Rumbach
Vom Bauernhaus zum Post-Gasthof
Die Inschrift im Balken des zweiten Stockes zur Straße ist zwar noch vorhanden, aber sehr stark verwittert. Anhand deren Fragmente, der Ausfauteiakten aus dem 18. Jahrhundert und dem Urkataster ab 1800 lässt sich die Besitzfolge für die „alte Post“ ab ihrer Erbauung lückenlos rekonstruieren.
Die Erbauer sind Maria Dorothea Kern (1694 bis 1785) und der in Bruchweiler wohnende Hans Jakob Schied (1691 bis 1744), die Anfang der 1720er Jahre heiraten. Die ursprünglich rund 23 Hausplätze von vor dem Dreißigjährigen Krieg sind nach langem Brachliegen durch Rückkehrer und Zuzügler zu dieser Zeit eines „Baubooms“ schon alle belegt und man baut nun an den Ortsrändern weiter oder neben oder hinter der Familie.
Alteingesessene Rumbacher bauen das Haus
So auch dieses Paar. Die Hauptstraße 30 direkt nebenan dürfte nämlich Dorothea Kerns Elternhaus gewesen sein. Ihr Vater Christoffel Kern ist Gerichtsmann und Kirchenältester im Dorf, seine Ahnen waren einmal über Bergzabern aus Hornbach zuzogen. Die Vorfahren ihrer Mutter Catharina Schied, die zu einer Zeit, als die Nachnamen noch nicht gefestigt waren, auch als Schiedt, Scheid, Schütt oder Schaut geschrieben wurden, kann man getrost als Rumbacher „Urbevölkerung“ bezeichnen, da sie schon lange vor dem Dreißigjährigen Krieg hier und in den umliegenden Dörfern sesshaft waren und bereits in den 1580er Jahren in Rumbach als Hausbesitzer, Glöckner und Wagner belegt sind.
Bis 1950 noch als Post geführt
Die Schicksale der sechs Kinder der Erbauer sind die üblichen zu damaliger Zeit. Zwei sterben jung, zwei wandern in den 1750ern nach Pennsylvania aus, eine Tochter heiratet nach Darstein, Magdalena (verheiratete Bintz) erbt 1761 das Haus. Als es 1829 und 1836 ihre Urenkel Jakob Jacky und Georg Bintz ebenfalls nach Ohio zieht, verkaufen diese ihre Haushälften für 500 Gulden an Friedrich Jakob Neuhart und Karolina Kindelberger.
Ab 1888 sind Neuharts Enkel Jakob Görtler (1857 bis 1928) und dessen Frau Mina Kern (1859 bis 1916) als Besitzer vom „Gasthaus zur Post“ mit Postagentur belegt. Nach deren Tod führt ihre Tochter Emilie die Post bis zu ihrem Lebensende 1950. Danach entsteht auf der anderen Straßenseite ein anderes, neues Gebäude als Gasthaus zur und mit Post.
Freizeitheim und privates Feriendomizil
Der nächste Käufer der „alten Post“ vermietet die Wohnungen. In den 1990ern übernimmt es die Lebenshilfe Karlsruhe und saniert es aufwändig zu einem Freizeitheim. Seit 2017 dient es als privates Feriendomizil.
Was Briefverkehr angeht, wird der anfangs übrigens als eher gering eingeschätzt. Obwohl 1592 die weltweit erste Einführung der allgemeinen Schulpflicht direkt hier, im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, stattfand, konnte trotzdem nicht jeder Lesen und Schreiben. Berühmte Betreiber des deutschen Postwesens sind ab dem 16. Jahrhundert die von Thurn und Taxis. Im 17. Jahrhundert werden die Postkutschen eingeführt, die 1849 Konkurrenz von der Eisenbahn bekommen. 1871 erweitert die deutsche Reichspost ihr Gebiet um Elsaß-Lothringen. In den 1920er Jahren endet das Zeitalter der Postkutschen. Bis heute wird das Haus von den Rumbachern als „die alte Post“ bezeichnet.
Quellen
Im Landesarchiv Speyer lagern Ausfauteiakten und Urkataster für Jedermann zugänglich. Evangelische Kirchenbücher sind bequem mit einem Abonnement bei www.archion.de einsehbar. Mit Hilfe der Dendrochronologie kann das Alter von Balken ermittelt werden.