Rumbach / Fischbach RHEINPFALZ Plus Artikel Vollsperrung: Bürgerinitiative erstreitet Kompromiss

Während der Sperrung soll Fischbach eine Rettungswache bekommen.
Während der Sperrung soll Fischbach eine Rettungswache bekommen.

Die Proteste der Bürgerinitiative gegen die Vollsperrung der Landesstraße nach Rumbach waren erfolgreich: Eine temporäre Rettungswache kommt nach Fischbach, und für den Schwerverkehr soll eine Regelung mit Einbahnstraßen über Braunsberg und Eselssteige geprüft werden. An der Sperrung wird aber nicht gerüttelt.

Im August schon sollen die Bauarbeiten auf der 4,5 Kilometer langen Strecke der L478 zwischen Rumbach und Fischbach starten, wie der zuständige Abteilungsleiter beim Landesbetrieb Mobilität (LBM), Stephan Bartenbach, auf einer Versammlung am Mittwochabend den rund 40 anwesenden Mitgliedern der Bürgerinitiative mitteilte. Zwei Millionen Euro kostet der Ausbau, für den eine besonders schnelle und sparsame Ausführung gewählt wurde, da es sich um ein Gebiet mit vielen Biotopen und Naturschutzgebieten handele, in dem der LBM nicht einfach die Fahrbahn erweitern oder verlegen könne. Die Sanierung sei nicht zu verschieben. Die Fahrbahn weise viele Netzrisse und Schlaglöcher auf. „Das wird immer schlimmer. Mit Flicken ist da nichts mehr zu retten“, sagte Bartenbach.

Die Art der Sanierung bezeichnete Bartenbach als „grundhafte Erneuerung“. Die alte Fahrbahn bleibt liegen. Mit einer Fräse werde an beiden Rändern rund 40 Zentimeter tief in den Boden gefräst und eine Bankettbefestigung betoniert, die den Fahrbahnkörper wie eine Klammer halten soll. Dann kommen zwölf Zentimeter neuer Asphalt als Decke auf die alte Fahrbahn, und damit müsste die Straße mindestens 15 Jahre halten, schätzte Bartenbach. Der Kaiserslauterer LBM-Chef Richard Lutz könnte sich wegen der neuen Asphaltmischungen sogar eine längere Haltbarkeit vorstellen.

Die Sanierung will der LBM zudem nutzen, um zwölf Bäume zu fällen, die nahe an der Straße stehen, und Schutzplanken anzubringen. Dafür sollen bis zu 20 alte Eichen bei Rumbach als Biotopbäume ausgewiesen werden.

„Ich kann das nicht freigeben“

An der Umleitung über den Braunsberg hält der LBM fest. Eine von der Bürgerinitiative geforderte Ampelregelung sei nicht möglich, da die Fahrbahn nur 5,5 bis 6,25 Meter breit sei. Maschinen und Arbeiter bräuchten deutlich mehr Platz als die halbe Fahrbahn. „Da geht es um Arbeitsschutz, und Menschen arbeiten auf der Straße. Ich kann das nicht freigeben“, so Bartenbach. Eine temporäre Verbreiterung sei nicht möglich wegen der Naturschutzgebiete und Biotope neben der Straße und der hohen Kosten.

Die größten Bedenken hatte die Bürgerinitiative wegen des Rettungsdienstes. Hier präsentierte Landrätin Susanne Ganster eine Lösung: Ein Rettungswagen mit Besatzung werde während der Bauzeit rund um die Uhr im Sauertal stationiert. Nur der Notarzt muss anderweitig zum Einsatz kommen. Auch die Allgemeinärzte müssen nicht den Umweg über den Braunsberg fahren, sondern dürfen ausnahmsweise den Radweg parallel zur L478 nutzen. Das Gleiche gelte für Apotheken und Pflegedienste. „Mehr geht aber nicht, das ist nur ein Radweg“, meinte Bartenbach.

BI: Holztransporte gefährden Schüler

Für den Busverkehr sieht der zuständige Abteilungsleiter bei der Kreisverwaltung, Thomas Keller, keine großen Probleme. Die Fahrzeit verlängere sich durch den Umweg über den Braunsberg nicht extrem. Eine Anbindung des Schülerverkehrs nach Dahn sei immer gewährleistet, versprach Keller.

Die Wahl des Zeitraums verteidigte LBM-Chef Lutz mit dem Verweis auf die Falkenbrut im Frühjahr, die nicht gestört werden durfte, und den Tourismus im Sommer, den der LBM nicht durch eine Straßensperrung torpedieren wollte. „Den Touristen ist es egal, ob sie zehn Minuten länger fahren“, meinte eine Vertreterin der Bürgerinitiative, die es besser gefunden hätte, wenn die Schulferien für die Bauzeit gewählt worden wären. Bedenken äußerten mehrere Anwesende wegen der vielen Holztransporte, die in dem engen Tal zwischen Fischbach und Braunsberg morgens mit dem Schülerverkehr kollidieren könnten. Hier gebe es großes Unfallpotenzial, weshalb eine Sperrung für den Schwerverkehr besser wäre oder zumindest diese Einbahnregelung. Lutz und Ganster versprachen, diese Anregung zu prüfen. Eine von der Bürgerinitiative geforderte Sperrung für Radfahrer lehnte Lutz jedoch ab.

Keine Nacht- und Wochenendschichten

Die von der Bürgerinitiative gewünschten Nachtschichten und Wochenendarbeit, um die Zeit der Sperrung zu verkürzen, seien nicht möglich. „Da brauche ich eine extra Genehmigung für die Beleuchtung“, nennt Lutz einen Grund für die Ablehnung.

Die meisten Mitglieder der Bürgerinitiative zeigten sich gegen Ende der Veranstaltung zufrieden. Vieles sei klargestellt.

Bei der Sanierung der L478 wird es in den nächsten Jahren aber nicht bleiben. Lutz bestätigte Gerüchte, wonach auch die Straße zwischen Bruchweiler und dem Kreisel bei Reichenbach ansteht. Dies sei aber erst für 2022 oder 2023 vorgesehen, so Lutz.

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