Busenberg
Vor 500 Jahren: Burg Drachenfels wird zerstört
Es waren Zeiten des Umbruchs in der Pfalz zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Festgefügte hierarchische Ordnung und Einheit von Glaube und Wissenschaft neigten sich dem Ende zu. Tiefgreifende Neuerungen veränderten das Weltbild der Menschen, was sich besonders in den Auswirkungen der Reformation zeigte. Der Thesenanschlag Martin Luthers 1517 brachte das zum Ausdruck, was viele seiner Zeitgenossen dachten und fühlten. Eine rasche Verbreitung der Reformationsgedanken war die Folge, besonders unter den nach Freiheit strebenden Bauern und der Ritterschaft. Unter Führung des Franz von Sickingen sammelte sich die Ritterschaft, um ihre alten Rechte wieder herzustellen. Ritter Franz fand auch beim Niederadel im Wasgau eine große Anhängerschaft seiner gegen Fürstenmacht und Kaiser gerichteten Ziele. Der Sickinger hatte seinen Hauptsitz um Landstuhl und auf der Ebernburg. Doch fast der gesamte Wasgauadel schloss sich 1522 im Landauer Bund zusammen und wählte Franz zum Hauptmann.
Der Ritter selbst besaß damals Burg und Herrschaft Hohenburg bei Nothweiler und Anteile am Drachenfels bei Busenberg. Heinrich von Dahn auf Burg Tanstein war treuer Weggefährte. Sein Verhältnis zu den Reichsstätten Landau und Weißenburg konnte er spürbar verbessern. Wie Historiker Wolfgang Schultz in seinem Buch „Der Drachenfels bei Busenberg“ schreibt, gestattete sogar der Weißenburger Stadtrat Sickingens Schützlingen sicheren Aufenthalt in ihren Mauern. Auf Sickingens Initiative trafen sich am 13. August 1522 etwa 600 Mitglieder der rheinischen, schwäbischen, elsässischen und fränkischen Ritterschaft in Landau mit dem Ziel, ihre soziale Stellung zu stärken, die Autonomie der Ritterschaft zu festigen und eine schlagkräftige Interessenvertretung zu schaffen.
Die Sickinger Fehde
Nach einer schon länger anhaltenden Auseinandersetzung mit dem Erzbischof und Kurfürsten Richard von Greiffenklau von Trier, vorausgegangen war eine nicht eingehaltene Lösegeldforderung, erklärte Sickingen dem Trierer am 27. August 1522 den Krieg. Unmittelbar danach zog er mit mehreren tausend Landsknechten gegen Trier. Er eroberte Blieskastel und St. Wendel, die Eroberung von Trier gelang hingegen nicht. Mit Kurtrier verbündet waren damals der pfälzische Kurfürst Ludwig V. und der hessische Landgraf Philipp.
Während sich Ritter Franz wieder auf seine Burgen Nanstein und Ebernburg zurückzog, trafen sich Ende September 1522 die drei genannten Fürsten, um den weiteren Plan zu besprechen. Zunächst wollte man Sickingens Anhänger bestrafen, wenn man ihrer habhaft werden konnte. Am 10. Oktober wurde die Reichsacht gegen Sickingen verkündet. Jetzt galt er als Landfriedensbrecher und war vogelfrei, sein Besitz wurde als verlustig erklärt. Darauf hatten die drei Fürsten gewartet, sie waren bereit dieses Mandat auszuführen. In den folgenden Wochen kam es mehrfach zu Scharmützel unter den Gegnern, auch aus den Burgen, wie dem Drachenfels heraus. Ein Versuch der Sickinger, die kurpfälzische Burg Lützelstein zu überrumpeln, scheiterte.
Nanstein kapituliert
Nach dem Winter wollten die drei Fürsten der sickingischen Gefahr ein für alle Mal ein Ende bereiten. Sie rüsteten sich zusammen mit schwerer Artillerie aus, um seine Burgen zu erobern. Nachdem der hessische Landgraf eine Kriegserklärung abgeschickt hatte, begann am 22. April 1523 der Kriegszug. Ab dem 29. April wurde der Nanstein beschossen. Nach drei Tagen fiel der Batterieturm. Als am 2. Mai die Hauptmauer einstürzte und Ritter Franz den Schaden besichtigen wollte, wurde er durch eine Kanonenkugel schwer verletzt. Am 6. Mai kapitulierte er, um die Mittagsstunde des folgenden Tages starb er.
