit der Übergabe als Tischlerei und Bestattungen Wagner-Birner.
„Wir sind noch ein klassischer, traditioneller Betrieb“, sagt Michael Birner. Er ist Tischlermeister und darf sich auch Bachelor Professional im Tischlerhandwerk nennen. Mit diesem Zusatztitel wird auf die gleiche Bedeutung von beruflicher und akademischer Ausbildung hingewiesen. Dass das Handwerk eine Zukunft hat, da sind sich die jungen Firmeninhaber – Birner ist 31 Jahre alt, Wagner 35 Jahre – einig. Auch deshalb war für sie klar, dass sie die Betriebsnachfolge antreten wollen.
Reparatur sticht Wegwerfen
Ein breites Spektrum an handwerklichen Arbeiten wird im Bereich der Tischlerei geboten. Klassischer Möbelbau, der individuell gestaltete Möbel nach Maß beinhaltet, Fenster, Haustüren, Innentüren, Rollläden, Glaserarbeiten, Bodenbelagsarbeiten, Wand- und Deckenverkleidungen gehören zum Angebot. Und: Reparaturen. Handwerk bedeute, nachhaltig mit den Dingen umzugehen. „Wir reparieren, wenn es möglich ist, zum Beispiel auch einen Stuhl“, sagt Michael Birner. Das erstaune so manchen in Zeiten, in denen Wegwerfen oft vor Reparatur komme, weiß Sarah Wagner.
Nachhaltigkeit ist ein Aspekt, der den Tischlerberuf zum Klimahandwerk macht. Aber auch, weil Lösungen den Energiebedarf reduzieren und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet wird – zum Beispiel durch den Einbau der richtigen Fenster und Türen in Kombination mit den passenden Rollläden.
Qualität ist ein Begriff, der im Handwerk ganz wichtig sei. Deshalb sei es wichtig, mit hochwertigen Materialien präzise zu arbeiten. Steigende Materialpreise, zum Beispiel beim Holz, sind im Unternehmen natürlich ein Thema, auch in Kundengesprächen. „Aber daran können wir nichts ändern“, sagt Birner.
50 Prozent Geschäft mit dem Tod
Die Tischlerei mache etwa 50 Prozent des Betriebes aus, 50 Prozent der Bereich Bestattungen, um den sich auch künftig vornehmlich Jürgen Wagner kümmert. Er bleibt als Mitarbeiter im Familienbetrieb, den sein Sohn Thorsten – gleichfalls Tischler – als Mitarbeiter komplettieren wird.
Die klassische Betriebskombination Tischlerei/Bestattung wurde von Jürgen Wagners Vater Peter begründet und stammt daher, dass früher die Tischler die Särge bauten. Heute werden Särge längst zugekauft. In der Hauptstraße im Ortsteil Burgalben stand die Schreinerei, die zunächst nach den beiden Firmengründern Wagner-Zumbach hieß. Als das Gewerbegebiet Schorbach in Waldfischbach-Burgalben entwickelt wurde, wurde dort Anfang der 1990er-Jahre eine Fläche im Gefähr gekauft und das etwa 300 Quadratmeter große Firmengebäude gebaut. Jürgen Wagner war mittlerweile Firmeninhaber, bildete in seinen 35 Jahren im Betrieb immer wieder Tischlernachwuchs aus und stand vielen trauernden Angehörigen in schwierigen Momenten als erfahrener Bestatter zur Seite. Das wird er auch weiter tun. Die Friedhöfe in der Region kennt er gut, Schwerpunkt des Bestattungsunternehmens ist die Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben mit den umliegenden Orten benachbarter Kommunen. Beratung, Vorsorge, Abholungen, Überführungen, das Erledigen aller notwendigen Formalitäten, die Planung und Durchführung von Trauerfeiern sowie Bestattungen aller Art gehören zum Portfolio.
Bestatter: 24/7 Erreichbarkeit
Das Bestattungswesen habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, verweist Jürgen Wagner zum Beispiel auf den mehr als 90-prozentigen Anteil an Feuerbestattungen. Dazu kommen nun viele neue Bestattungsformen. Gespannt ist Wagner auf das geplante neue Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz, das Auswirkungen auf die Gemeinden haben könnte, wenn es zum Beispiel erlaubt wird, die Urne zu Hause aufzubewahren. Die Unterstützung der Hinterbliebenen durch den Bestatter, „wird aber weiter erforderlich sein. Und wir wollen den Menschen wie in den vergangenen Jahren in diesen für sie schwierigen Zeiten weiter zur Seite stehen“, sagt Jürgen Wagner. Bestattung bedeute, sieben Tage rund um die Uhr erreichbar zu sein.
Bei aller Tradition verändere sich im Handwerk immer wieder etwas. Computertechnik bei Maschinen oder sich als Tischlerei in den sozialen Medien zu präsentieren – das gehöre zum Beispiel dazu. Aber nach wie vor – egal ob Tischlerei oder Bestattung – sei Mund-zu-Mund-Propaganda immer noch das Wichtigste. „Und das wird auch so bleiben“, sagen Michael Birner und Sarah Wagner, denen das Thema Nachwuchs im Handwerk auch am Herzen liegt. Die nächsten Generationen sollen den Wert des Handwerks kennen- und schätzen lernen. Deshalb dürfen zum Beispiel die Kinder aus dem örtlichen Kindergarten im Betrieb gemeinsam Vogelhäuschen bauen. Am Boys Day darf kommende Woche ein Schüler einen Tag mitarbeiten und auch Schülerpraktika seien immer ein Thema.