Althornbach
Theatertruppe Storcheschnäbbel verschiebt Bühnenstück auf März
„Wir schaffen es einfach nicht“, spricht Petra Mohring, sozusagen die „Mutter der Kompanie“, von mehreren krankheitsbedingten Ausfällen im Ensemble. Außerdem waren einige Akteure in der Probephase wegen Urlaubs nicht vor Ort. „Einen halbgaren Auftritt, bei dem die Souffleuse mehr Applaus bekommt als die Schauspieler, wollen wir uns und dem Publikum aber auch nicht antun.“ Deshalb wurde die Premiere des Stücks „Neurosige Zeiten“ auf März kommenden Jahres verschoben. Statt am 12. und 19. November 2022 treten die zwölf Schauspieler und Schauspielerinnen nun am 11. und am 18. März 2023 in der Hornbacher Pirminiushalle auf.
Dann werden gleich drei Neuzugänge das Team verstärken. Oliver Feix ist zwar schon länger bei der Truppe, er hat aber wegen der langen Corona-Auszeit noch keinen echten Bühnenauftritt erlebt. Feix spielt den Volksmusik-Star Hardy Hammer, der von der „Bildzeitung“ in die Psychiatrie getrieben wird und Probleme mit dem Treusein hat, das er besingt, obwohl oder gerade weil er seit 25 Jahren verheiratet ist. Neu in der Truppe ist auch Annika Stegner als sächselnde Tupperware-Verkäuferin Herta, ein Verwechslungsopfer. Und auch die Souffleuse Doris Kübler konnten die Althornbacher Storchenschnäbbel zuletzt neu verpflichten.
Wie man eine Theatergruppe erbt
Kübler hat die Theatergruppe quasi geerbt. Denn bei ihrem inzwischen verstorbenen Vater Fritz Christmann in Althornbach lagern die Laiendarsteller schon seit vielen Jahren ihre Requisiten ein. So lag es für Doris Kübler nicht fern, ihrerseits zum Freizeittheater hinzu zu stoßen.
Aber auch bewährte alte Recken sind weiterhin mit an Bord. So spielt Gründungsmitglied Eddi Adam zwar seit fünf Jahren nicht mehr selbst mit, er wird laut Petra Mohring aber die Eröffnung der Theaterabende übernehmen. Christopher Hüther aus Contwig legt hingegen eine schöpferische Pause ein. Bekannte Gesichter werden die Theaterfans trotzdem genug erkennen. So wie Petra Mohring selbst, die in dem Dreiakter, der komplett in der Wohngruppe einer geschlossenen Psychiatrie spielt, die Stalkerin und liebeswahnsinnige Volksmusik-Enthusiastin Marianne darstellt. Als solche rückt sie Hardy Hammer alias Oliver Feix gehörig auf die Pelle. Auch Andre Schneider ist den Zuschauern von früheren Aufführungen der Storcheschnäbbel bekannt. Er verkörpert nächstes Jahr im März den zwangsneurotischen Finanzbeamten Hans, der strengen Seitenscheitel und Pullunder sowie Brille und messerscharfe Bundfalten in der Hose trägt und außerdem Keramikpuppen sammelt.
Skurriles Sammelsurium von Charakteren
Manuela Kipp ist ebenfalls ein alter Hase der Althornbacher Theaterspielkunst. Sie spielt die menschenscheue stotternde Waltraud. Bernd Kipp mimt den schmierigen Reporter Freddi. Sophia Mohrings Rolle ist die der sexsüchtigen Agnes aus gutem Haus, deren Gedanken sich nur um das Eine drehen. Lisa Lehmanns Part ist der der manisch-depressiven Künstlerin Desirée, die sich äußerst extravagant kleidet. Cécile Adolon nennt die Theatertruppe die Figur von Agnes’ Mutter, gespielt von Corinna Licht, die als reiche Inhaberin einer Hotelkette eine selbstbewusste feine Dame mit tadellosem Benehmen spielt.
Sie alle treffen in „Neurosige Zeiten“ unter anderem auf die Beschäftigungstherapeutin Rahel, die in Birkenstock-Sandalen mit den Wohngruppenbewohnern singt, kocht und bastelt. Rahel wird gespielt von Annika Bartmann. Und dann ist da noch die Psychiaterin Dr. Dr. Ilse Schanz (Kerstin Frary), die ehrgeizig und streng, aber auch sehr einsam ist. In ihrer Einsamkeit macht sie der Wohngruppe das Leben schwer.
Entscheidung fällt einstimmig
„Das Stück lebt komplett von Mimik und Gestik. Wir wollen abliefern, wenn der Vorhang aufgeht. Da mussten wir uns eingestehen, dass wir im Moment so weit einfach noch nicht sind“, begründet Petra Mohring die schwierige Entscheidung, die Premiere um fast ein halbes Jahr zu verschieben. Und das, obwohl die Neuzugänge natürlich auf ihren ersten Auftritt brennen. Trotzdem sei die Entscheidung einstimmig gefallen, nach längeren Gesprächen und Diskussionen.
Treu bleiben die Storcheschnäbbel ihrem Veranstaltungsort, der Hornbacher Pirminiushalle. Und dort werden die Schauspieler wie schon seit einigen Jahren wieder mit Headsets spielen, also Funkmikrofonen, damit man das Treiben auf der Bühne auch in der letzten Reihe gut versteht.