Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel „Wääscht noch?“ – Erinnerungen an Hauensteins Geschäfte und Geschäftsleute

So präsentierte sich das Rittersche Geschäft am Marktplatz in den 1980er Jahren. Lina und Helen Ritter boten Haushaltswaren und
So präsentierte sich das Rittersche Geschäft am Marktplatz in den 1980er Jahren. Lina und Helen Ritter boten Haushaltswaren und Werkzeug an, ihr Bruder Rudolf, der auf dem Bild zu sehen ist, sorgte für die Installation. Das Foto stammt aus der Sammlung Rohner.

Von der Hauensteiner Geschäftswelt, wie er sie in den 1950er und 1960er Jahren erlebt hat, berichtet Franz-Josef Schächter. Anders, nicht schlechter, sei das heutige Angebot.

Klassentreffen sind beliebt. Man trifft Leute, die man jahrelang, gar jahrzehntelang, nicht gesehen hat, weil sie irgendwo eine neue Heimat gefunden haben. Es gibt also viel zu erzählen: „Was machscht?“ oder „Wu schteckscht?“ sind zwei von vielen Fragen, die den Abend tragen. Und wenn sie geklärt sind, taucht jene Floskel auf, die dann die Gespräche – oft bis tief in die Nacht – beherrscht: „Wääscht noch?“

Ein in Zeiten von Amazon und Co. ganz besonders gerne diskutiertes Thema: Wo hat man früher eingekauft, bevor man mit ein paar Klicks den „Warenkorb“ mit allem füllen konnte, was das Herz begehrt? Ja, und dann ist man ganz schnell bei der Hauensteiner „Geschäftswelt“ der 1950er und 1960er Jahre, in denen der Autor Kindheit und Jugend verlebte, und stellt fest: Es gab (fast) alles im Dorf, ab und an bestellte man was bei „Quelle“ oder „Neckermann“ oder fuhr vielleicht mit dem Bus nach Landau oder Pirmasens oder mit dem „Heidelberger“ gar nach Mannheim...

Es gab fast alles in dem Schuhdorf

Wenn sich die Klassenkameraden dann auf einen gedanklichen Spaziergang durch Alt-Hauenstein machen, dann reiht sich in den Hauensteiner Straßen Geschäft an Geschäft. Von der oberen Hauptstraße über den Marktplatz und die Bahnhofstraße und die Seitenstraßen bis hinaus zum Felsen folgte Bäckerei auf Metzgerei, Lebensmittelgeschäft auf Tante Emma. Es gab Geschäfte für Elektrobedarf, für Kurzwaren, Textilien, Kleider, Zeitschriften, Spielwaren, Schuhe, Uhren, Schmuck… Ja, es gab fast alles in dem Schuhdorf.

Und es gab die vielen Geschäftsleute, an die man sich erinnert: Die „Milich-Anna“, die „Kuchler-Sannsche“ und die „Schenke-Paula“ beispielsweise, wo die Kinder die Milch in ausgebeulten Blechkannen schoppenweise holten und mehr als einmal ohne einen Tropfen nach Hause kamen, weil sie unterwegs beim „Fängels“-Spielen gestolpert waren. Es gab „Emilsche“, die das erste leckere Eis in Hauenstein verkaufte und es, weil sie noch keinen Kugelportionierer hatte, mit dem Suppenlöffel auf die Waffel strich. Eis bot auch Frau Hammer in einer kleinen Verkaufshütte in der Bahnhofstraße an – wie „Emilsche“ für zehn Pfennige die Waffel.

Kinder drücken sich an Vitrinen die Nasen platt

Beim „Bordjockel“ und bei „de Lensche“ in der Hauptstraße kauften die Väter rechts im Laden die Bildzeitung, das „Fünf-Uhr-Blatt“ oder „de Kickerts“, wie der Inhaber das Fußballmagazin zu nennen pflegte. Die Mütter versorgten sich links mit Garnen, Knöpfen und Wolle. Solches gab’s auch beim „Heinzel“ in der Dahner Straße. An dessen Vitrinen drückten sich in der Fastnachtszeit die Kinder die Nasen platt, waren sie doch immer satt mit Masken und Scherzartikeln bestückt.