Der Drachenfels wird zerstört
Damit seine Söhne, Gefolgsleute und Freunde nicht noch den Kampf fortsetzten konnten, beschlossen die drei Fürsten, auch die anderen Burgen Sickingens zu zerstören. Nächstes Ziel war deshalb die Zerstörung seiner Burgen im Wasgau. Am Sonntag, dem 10. Mai, erreicht Feldhauptmann Wilhelm von Renneberg mit 300 Reitern, drei Fähnlein Landsknechten und Artillerie den Drachenfels. Die Burg war von ritterlichen Gemeinern verlassen, nur noch ein Vogt und wenige Bewaffnete waren anwesend. Der kurpfälzische Herold Caspar Sturm ritt mit einem Trompeter zur Burg hinauf und forderte die Übergabe. Doch beim Ertönen der Trompete fielen von der Burg zwei Schüsse. Darauf verlangte der Herold den Burgvogt zu sprechen und erklärte ihm die Aussichtslosigkeit einer Gegenwehr. Als der Vogt mit seiner kleinen Besatzung die feindliche Übermacht sah, übergab er die Burg gegen freien Abzug mit Hab und Gut den drei fürstlichen Hauptleuten. Diese nahmen die Burg in Besitz und ließen sie am 11. Mai 1523 plündern und anschließend komplett niederbrennen. Wie Schultz berichtet, hatten die Sieger in der Burg ein ziemlich gutes Geschütz mit Pulver mitgenommen, daneben 200 Malter Mehl und einige Fuder Wein. Von der Einnahme der Burg ist übrigens der Augenzeugenbericht des Caspar Sturm, der „Warliche Bericht“, überliefert. Nach dem Willen der Eroberer durfte die Burg nicht wieder aufgebaut werden.
Tanstein wird erobert, Hohenburg und Lützelstein verbrannt.
Nach der Schleifung des Drachenfels zog der Heerhaufen weiter und stand am 12. Mai vor der Burg Hohenburg, Sickingens mütterliches Erbe. Die Burg wurde vom Burghauptmann und seinen Knechten gegen Gewährung von freiem Abzug kampflos übergeben, geplündert und in Schutt und Asche gelegt.
Tanstein bleibt verschont
Zwischenzeitlich waren auch die drei Kriegsfürsten, welche zunächst zwischen Münchweiler und Dahn noch abwarteten, im Lautertal zusammen gekommen. Um von hier aus die restlichen Burgen der Parteigänger Sickingens zu erstürmen, nämlich die Dahner Burg Tanstein und die Lützelburg im Elsass. Der pfälzische Kurfürst schlug sein Feldlager in seinem kurz zuvor erkauften Dorf Niederschlettenbach auf, während der Erzbischof von Trier in Dahn blieb und der hessische Landgraf im Feld lagerte. Burg Tanstein wurde am 15. Mai erobert, aber auf Bitten des herbeigeeilten Fürstbischofs Georg von Speyer, dem Lehensherrn des Heinrich von Dahn und Bruder des Pfälzer Kurfürsten, nicht nieder gebrannt. Aber Heinrich von Dahn wurde enteignet und seine Burg besetzt. Lützelstein hingegen wurde wegen der dort sitzenden Verbündeten Sickingens eingenommen und am 18. Mai verbrannt.
Auch Ritter von Dratt mischt mit
Als diese Nachrichten zum Kurfürsten im Schlettenbacher Lager gelangten, befahl dieser den Weiterzug zur Ebernburg, um auch diese zu zerstören. Am 5. Juni kapitulierte die Burgbesatzung, auch diese Festung wurde geplündert und in Brand gesteckt.
