Thaleischweiler-Fröschen
Umwelttag mit 150 Mann
„Klasse Sache“, sagt Entenmann, bevor er weiterfährt. Finden auch Patrick Freyer, Wehrführer von Thaleischweiler-Fröschen, und Oliver Schacker, der Vorsitzende des Fördervereins der Feuerwehr. Der Förderverein und die „Mädels vom Adventsfenster“, als die die Organisatorinnen dieser Erfolgsaktion, Daniela Ohnesorg und Julia Göring-Wolter, bekannt sind, haben den Umwelttag auf den Weg gebracht. „Ich hätte nie gedacht, dass wir so viele Menschen für die Idee begeistern können“, sagt Ohnesorg.
Adventsfenster-Mädels sind gut vernetzt
Junge Feuerwehrmitglieder hatten die Idee, erzählt Schacker. Er fand sie gut und wusste, „die Mädels vom Adventsfenster sind gut vernetzt“. Also sprach er sie an. Und aus der Idee wurde Realität. Termin festgelegt. Werbetrommel gerührt. „Wir hatten ganz schnell 90 Leute, die mitmachen wollten“, sagt Ohnesorg erfreut über die positive Resonanz vor Wochen. „Und es wurden immer mehr. Wir haben heute 150 Leute an mindestens 17 Punkten im Einsatz“, sagt Schacker. Jeden Alters. Dazu die Feuerwehr als Verbindungsposten.
Zu den jüngsten Mitgliedern der Feuerwehr in Thaleischweiler-Fröschen gehören Niklas Höh, Leon Weibel und Lya Hinkel, neun beziehungsweise zehn Jahre jung. Gemeinsam mit Christel Andres versuchen sie, am ehemaligen Raiffeisenlager für Ordnung zu sorgen. Beliebter Treffpunkt einiger Jugendlicher, die Müll hinterlassen, statt aufzuräumen.
Glasscherben im Kiesbett
„Aufpassen“, sagt Andres zum Feuerwehrnachwuchs, der mit Müllgreifern Dreck sortiert. Eine Menge zertrümmerter Glasflaschen liegt hier rum. Müllsack um Müllsack füllt sich. Andres ist sauer auf die Verursacher. „Das muss doch alles nicht sein“, sagt sie. Nicht nur, dass es „furchtbar aussieht, das ist echt gefährlich, für Menschen und Hunde“.
Jürgen Käfer ist neben dem Bahngleis dabei, Glasscherbe um Glasscherbe aus dem Kiesbett zu holen. Sieht nach dem Ergebnis zahlreicher Flaschenweitwürfe von der Lagerhaus-Rampe aus. „Ja, die Aktion ist klasse“, sagt er zum Umwelttag und schiebt ein Aber hinterher: „Wir müssen jetzt auch etwas tun, um diesem Problem früher zu begegnen.“ Bewusstsein bei Jugendlichen schaffen, damit es erst gar zu diesen Zuständen kommt. „Das ist verdammt schwer“, meint er, denn manchmal fehle schlicht die Vorbildfunktion Erwachsener und damit das Problembewusstsein. Es sei zu überlegen, ob dort, wo es zulässig ist, mehr Überwachungsdruck aufgebaut werden könnte, mittels Kameras zum Beispiel.
Zerstörungswut am Waschplatz
Die würde mancher wohl gerne am alten Waschplatz am Schwarzbach anbringen – oft Schauplatz sinnloser Zerstörungswut. Die Schwarzbachfischer haben dort am Umwelttag aufgeräumt. Was mutwillig zertrümmert wurde, lässt sich nicht so schnell reparieren. Zu den Folgen der Aktionen Uneinsichtiger gehört auch, dass an der Brücke über den Schwarzbach keine Blumenkübel mehr aufgehängt werden, erzählen Auer und Manuel Hayob. Kaum gepflanzt, schon rausgerissen.
Dass es ein paar Umweltschweine gibt, aber auch viele Menschen, die sich für ihren Ort einsetzen, wird am Umwelttag deutlich. Auer, Hayob, Thomas Engel und Co haben bei der Burgruine Meisenbach saubergemacht. Ein beliebtes Ausflugsziel. Auf dem Weg zurück in den Ort, „haben wir die Stelle hier gesehen und spontan beschlossen, die noch sauber zu machen“, erzählt Hayob. Mit Freischneider „und der guten Harke von Papa“, sagt er lachend, wird Ordnung ins Beet gebracht, in dem sich zum Beispiel eine Gabel findet.