Was weder bei „de Lenche“ noch beim „Heinzel“ zu finden war, das gab’s gewiss „bei Antone Heiners“ in der Schulstraße oder „beis Eicheene“ in der Gartenstraße, wo Eugen Ritter jun. in seinem „Warenhaus“ neben Kurzwaren auch Eisen- und Polstermöbel anbot sowie Betten und Matratzen, Kinderwagen, Spielwaren und noch vieles mehr. In einem Inserat in den frühen 1950er Jahren wies er auf seine „7 Schaufenster“ hin.

Geschichten umsonst dazu

Sehr breit aufgestellt war das Angebot auch bei „de Lina“ (Ritter) am Marktplatz: Haushaltswaren gab’s da von der „Bettflasch“ bis zum „Bottschamber“, es gab Ölöfen und Badewannen, die Linas Bruder Rudolf auch installierte. Es wurde ein riesiges Angebot an Werkzeug offeriert sowie nicht zuletzt Nägel und Schrauben in allen Größen, die von Lina und ihrer Schwester Helen einzeln in Tütchen gepackt wurden. Und ein Geschichtchen gab’s immer umsonst dazu...

Kleidung gab’s bei Grasmück am Marktplatz und in der Schulstraße bei der Ackermann-Filiale, die der Friseur Ferdinand Kunz – de „Picke-Ferdl“ – nebenbei betrieb und mit Ware aus dem bekannten Pirmasenser Fachgeschäft bestückte. Unvergessen ist auch das Obst- und Gemüsegeschäft Anstett am Marktplatz, dessen Inhaber mit seinem „Tempo“-Dreirad die Waren auch im Dorf ausfuhr, am Straßenrand die Glocke schwang und von der Ladefläche herab Salat, Gemüse und Erdnüsse verkaufte.

Ein vierseitiges Gedicht über die alten Geschäfte

Über die vielen Geschäfte in Alt-Hauenstein hat ein nicht mehr bekannter Autor ein Gedicht verfasst – Anlass war wohl ein Klassentreffen im Jahr 2005. Vier Seiten ist es lang. Vier Metzgereien samt Filialen werden darin genannt, fast zehn Lebensmittelgeschäfte – von „de Schmitte Gretsche“ über die Thekla, Sponheimers und die Gerda bis zu „Schlackels“ und zum „Stewener Auguscht“ – um nur einige zu nennen. Hinzu kommen ein gutes Dutzend Bäckereien, zwei mit eigenem Café, drei Elektrofachgeschäfte, zwei Geschäfte für Schmuck und Uhren, die auch gleich vor Ort repariert wurden.

Und weiter: „Foto Günther“ und „Foto Becker“ sorgten für schöne Festfotos bei Kommunion und Hochzeit sowie für die Abzüge der analogen Fotografie. Eine Drogerie gab’s und zwei Schreibwarenhandlungen, auch Spielwaren konnten vor Ort gekauft werden. Es gab Dienstleister wie die Schuhmacher, die abgelaufene Sohlen ersetzten, Änderungsschneider und mehrere Friseurstuben und -salons. Die Aufzählung muss unvollständig bleiben...

Heute gilt wie damals: „Buy local!“

Und heute? Auch wenn die Vielfalt an Geschäften, die heimeligen kleinen Läden und die manchmal schrullig-liebenswerten Inhaber nicht mehr da sind: Die Hauensteiner Infrastruktur stimmt nach wie vor. Den täglichen Bedarf decken Edeka, Penny und Netto. Es gibt noch eine „echte“ Metzgerei, noch handwerkliche und familiengeführte Bäckereien, feine Feinkostläden, ein Fahrrad- und Roller-Fachgeschäft, Elektrofachhändler mit entsprechendem Service, Blumengeschäfte und Läden mit Geschenkartikeln...

Bank und Sparkasse sowie der eine oder andere Dienstleister sind nach wie vor da, die Gesundheitsinfrastruktur ist breiter aufgestellt als früher: Ärzte und Zahnärzte sind nach wie vor vor Ort, ebenso eine Apotheke. Es gibt mit dem Optiker und dem Hörgeräte-Akustiker Angebote, für die man früher in die „Stadt“ fahren musste. Diese Infrastruktur gilt es auch zu pflegen, indem man das lokale Angebot nutzt und damit für den Erhalt kleinerer Geschäfte sorgt. Sprich: Es muss nicht immer Amazon und Co. sein: „Buy local!“

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