Der Aufenthalt der Truppen in Schlettenbach, es lagerten etwa 700 bis 900 Mann hier, dauerte von 12. bis 21. Mai. Aufschlussreich ist die überlieferte Liste über des Sold von insgesamt 1789 Gulden, welcher hier ausgezahlt wurde. Auch Christoph von Dratt wurden in Schlettenbach 100 Gulden ausbezahlt. Als pfälzischer Lehensmann und Sohn des berühmten Marschalls Hans von Dratt vom Berwartstein gehörte er nämlich zum pfälzischen Aufgebot. Er erlebte also die Zerstörung seiner Nachbarburg Drachenfels, an der er seit 1510 selbst Miteigentümer war.
Vergeblicher Rettungsversuch
In der Flersheimer Chronik ist eine weitere Begebenheit überliefert. Als Domsänger und Sickingens Schwager Philipp von Flersheim (später Bischof von Speyer) vom Tod des Verwandten erfuhr, eilte er nach Schlettenbach ins Lager des Kurfürsten. Er wollte versuchen, den noch minderjährigen sickingischen Kindern ihr Erbe zu retten, da sie mit der Fehde des Vaters nichts zu tun hatten. Pfalzgraf Ottheinrich fertigte ihn jedoch kurz ab und schlug die Bitte aus. Auch das folgende Treffen mit dem Erzbischof von Trier auf dem Kirchhof zu Schlettenbach war vergeblich. Das Lagern der Fürsten auf dem Friedhof in Schlettenbach scheint aus strategischen Gründen erfolgt zu sein, da der Friedhof mit der Wehrkirche damals befestigt war.
Der Schlettenbacher Vertrag
Wie Historiker Wolfgang Schultz schreibt, nutzte der Kurfürst den Kriegszug im Wasgau aber auch, um den unbotmäßigen Bürgern und der Stadt Weißenburg am 20. Mai 1523 im Lager in Schlettenbach einen harten Vertrag zu diktieren. Er verzieh darin in „fürstlicher Huld“ den Weißenburger Bürgern deren geschehene Unterstützung Sickingens. Er bestand aber auf dem neuen bisher umstrittenen Zoll und seinen übrigen Rechte zu Weißenburg. Die Stadt musste versprechen, die Mönche in ihrem Besitz ihrer Häuser und Güter zu lassen, den Zehnten zu reichen, ehrbare Pfarrer einzusetzen und Kirchen samt Kirchenbau bei dem bisherigen alten Herkommen zu belassen, also auf die Neuerungen der Reformation in Weißenburg zu verzichten. Eine Kopie dieses Vertrages aus dem Stadtarchiv Weißenburg befindet sich heute im Departementarchiv Straßburg. Wenn die Stadt diesen Vertrag wohl oder übel unterzeichnen musste, so war keineswegs zu verhindern, dass sich die Reformation in den folgenden Jahren in der Südpfalz weiter ausbreitete.
Der Drachenfels heute
Die Burgruine ist heute ein beliebtes Ausflugsziel im Wasgau. Doch als Touristenmagnet muss sie auch unterhalten werden. Der Ortsgemeinde Busenberg, Eigentümerin der Burg ist, fällt dies nicht leicht, wie Ortsbürgermeister Christoph Müller bestätigt. Trotzdem ist sie um ihren Erhalt bemüht. In den 2010er Jahren führte die Gemeinde trotz schwieriger Haushaltslage mehrere Maßnahmen durch, wobei auch ein Kran hoch befördert werden musste. Weitere Sicherungsarbeiten beginnen 2018.
Trotz Zuschüssen von Bund und Land reicht das Geld nicht, die Daniel-Theysohn-Stiftung springt ein. Da nicht alles bewältigt werden kann, geht die Sanierung in den Folgejahren weiter. 2020 reicht das Budget nicht mehr, zusätzlich müssen der Turm eingerüstet, Mauerkronen saniert werden. Weitere Schäden am Westturm werden festgestellt. Mit dem Abschluss der Arbeiten wird im Sommer 2021 gerechnet. Doch im April 2021 muss der Etat auf 447.000 Euro weiter erhöht werden. Mit ihrem Beitrag rettet die Stiftung die weiteren Sanierungsarbeiten. Oktober 2022: Es wird festgestellt, dass weitere Mauerteile, Geländer und Gewölbe instabil sind. Weiterer Finanzbedarf 350.000 Euro. 2023 läuft der nunmehr III. Bauabschnitt. Trotz Baustelle bleibt der Drachenfels weiter für Besucher zugänglich.