Mülleimer? „Den zünden sie ja doch nur an“
Kurz zuvor hat Kevin Kiefer von der Feuerwehr ein Brotmesser gefunden. Unter der Rampe am Raiffeisenlager. Ganz tief runter hat er sich gewagt, um die Müllberge zu entsorgen. Messer und Glasscherben beweisen: Es ist keine ungefährliche Aufgabe. Kiefer sowie seine Feuerwehrkollegen Johannes Faust und Jakob Fydika haben Sina Bohl und ihre Mama Anke mitgebracht, um das Team am Lager zu unterstützen. Die Frage, ob es gut wäre, hier einen Mülleimer aufzustellen, ist schnell beantwortet. „Sinnlos, den zünden sie ja doch nur an“, sagt Kiefer. Zwei Tage zuvor war die Feuerwehr in unmittelbarer Nähe im Einsatz, weil ein Altkleidercontainer brannte.
Mit großen Schaufeln wird Müll in die Säcke verfrachtet. Dann ab ins Feuerwehrauto und zurück an den Müllsammelplatz am Gerätehaus. Dort gibt es für die Helfer Essen und Getränke, die die Gemeinde als Dankeschön stellt. Dankeschön, sagt auch Marktgräfin Jasmin Klein. Denn es wurden viele touristisch beliebte Punkte gesäubert. Neben der Meisenbach waren Helfer am Steinenschloss, den Radwegen, Saufelsen und Kreuztalweiher im Einsatz, um Unrat zu sammeln und Wildwuchs zu beseitigen. „Kleine Stärkung“, rufen die Marktgräfin und Lea Straßer, bei der Verbandsgemeinde für den Tourismus zuständig, als sie aus dem Feuerwehrauto klettern. Marillenschnaps wird ausgeschenkt. Coronabedingt in Plastikgläschen, die sofort ordnungsgemäß entsorgt werden. In einem der vier Feuerwehrfahrzeuge, die regelmäßig alle Stationen anfahren, Getränke an die Helfer verteilen, gefüllte Müllsäcke einsammeln, sind sie unterwegs.
Grüner Berg wächst auf Bulldog
Außerorts und innerorts wird das Dorf geputzt. Gegenüber dem Schwarzbach sorgen Iris Schneller und Jasmin Wafzig für einen unkrautfreien Platz vor der Athletenhalle. Als die Aktion im Verein thematisiert wurde, beschlossen sie mitzumachen, erzählen sie. Auf dem Parkplatz zwischen Athleten- und Turnhalle steht einer von vielen privaten Bulldogs, die beim Dorfputzen zum Einsatz kommen. Darauf wächst der grüne Berg, denn Rainer Kaufmann, Volker Busch und Tommy Eicher sind mit schwerem Gerät dabei, den Froschgraben freizuschneiden, der zwischen ACT-Halle und Turnplatz fließt oder steht. Je nachdem. Der Weg neben dem Graben wird oft genutzt, ist eine schnelle innerörtliche Verbindung.
Immer wieder müssen Busch und Kaufmann über den Graben springen. „Er war schon früher als Ringer katzengewandt“, sagt Busch lachend, als Kaufmann einen Sprung mit perfekter Landung abschließt. „Weil sie so sportlich sind, haben wir die Ringer dort eingeteilt“, sagt Oliver Schacker augenzwinkernd. Busch schneidet überhängende Äste von den Bäumen. Mit der Handsäge: Umweltschutz und Krafttraining.
Schwangerschaftstest gefunden – er war negativ
Ein Phänomen beschäftigt viele an den Putzstellen im Dorf und außerhalb des Ortes. Warum Hundehalter verstanden haben, dass die Hinterlassenschaft in die Müllsäcke aus den Hundetoiletten gehört, aber nicht, dass man die gefüllten Säcke anschließend nicht in die Landschaft wirft.
Etliche dieser Säckchen, Autoreifen, Traktorreifen, alte Fernseher und zahlreiche Plastikstühle finden sich. Sogar ein Schwangerschaftstest. „Ergebnis?“, wird gefragt. Ein Strich ist zu sehen. „Zwei Striche bedeutet schwanger“, meint ein Helfer. „Glück gehabt“, wird lachend festgestellt. „Wir wollten den Ort sauberer machen und was für die Gemeinschaft tun.“ Darüber sind sich Freyer, Schacker und Ohnesorg einig. Das hat geklappt. Dorf geputzt, Zusammenhalt gestärkt.