Hornbach Tierarzt Wilhelm Bonitz wird 90: Noch heute bedanken sich die Leute bei ihm
Geboren wurde er in Greiz im Vogtland, aber er flüchtete als 16-Jähriger alleine aus der damaligen sowjetisch besetzten Zone in den Westen, um frei leben zu können. Und auch sonst ist das lange Leben von Wilhelm Heinrich Bonitz voller Abenteuer und Geschichten. Seinen 90. Geburtstag feiert der Tierarzt im Ruhestand am Freitag im Buchholzgarten in Hornbach.
In Einbeck in Niedersachsen legte Wilhelm Heinrich Bonitz das Abitur ab und studierte in Gießen Tiermedizin. „Ein großartiger Beruf“, schwärmt er noch heute von seiner Wahl. Nach der Assistenz-Zeit in der Schweiz übernahm er 1959 die Hornbacher Tierarztpraxis, die er schließlich zwischen 2002 und 2007 nach und nach seinem Sohn Arnold übergab. Zuerst die Großtierpraxis 2002, dann die Kleintierpraxis.
Bis vor sechs Jahren stand er noch selbst in der Praxis
Bis vor sechs Jahren stand er oft noch selbst unterstützend in der Tierarztpraxis unterhalb des Wohnhauses. Früher hielt die Familie ein Pony, Hasen und Ziegen, heute ist der Jack-Russell-Terrier Anton das einzige tierische Familienmitglied. Dafür hat Bonitz im Lauf seiner 57 Berufsjahre viele fremde Tiere gerettet und behandelt. So viele, dass er sich unmöglich an alle erinnern kann. Doch noch heute bedanken sich Menschen bei ihm, beispielsweise, weil er „damals den Schäferhund der Familie gerettet hat“. An die Fälle, die gut ausgegangen sind, erinnert sich Wilhelm Bonitz selten: „Wir hatten ja bis zu 40 Hunde am Tag in der Praxis.“
An die, die weniger gut ausgingen, erinnere er sich eher. Die sind zahlenmäßig weniger, aber schon mal tragisch. Zum Beispiel der Schäferhund, dem er in einer Operation die Knochen des gebrochenen Beins wieder zusammengeschraubt hat. „Kaum war die Operation vorbei, hat er noch zweimal geschnauft und war tot“, so Bonitz.
Als ungewöhnliche Patientin hatte der Tierarzt mal eine große Würgeschlange mit Ekzem in Behandlung. Die sollte mit UV-Licht bestrahlt werden und hat laut Bonitz „aus Angst die ganze Praxis vollgesch …“. Oder der Löwe in Zweibrücken: „Es gab eine Zeit, da war es Mode, dass sich Privatleute einen Löwen halten“, erinnert sich Bonitz an längst vergangene Zeiten. Zu einem solchen wurde er nach Zweibrücken gerufen. Dort fand er dann einen Junglöwen in der Dusche einer Wohnung vor, den er betäuben musste, was ihm schließlich auch gelang. Oder an das Reh erinnert er sich. Das wurde offenbar angefahren und hatte einen gebrochenen Lauf, der geschient werden musste. „Das tobte wie wahnsinnig, weil es so Angst hatte“, erzählt der Ruheständler.
Am liebsten erinnert er sich an die vielen Fortbildungen, die ihn auf alle Kontinente geführt haben und zu denen ihn seine Frau Hiltrud stets begleitet hat. Als Fachtierarzt für Schweine und später auch Spezialist für Tier-Augenheilkunde kam er dabei viel herum. Lange Jahre engagierte sich Wilhelm Heinrich Bonitz im Vorstand der Landes-Tierärztekammer. 1998 ernannte ihn der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck zum Veterinärrat. Das ist ein Ehrentitel, den das Land verleiht. Seit 35 Jahren ist er in der protestantischen Kirche Hornbach engagiert und mittlerweile Ehrenpresbyter.
Auf Wunsch seiner Kinder schreibt er seine Memoiren
Flusskreuzfahrten begeisterten ihn und seine Frau früher. Von Schweden bis nach Frankreich, wo das Ehepaar mit Freunden auf einem Hausboot auf dem Canal de Garonne Aquitanien bereisten, führte ihn seine Leidenschaft. Er schreibt seine Memoiren („Die Kinder verlangen das von mir“) und freut sich an Gartenarbeit, Lesen, Musik hören und Musik machen. Früher mit Geige im Zweibrücker Kammerorchester aktiv, spielt Wilhelm Bonitz heute nur noch Klavier für den Hausgebrauch. Auch das Surfen im Internet zählt zu seinen Hobbys.
„So wie ich die Praxis geführt habe, geht das heutzutage nicht mehr. Heute sind die Tierärzte alle sehr spezialisiert“, sagt er. Wilhelm Heinrich Bonitz gratulieren zum Geburtstag seine Frau Hiltrud, seine beiden Töchter, sein Sohn und Praxisnachfolger sowie zwei Enkel.