Geiselberg
Unternehmensporträt: Andreas Hergert ist Tischler und Restaurator
Wenn Andreas Hergert ein Stück Holz in die Hand nimmt, den Pinsel sanft über eine alte Tür gleiten lässt oder an Lösungen tüftelt, um den Charakter eines denkmalgeschützten Fensterrahmens oder eines außergewöhnlichen Möbelstückes zu erhalten und neu zu beleben, ist bei ihm die Freude an seinem Beruf deutlich spürbar. In Geiselberg steht seine Schreinerei. Seit 1998 baut er hier unter anderem Möbel und Türen. Auch als Restaurator hat er sich einen Ruf erarbeitet. Er war bereits im Château d’Ansembourg in Luxemburg oder im Kapuzinerkloster in der Stadt Luxemburg tätig: Hergert sagt, er habe viele Aufträge im Nachbarland.
Der Tischlermeister baut zusammen mit seinen zwei Auszubildenden Möbel und Türen. Küchen, Schlafzimmer. Maßanfertigungen sind gefragt – „und nicht teurer, als Küchen aus dem Studio. Was viele nicht glauben“, sagt Hergert. Zudem werden die Möbel vom Tischler passgenau gefertigt. Schiefe Wände können so ausgeglichen werden.
Mit 14 ins Berufsleben gestartet
Hergerts Vater hatte sich zu Hause eine Hobbywerkstatt eingerichtet. Bereits als Kind, erzählt Hergert, habe er dort viel Zeit verbracht und gerne mit Holz gearbeitet. Da lag die Lehre zum Tischler nahe. Als 14-Jähriger, begann er die Wunschausbildung und hat die Liebe zum Beruf bis heute nicht verloren. Auch wenn das Handwerk gleichfalls mit Problemen wie Überbürokratisierung oder Fachkräftemangel konfrontiert ist. Es folgte die Meisterausbildung, für die er gespart hatte. Dass der gebürtige Pirmasenser seinen Betrieb in Geiselberg ansiedelte, war Zufall und einem Bekannten geschuldet. Der besaß ehemalige Schreinereiräume. In denen wagte Hergert den Schritt in die Selbstständigkeit.
Fünf Jahre später baute er neu im Gewerbegebiet in der Hauptstraße 83. Ausstellungsräume, Tischlerei und vor wenigen Jahren kam ein eigenes kleines Sägewerk mit Trockenkammer dazu.
Erfahrungen in Sägewerk gesammelt
„Ich produziere mein Schnittholz fast ausschließlich selbst. Es kommt aus der Region“, erzählt er. Für viele Kunden sei es toll zu wissen, dass das Holz ihrer Küche einst in Siegelbach oder mitten im Pfälzerwald stand. Der Stamm wird in Geiselberg zu Brettern geschnitten, die hier Zeit zum Trocknen haben. Weil er für seine Restaurationsarbeit immer mal wieder spezielles Holz benötigte, entstand die Sägewerkidee. Dass er mal in einem Sägewerk gearbeitet hat, war hilfreich.
Sukzessive hat er seinen Betrieb auf- und ausgebaut. Er sei der Typ, der spare. „Wenn ich das Geld gespart habe, dann kaufe ich das, was ich brauche“, sagt Hergert. So wuchs der Maschinenpark. Manche Maschine erspart nun viel Handarbeit. Zum Beispiel beim Kanten schleifen. Zeit die für andere Handarbeit bleibt. Es gebe aber auch Grenzen für den Maschineneinsatz. Computerunterstützung bei der Planung von Restaurationen, „funktioniert in der Regel nicht. Das zeichne ich alles noch selbst“, sagt Hergert. Manchmal, sagt er, lasse er auch spezielles Werkzeug für einen Auftrag herstellen.
Zusatzstudium Restauration
Er hat ein Zusatzstudium im Bereich Restauration absolviert. Voraussetzung war, dass er viel Wissen über Baugeschichte mitbrachte. Den Unterschied zwischen Jugendstil und Barock erklären, „dafür ist bei dieser Ausbildung keine Zeit“, sagt Hergert lachend. Und er musste nachweisen, dass er schon Restaurationen getätigt hat.
Dieser Arbeitsbereich gewann für ihn noch mal an Bedeutung, nachdem Hergert seinen ersten Auftrag in Luxemburg übernommen hatte. Wieder spielte der Zufall, wieder spielte ein Bekannter eine Rolle. Ein Außendienstmitarbeiter habe zu ihm gesagt: „Du sitzt hier in Geiselberg, machst tolle Sachen, aber im Grunde wissen das viel zu wenige Leute“, erinnert sich Hergert. Der Außendienstmitarbeiter erzählte, dass er einen Restaurator in Luxemburg kenne, „und der sei genau der gleiche Typ wie ich“, sagt der Tischler schmunzelnd. Die beiden Fachleute mit der Leidenschaft, alte Schätze zu bewahren, trafen sich. „Und wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden“, sagt Hergert. Jorge Simeos heißt sein Kollege aus Luxemburg, der sich stark um den Erhalt historischer Stätten in seiner Heimat bemüht und das in mehreren Büchern dokumentiert hat.
Monumentum heißt die Buchreihe und sie beschäftigt sich mit der respektvollen Erneuerung historischer Bausubstanz in der Großregion Luxemburg. Dabei gehe es darum, die Besten der Besten aus allen Handwerken – Tischler, Steinmetz, Fachleute für Lehmputz oder Schmiede – zusammenzubringen, sagt Hergert. Dass die Handwerker aus allen Bereichen gut zusammenarbeiten, sei für eine fachgerechte Restauration wichtig.
Seine Kontaktdaten sind gefragt
Es folgten große Aufträge wie Restaurationen im Château d’Ansembourg, einem Schloss, das mittlerweile einem japanischen Orden gehört. Oder das Kapuzinerkloster in der Stadt Luxemburg. 800 Quadratmeter Parkettboden und unzählige Treppenstufen waren dort zu restaurieren. Durch die Arbeit in Luxemburg wurden deutsche Ämter und Institutionen auf ihn aufmerksam. Für das Bistum Speyer ist er tätig, auch das Denkmalamt reicht längst seine Kontaktdaten weiter, wenn es darum geht, alte Schätze auf Vordermann zu bringen. Restaurieren, historische Fenster detailgetreu nachbauen, alte Türen aufarbeiten und diese zudem noch nach neuestem Standard dämmen und einbruchsicher machen, gehören zu Herausforderungen, die Hergert gerne annimmt. Das Geheimnis einer historischen, einbruchsicheren Tür: Sie besteht aus zwei Türen. Ein Beispiel dafür, was ein guter Tischler für Restaurationsarbeiten mitbringen sollte: „Sehr viel Erfahrung und Leidenschaft“, sagt Hergert.