Hornbach
US-Boss hat weitere Pläne für Rotary-Werk in Hornbach
Vor drei Jahren hatte das in Glennville/Georgia ansässige US-amerikanische Unternehmen Rotary die Hallen des ehemaligen Rasenmäher-Werks von Gutbrod übernommen. Ein Jahr zuvor hatte der Gutbrod-Nachfolger Modern Tool and Die Company (MTD) beschlossen, das zuletzt nur noch für Logistikzwecke genutzte Werk aufzugeben. 35 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Rotary, Spezialist für Schneidwerkzeuge wie Mähmesser, Sägeketten, Trimmer, verlegte seinen europäischen Versand aus Saargemünd nach Hornbach. Gut 6000 unterschiedliche Artikel werden seitdem an der Gutbrodstraße gelagert und für den Versand an Großhändler nach ganz Europa und Nahost, von der Türkei bis in die Emirate, kommissioniert. Jetzt folgt der zweite Schritt. In 300 Varianten werden nun im Drei-Schicht-System Schneidfäden für Rasentrimmer, im Einsatz meist bei Gartenbau- und Forstbetrieben, hergestellt. Bedienten sich namhafte Hersteller von Gartenmaschinen bislang direkt in den USA, so deckt nun Hornbach ein Großteil der Kapazität ab. „Wir haben zwei Werke in den USA, in Glennville und in Phoenix, Arizona. Was die Anlage betrifft, so stellt unser neues Werk in Hornbach alles in den Schatten. Ich bin sehr stolz auf unser neues Team“, sagte Rotary-Boss Ed Nelson. Die neue Anlage wurde am Mittwoch rund 100 Einkäufern und Händlern aus nahezu ganz Europa, dazu der Fachpresse, vorgestellt. Aus den USA war die ganze Spitze des in dritter und vierter Generation familiengeführten Unternehmens mit weltweit 5500 Mitarbeitern angereist. Firmen-Chef Ed Nelson kündigte weitere Pläne für Hornbach an. So soll in absehbarer Zeit eine zweite, ebenso große Anlage folgen. Die Nachfrage wachse insgesamt und Rotary gewinne Marktanteile. Auch die Produktion weiterer Produkte aus dem Rotary-Sortiment könne er sich vorstellen. „Das nächste Kapitel ist in Vorbereitung“, beließ es Nelson noch bei Andeutungen.
Auf jeden Fall werde auch die Mitarbeiterzahl in Hornbach wachsen. Versandlager und Produktion zusammengenommen, sind es jetzt schon 40, mehr als bei der Aufgabe von MTD.
Verbandsbürgermeister: Hornbacher Beispiel ermutigt
Gut vier Millionen Euro kostete die neue Anlage; 450.000 Euro steuerte das Land Rheinland-Pfalz über die landeseigene Investitions- und Strukturbank bei. Man habe starke Partner und Fürsprecher in der Kommunalpolitik gefunden, namentlich Hornbachs Stadtbürgermeister Reinhold Hohn, sagte Michael Wicke, der Europa-Geschäftsführer von Rotary, in seiner Ansprache zur Eröffnung. Von Anfang an habe Hohn den Umzug aus Frankreich, die Ansiedlung und den Aufbau der Produktion begleitet, so manche Tür bei Ministerien in Mainz geöffnet. „Er hat sich dahintergeklemmt, sich einmal mehr als Macher erwiesen“, bescheinigte auch Verbandsbürgermeister Björn Bernhard seinem 75 Jahre alten Ortsbürgermeister. Die Entscheidung von MTD vor vier Jahren, den Standort aufzugeben, sei zunächst ein Schock gewesen, zu allererst für die Mitarbeiter. Manche von ihnen hätte bei Rotary einen neuen Job gefunden. „Dass sich für die Hallen etwas finden würde, war mir eigentlich klar. Dass aber in namhafter Zahl nun Produktionsarbeitsplätze entstanden sind und dem Vernehmen nach weitere entstehen werden, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine wirklich tolle Entwicklung“, sagte Bernhard.
Die Entwicklung ermuntere die Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land auch, weitere Gewerbeflächen auszuweisen. „In Contwig, in Bechhofen oder wie jetzt gerade als Mischgebiet in Großsteinhausen, sind wir dran. Und auch die Umwandlung von nicht mehr genutzten Höfen, landwirtschaftlichen Betriebsstätten, begleiten wir aktiv.“
Geschäftsführer: Leichter Wettbewerbsvorteil gegenüber USA
Dass sich ein US-amerikanisches Unternehmen entschieden habe, in der Südwestpfalz zu investieren, und seine Pläne auch zügig umsetze, sei ein ermutigendes Signal, meint der Verbandsbürgermeister. Die These, dass sich Deutschland gerade deindustrialisiere, ganze produzierende Wirtschaftszweige aufgegeben würden, werde am Beispiel Hornbach widerlegt. Rotary-Geschäftsführer Michael Wicke stützt die Aussage: „Dadurch, dass wir 50 Prozent des Energiebedarfs der Schneidfaden-Anlage über eine eigene Dach-Photovoltaikanlage decken und die Anlage dank deutscher Ingenieurskunst 40 Prozent effizienter arbeitet, sind wir wettbewerbsfähig zu den USA, sogar leicht im Vorteil. Obwohl es auch Standortnachteile gibt.“ Rotary-Boss Ed Nelson jedenfalls sieht noch Potenzial, nicht nur räumlich in der 12.000 Quadratmeter großen Immobilie. „Es war absolut die richtige Entscheidung, vor bald vier Jahren die Chancen zu ergreifen. Wir gehen Schritt für Schritt. Ich mag Hornbach einfach.“