Kreis Südwestpfalz
Verbandsgemeinde lässt komplettes Schulhaus untersuchen
Nachdem sich Eltern massiv beklagt haben, lässt die Verbandsgemeinde das komplette Contwiger Schulhaus auf Schimmelbefall untersuchen. Neue Ergebnisse zum ehemaligen Turnraum sollen nächste Woche vorliegen.
Von Thomas Büffel
Contwig. Die Contwiger Grundschule hat zwei Standorte: Die ersten beiden Klassen sind in Contwig untergebracht, die dritte und vierte in Stambach. Normalerweise gibt es in Contwig zwei erste Klassen, aber diesmal waren es so viele neue Schulkinder, dass sogar eine 1c gebildet wurde. Und für die musste ein Klassenraum geschaffen werden, weshalb die Verbandsgemeinde den alten Turnraum im Untergeschoss in Contwig umbauen ließ. 48 000 Euro hat das gekostet – für Elektroarbeiten, Heizkörper, Fliesen, Maler- und Verputzarbeiten, Trockenbau, Fenster und eine Lärmschutzdecke. Genutzt werden kann der Raum noch nicht: In der Luft fanden sich Schimmelpilzsporen. Die Messergebnisse seien für Erwachsene unbedenklich, wenn regelmäßig gelüftet wird, schrieb das Fachbüro, das den Raum untersucht hat. Es empfahl aber, den Raum vorerst nicht als Klassenzimmer für Kinder zu nutzen, sondern Luft und Wände von einer Fachfirma reinigen zu lassen.
Das sei bereits geschehen, teilte Wilfried Lauer, Leiter der Bauabteilung, gestern auf Anfrage der RHEINPFALZ mit. Wie viel das gekostet hat, konnte er noch nicht sagen. Am Dienstag habe das Fachbüro auch neue Proben gezogen. Das Ergebnis erwartet er im Laufe der nächsten Woche. Zudem habe man mit dem Prüfbüro gesprochen, das nun auch in den anderen Sälen messen soll. Das soll diese oder nächste Woche geschehen.
Dass die Verbandsgemeinde das komplette Schulhaus untersuchen soll – auch künftig in regelmäßigen Abständen – , war eine Forderung von Eltern, die befürchten, dass sich die Sporen über die Luft ausgebreitet haben. „Wir gehen davon aus, dass die Sporen überall sind“, sagt Kerstin Heinrichs, deren Kind die dritte Klasse besucht, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die stellvertretende Schulelternsprecherin Lisa Becker ergänzt: „Die machen ja nicht an der Treppe Halt.“ Die Eltern erzählen, dass es seit Jahren Probleme mit Schimmel gegeben habe – das sei ein offenes Geheimnis gewesen – und berichten von Sportmatten, die an der Unterseite schwarz gewesen seien. Mütter der 1c würden sich nun weigern, ihre Kinder in den vorgesehenen Raum in Contwig zu schicken.
Dass die Kinder in einer Schule unterrichtet würden, „die gesundheitlich bedenklich ist“, wie es Kerstin Heinrichs ausdrückt, so weit will Schulleiter Hans-Peter Schmidt nicht gehen. Was bei den Messungen gefunden wurde, sei „an der untersten Schwelle der Gesundheitsgefährdung“, sagt er. Er hat selbst die Messergebnisse des Büros aus Spiesen-Elversberg und bietet den Eltern an, dass sie sie jederzeit einsehen können: „Wir sind da ganz offen.“ Dennoch steht er hinter den Forderungen der Eltern und zu den jetzt getroffenen Maßnahmen der Verbandsgemeinde sagt er: „Damit wurde dem entsprochen, was wir vorgetragen haben.“ Mit „wir“ meine er die Schule und die Eltern. Auch er möchte, dass das komplette Gebäude untersucht und wenn nötig gereinigt wird. Den umgebauten Raum im Keller werde man erst nutzen, wenn die Werte unbedenklich sind, verspricht er. Er sagt aber auch: Dann gebe es keinen Grund, ihn nicht zu nutzen.
Derzeit wird die 1c in Stambach in einem Raum unterrichtet, der normalerweise für die Ganztagsschule genutzt wird. Dafür fällt er nun weg. „Das drückt uns ein bisschen, aber wir können das ganz gut auffangen“, sagt Schmidt, der seit August Schulleiter in Contwig ist. Auch der Transsport der Schüler lasse sich regeln. Die Dritt- und Viertklässer aus Contwig fahren sowieso mit dem Bus nach Stambach. Nun auch die 1c. Im Grunde ist es nun nur so, dass die Contwiger 1c-ler nach Stambach müssen, ansonsten wäre es umgekehrt.
Was die Eltern auch betonen: „Wir wollen nicht, dass das Schulhaus geschlossen wird“, sagt Lisa Becker im Namen der Eltern. Denn die Säle in Contwig seien größer als sie es in einem Neubau würden. Auch dass es eine dritte erste Klasse gibt, begrüßen sie, da die Klassen nun kleiner seien. Allerdings hätten sie sich zunächst nicht ernst genommen gefühlt. Denn sie hätten die Verbandsgemeinde schon früh auf ein Schimmelproblem aufmerksam gemacht. Sie befürchten, dass die Verbandsgemeinde den Raum ohne Überprüfung genutzt hätte, wenn sie nicht die Schulaufsicht informiert hätten. Schließlich habe die Verbandsgemeinde noch Ende Mai darauf bestanden, dass „alles okay“ sei.
Die Verbandsgemeinde sei im Mai von Eltern auf deren Sorgen aufmerksam gemacht worden, räumt Wilfried Lauer ein. Es habe damals aber keine Anzeichen von Schimmel gegeben, und auch von den Baufirmen habe niemand Bedenken geäußert. Es sei auch „der übliche Weg, hinterher zu gucken“, da ja die umfangreiche Sanierung angestanden habe.