Hauenstein Verwahrlost und vergessen: Der alte Bahnhof neben der Deutschen Schuhmeile

Um das Jahr 1900 kamen Fahrgäste auch mit dem offenen „Landauer“ zum neuen Hauensteiner Bahnhof (rechts). Links die damals neuer
Um das Jahr 1900 kamen Fahrgäste auch mit dem offenen »Landauer« zum neuen Hauensteiner Bahnhof (rechts). Links die damals neuerbaute Bahnhofsgastronomie, die heute noch im Familienbesitz ist und von der Familie Kerth erfolgreich in vierter Generation geführt wird.

Der alte Hauensteiner Bahnhof verfällt immer mehr. Ein ehemaliger Rektor, der dort seine Kindheit verbrachte, sorgt sich um das verwahrloste Umfeld. Es gibt erste Ideen, den Bahnhof mit wenig Aufwand aufzuwerten.

In seinen Bemühungen um den Strukturwandel nach der goldenen Ära der Schuhindustrie war Hauenstein rechtzeitig, zielgerichtet und lange vor der Jahrtausendwende auf den richtigen Zug aufgesprungen. Der Luftkurort Hauenstein hat sogar schon im Jahr 1991 grünes Licht für einen neuen Bahnhaltepunkt „Hauenstein Mitte“ in unmittelbarer Ortsnähe erhalten. Der ist heute nicht mehr wegzudenken und sorgt für eine Verbesserung der Infrastruktur. Neben Hauenstein verfügt nur Landau an der Queichtal-Strecke über einen zweiten Bahnhof. Doch: Während der neuere und gut ausgestattete Haltepunkt „Hauenstein Mitte“ einen enormen Anstieg an Fahrgästen im ÖPNV genießt, verkümmert der Bahnhof an der Alten B10 immer mehr und gibt ein trauriges und wenig einladendes äußeres Erscheinungsbild ab. Beklagt werden ein Hauch von Tristesse und der Eindruck beginnender Verwahrlosung. Und dabei ist der alte Bahnhof doch nur einen kleinen Steinwurf von der Deutschen Schuhmeile entfernt. Da passt was nicht zusammen: Auf der einen Seite die fußläufige Erreichbarkeit des wohl größten deutschen Schuh-Outlets, auf der anderen Seite das kümmerliche Dahinsiechen eines Bahnhofs, der nicht nur unter Marketing-Gesichtspunkten ein besseres Gesicht verdient hätte.

Wolfgang Kleemann (84) aus Rodenbach stieß dieser Tage auf das Thema. Der pensionierte Rektor bewahrt den „Hääschdner Bahnhof“ im Innersten seines Herzens und „leidet“ an dem dahinsiechenden Umfeld. Er lebte die Jahre seiner Kindheit während der Kriegsjahre und der Nachkriegszeit bis 1952 mit seiner Familie im Bahnhof-Hauptgebäude, wo sein Großvater Bahnhofsvorstand war. Die alten Hauensteiner haben den stets wohl gelaunten und freundlichen Bahnhofsvorsteher Henrich noch in sympathischer Erinnerung. Beim kürzlichen Besuch anlässlich des Jahrgangstreffens der Hauensteiner „40er“ besuchte er die liebgewordene Stätte seiner Kindheit. „Mein Bahnhof macht einen erbärmlichen Eindruck in seinem Umfeld, die Reisenden müssen sich verloren vorkommen, wenn sie aus den modernen Zügen aussteigen“, erklärte der passionierte Eisenbahner von Kindesbeinen an.

Umbenennung zum Jubiläum eine Lösung?

Kleemann, der nach Gymnasialjahren in Landau und Kaiserslautern seine ersten Berufsjahre bei der Bahn verbrachte, fühlt sich traurig. „Es wäre so einfach“, sagt er, „mit einigen Maßnahmen das immer noch attraktive Bahnhofsumfeld zu verschönern“. In diesem Jahr wird das Hauptgebäude 150 Jahre alt. „Wäre das nicht ein willkommener Anlass für den sonst sehr aufstrebenden Heimatort, auch dort ein wenig aufzuhübschen?“, fragt Kleemann. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ kam die Idee auf, den alten Bahnhof in „Hauenstein - Deutsche Schuhmeile“ umzubenennen, um ein neues Marketing-Signal zu setzen. Einen ähnlichen Vorschlag hatte vor wenigen Wochen der Hauensteiner Kommunalpolitiker Tobias Walter (CDU) gemacht. Eine Aufwertung des kurzen Wegs zur Schuhmeile mit historischen Foto- und Zeittafeln könnte das größte Schuhdorf weiter hervorheben und mehr ÖPNV-Fahrgäste anziehen, schlug Walter vor. Mit wenig Aufwand könne dies der Gemeinde zusätzlichen Marketing-Gewinn bringen.

150 Jahre wird der alte Hauensteiner Bahnhof in diesem Jahr alt: Doch ungepflegte Tristesse empfängt den Fahrgast, der oft zur n
150 Jahre wird der alte Hauensteiner Bahnhof in diesem Jahr alt: Doch ungepflegte Tristesse empfängt den Fahrgast, der oft zur nahen Deutschen Schuhmeile will.
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