Münchweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Veteranentreffen: Erinnerungen an das Fernmeldebataillon 890 in Münchweiler

Der Gedenkstein des Fernmeldebataillon 890 an historischer Stätte, dem ehemaligen US-Hospital. Im Original-Glockenturm daneben h
Der Gedenkstein des Fernmeldebataillon 890 an historischer Stätte, dem ehemaligen US-Hospital. Im Original-Glockenturm daneben hängt eine Tafel mit Informationen zu jener Zeit.

Lebenslage Kameradschaft: Viele Geschichten haben die Veteranen zu erzählen, die vor Jahrzehnten mit dem Fernmeldebatallion 890 in Münchweiler stationiert waren.

Auf dem Gelände des ehemaligen US-Hospitals in Münchweiler, im ehemaligen Garnisonsdorf, haben Männer der 1. Kompanie des Fernmeldebataillons 890 einen Erinnerungsstein gesetzt. Die Idee dazu war bei einem der alljährlichen Treffen einer Veteranengruppe Bataillons entstanden. Den Sandstein besorgte Thomas Prehn aus Münchweiler. Der Sandgedenkstein neben dem Original-Glockenturm an der Lazarett-Straße, gegenüber dem früheren Offiziersclub und heutigen Vereinsheim des Musikvereins „de Club“, ist ein gemeinsamer Treffpunkt, ein verbindender Stein der Erinnerung. Bei Treffen im Kienholzdorf dient der Gedenkstein stets als Anlaufstelle für die Veteranen des Bataillons – wie jüngst beim alljährlichen Wiedersehen.

Längste Anreise mehr als 700 Kilometer

Der Kameradschaftsabend fand in Münchweiler statt. Von den 15 ehemaligen Soldaten kommen meist acht bis zwölf zum gemeinsamen Essen. Mit spürbarem Stolz erinnern sie sich an ihre Dienstzeit – an gute wie an weniger gute Tage –, aus deren Kameradschaft eine über Jahrzehnte gewachsene Freundschaft entstand. „Wir treffen uns, um über alte Zeiten, schöne Ereignisse und gemeinsame Episoden zu sprechen“, sagen sie.

Die Mitglieder der Veteranengruppe kommen aus Zweibrücken, Rodalben, Gersbach, Pirmasens, Münchweiler, Waldfischbach-Burgalben und Hinterweidenthal. Die weiteste Anreise hat der frühere Rodalber Roman Weber auf sich genommen, der inzwischen im Umland von Hamburg wohnt. Zur Anfahrt von 720 Kilometern sagt er: „Das macht nichts. Ich habe zugleich meine Familie hier besucht – ein Heimatbesuch eben.“

Im Jahr 1966 ziehen die Fernmelder ein

Eine Historientafel am Original-Glockenturm der früheren amerikanischen Kapelle, gestaltet vom Ortschronisten Werner Dillenkofer, hält zentrale Daten fest: Das Hospital war im Juni 1952 begonnen worden; es folgten ein Eisenbahnanschluss, 1953 der Bau der amerikanischen Wohnblöcke (Housing Area) und die Indienststellung des „225th Station Hospital Münchweiler“. Im Jahr 1966 zogen die ersten Bundeswehrsoldaten des Fernmeldebataillons 890 ins US-Hospital ein. Im November 2004 wurde das US-Hospital mit fast allen Gebäuden abgerissen.

Wie die Veteranen erzählen, trat am 1. April 1971 ein Aufstellungs- und Umgliederungsbefehl für das Bataillon in Kraft. Die fünf Kompanien wurden auf verschiedene, räumlich getrennte Standorte verteilt. Die Männer, die sich nun in Münchweiler trafen, gehörten zur 1. Kompanie. Ihr Fernmeldetechnischer Zug war im US-Hospital stationiert. Zudem gab es dort den „Motorpool“, der der 1. Kompanie unterstellt war.

Täglicher Einsatzort: „Area 29“

„Unsere Kaserne war im US-Hospital. Unser täglicher Einsatzort lag in der ,Area 29’ in Ruppertsweiler, nahe der heutigen Sporthalle“, erinnert sich Peter Cronauer aus Rodalben, einer der Mitinitiatoren der Treffen. Zu den Aufgaben zählte die Reparatur fernmeldetechnischer Geräte. „Bei Übungen waren wir mobil unterwegs und hatten das entsprechende Equipment dabei“, sagen die Kameraden. Zugführer war Oberleutnant Wolfgang Vergien.

Untergebracht waren sie in Block 4306. Insgesamt umfasste das Bataillon fünf Kompanien. Drei davon waren in Münchweiler stationiert, zwei in Mannheim.

Erinnerungen an Bataillonsbälle und Arbeitseinsätze

Gerne erinnert sich die Veteranengruppe an die Bataillonsbälle in der Rotensteinhalle in Münchweiler. Für dessen Organisation ließen sich alle gerne einspannen und die Soldaten organisierten alles selbst, erzählen die Männer rückblickend voller Stolz. Eine Anekdote dazu: Wolfgang Vergien besorgte in Frankreich kleine Fallschirme als Deckendekoration für die Rotensteinhalle. Und eine weitere Episode sorgt bis heute für Gelächter, erzählen die Veteranen: „Für einen dieser Bataillonsbälle wurden drei Spanferkel in der Bäckerei Knobloch bestellt. Alle drei wurden verbrannt angeliefert. Aber sie wurden trotz schwarzer Kruste vertilgt.“

Gerne erinnern sich die alten Kameraden auch an ihre sozialen Einsätze; etwa das Herrichten von Kinderspielplätzen. Auch im Kienholzdorf legten Männer Hand an zum Kienholzfest: Sie bauten Zelte auf und errichteten Verkaufsstände. „Wir waren eine mobile Einheit. Wir halfen auch bei der Ausrichtung von Festen in der Umgebung“, wissen die früheren Soldaten noch.

Info

Am 1. September 1966 trafen die ersten Soldaten der Bundeswehr im Hospital ein. Sie gehörten einer Fernmeldeeinheit aus Mannheim an und versahen ihren Dienst hauptsächlich in der Station auf dem Großen Arius. 1971 wurde daraus die 3. und 4. Kompanie des Fernmeldebataillons 890 gebildet. Am 29. August 1975 wehte neben dem Sternenbanner erstmals auch die Bundesflagge im Hospital. Allseits bedauert wurde 1987 der Abzug der Deutschen Soldaten nach Phillipsburg am Rhein. (Quelle: Werner Dillenkofer, Ortschronik, Die Geschichte der Gemeinde Münchweiler)

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