Hauenstein
Vereinsleben nimmt langsam Fahrt auf
Um festzustellen, wie sehr das vermaledeite Virus in das Leben der Vereine eingegriffen hat, genügt ein Blick in den wöchentlich erscheinenden „Hauensteiner Bote“. Ihn nutzen die Vereine, Verbände und Gruppen sonst gerne und ausgiebig, um für ihre Veranstaltungen zu werben oder um über vergangene Projekte zu berichten. Kaum eine Vereinsnotiz ist aber derzeit im Amtsblatt zu finden. In der Ausgabe aus der letzten Woche findet sich in der Rubrik „Aus den Vereinen und Verbänden“ gerade eine Mitteilung aus Hauenstein, aus Spirkelbach und Wilgartswiesen werden ausfallende Veranstaltungen gemeldet. Nicht anders war es – als Beispiel – in der Ausgabe vom 30. April dieses Jahres. Einzige Mitteilung aus der Wasgaugemeinde: Lediglich der Angel-Sport-Verein teilt mit, dass ein geplanter Infoabend ausfallen muss. Aus den anderen Ortschaften der Verbandsgemeinde gibt’s nur zwei Notizen: Der ASV Schwanheim bedauert unter der Überschrift „Keine Experimente“, dass man wegen der Corona-Pandemie „schweren Herzens auf die schönste Nebensache der Welt“ verzichten müsse, und der ASV aus Lug-Dimbach informiert, dass die Generalversammlung verschoben werden muss.
Kein Zeltlager, kein Kräutermarkt
Wie anders sah das vor Jahresfrist im „Bote“ aus: In der Woche vor Fronleichnam 2019 berichteten 23 Gruppen aus ihrem Vereinsleben: Zum Waldfest des MVH am Grillplatz und zum Forellenessen des Angelsportvereins Wilgartswiesen wurde eingeladen, über die große Jubiläumsfeier des SC Hauenstein berichtet und über eine Elsass-Tagesfahrt des PWV, in Hinterweidenthal bereitete man sich auf den Teufelstisch-Trail vor und bei den Boulefreunden auf den Besuch der Partner aus Chauffailles.
Und zur gleichen Zeit im Corona-Jahr 2020? Keine Planwanderungen, keine Feste, keine Konzerte, keine Versammlungen, kein Sport, ergo: keine Mitteilungen der Vereine im Hauensteiner Bote. Stattdessen wurde in den letzten Wochen nach wie vor über ausfallende Veranstaltungen informiert: Die Hauensteiner Georgspfadfinder müssen wegen der „ungewissen Lage und der Hygienebestimmungen“ auf ihr traditionelles Sommerzeltlager verzichten, der Gemischte Chor aus Dimbach musste den „Pfingschdquack“ absagen. Der Hauensteiner Kräutermarkt muss ebenso ausfallen wie die für Oktober vorgesehene Firmung.
Wende zeichnet sich ab
Langsam aber zeichnet sich eine Wende ab. Das Leben – nicht nur der Vereine – beginnt sich mit den Schritt für Schritt gelockerten Bestimmungen wieder zu regen: Die Bücherei kann Leseratten wieder „Futter“ anbieten, das Deutsche Schuhmuseum hat geöffnet, das Schwimmbad am Backelstein lädt wieder zum Schwimmen ein. Und auch die ersten, noch vorsichtigen Vereinsankündigungen erscheinen wieder im Amtsblatt: In Wilgartswiesen richtete der TSV gar ein Weißwurstfrühstück aus.
Der TV Hauenstein lässt seinen Sport- und Turnbetrieb wieder anlaufen: Über zehn Angebote sind im „Bote“ aufgelistet, alle Aktivitäten finden „unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln“ im Freien auf dem Rasenplatz im Haberdeich statt. TVH-Chef Markus Reichert hofft, dass nach den Sommerferien auch wieder Übungsstunden in der vereinseigenen Halle stattfinden können: „Wir werden die weitere Entwicklung beobachten.“
Und wenn man sich bei anderen Vereinen umhört, dann ist festzustellen: Es tut sich wieder was: Beim SC Hauenstein kam die erste Mannschaft zu einem freiwilligen Training zusammen, für die Jugendmannschaften gab’s ein Sichtungstraining. Die „Dienstags-Oldies“ haben wieder ihre Tätigkeit aufgenommen, um das vereinseigene Gelände in Ordnung zu halten, wie Vorstandschef Christoph Keller berichtet.
Musiker proben im Freien
Der Musikverein Hauenstein, dessen Musiker in den vergangenen Wochen des Lockdowns immer wieder sonntags pünktlich um 18 Uhr mit kleinen Garten- oder Terrassenkonzerten die Nachbarschaft erfreuten, will mit ersten Proben beginnen: „Viele Möglichkeiten haben wir nicht. Wir proben halt in wechselnden kleinen Gruppen im Freien“, berichtet der MVH-Vorsitzende Christian Leidner. Am Freitagabend trafen sich erstmals die Trompeter zusammen mit Dirigent Markus Rebehn zur Probe.
Auch beim Männergesangverein gibt es Überlegungen, den Probenbetrieb wieder aufzunehmen: „Singen im Chor und im Freien mit drei Meter Abstand ist aber schwierig“, sagt Peter Kopper, der Vorsitzende. Bei den bestehenden Einschränkungen für Chöre sei eine reguläre Probe kaum denkbar. Man denke darüber nach, jeweils mit Teilen des Chores im Saal des Bürgerhauses wieder aktiv zu werden. Aktiv war bereits der katholische Kirchenchor: Am Fronleichnamstag gestaltete eine achtköpfige Singschola den Gottesdienst mit.