Kreis Südwestpfalz Tausche Digitaluhr gegen Autobatterie
«HORNBACH.» Helmut Weiske, erster Beigeordneter in Hornbach, hat viel von der Welt gesehen. Millionen von Kilometern hat er nach eigener Schätzung zu Wasser, zu Lande und in der Luft zurückgelegt − meistens auf dem Weg zur Arbeit. Er sei bestimmt dreimal rund um den Globus geflogen und rund zwei Millionen Kilometer mit dem Auto gefahren. Für Hobbys habe er deshalb nie Zeit gehabt. „Der Beruf ist mein Hobby“, sagt er.
Weiske war das, was man schon in den siebziger Jahren als „Troubleshooter“ bezeichnete. Einen deutschen Begriff gebe es dafür nicht, erzählt er. Im Wörterbuch wird der Ausdruck mit „Fehlersucher“, „Störungssucher“, aber auch „Vermittler“ übersetzt. „Ich musste mich um Probleme kümmern und gucken, was zu retten ist“, beschreibt er seine Aufgabe. Dabei legte er nicht nur etliche Kilometer zurück, er kann heute auch spannende und abenteuerliche Geschichten aus seinem Berufsleben erzählen. Beispielsweise die von einem Rückflug von Moskau: Beim Blick aus dem Fenster fiel ihm auf, dass an den Tragflächen des Fliegers − einer alten Iljuschin − die Nieten wegflogen. Da war ihm schon etwas mulmig. Als er die Stewardess darauf aufmerksam machen wollte, habe die nur den Finger auf die Lippen gelegt und ihn damit aufgefordert, zu schweigen. „Das war das einzige Mal, dass ich im Flugzeug geschwitzt habe“, erzählt er lachend. Ansonsten sei er gerne geflogen. Weiske machte bei Dingler eine Ausbildung zum technischen Zeichner und baute Hochöfen. Als die Abteilung geschlossen wurde, hängte er ein Ingenieurstudium dran und begann bei Pallmann als sogenannter Troubleshooter, bevor er sich 1979 mit einem Ingenieurbüro in Hornbach selbstständig machte. Er sei vor allem im damaligen Ostblock und in Skandinavien unterwegs gewesen. „Ich hatte noch nicht mein Diplom in der Tasche, aber schon ein Flugticket nach Moskau“, erinnert er sich. Dort betreute er den Messestand seiner Firma. Auslandsgeschäfte seien damals erst angelaufen. „Wir waren Pioniere“, erzählt er. Dafür habe er auch einige Unannehmlichkeiten wie die damals übliche Überwachung im Ostblock in Kauf genommen. Weiske musste immer wieder improvisieren. In der heutigen Slowakei habe er einmal auf dem Schwarzmarkt eine Digitaluhr gegen eine neue Autobatterie getauscht. „Es hätte zwei Wochen gedauert, bis ich über den ADAC Hilfe bekommen hätte“, erzählt er. Da habe sein Bekannter aus Brünn, bei dem er während seines Aufenthalts wohnte, gefragt: „Was hast du zu tauschen?“ Diese Methode war wesentlich schneller. „In Skandinavien war die Eintrittskarte eine Flasche Cognac“, erinnert er sich. Aber nicht immer lief alles glatt. Ein Auftrag ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. In einem Betrieb auf der Peloponnes, der Räucherstäbchen gegen Stechmücken produzierte, gab es Probleme. Vor Ort stellte Weiske fest, dass es nicht an den Maschinen lag, sondern daran, dass das Holz nicht richtig trocken war. Der Firmenchef sei über diesen Hinweis so erbost gewesen, dass er Weiske einfach sitzen ließ. Der musste zum Flughafen trampen und nahm noch eine Tüte voll Holzmehl als Beweismaterial mit. „Ich war drei Tage unterwegs“, erzählt er. Danach habe er wohl nicht mehr so vertrauenerweckend gewirkt. Die Zollbeamten hätten ihn und die Tüte Holzmehl jedenfalls intensiv unter die Lupe genommen. Reiselustig ist Helmut Weiske auch heute noch. Im Flieger sitzt er nicht mehr so oft, dafür macht er mit seiner Frau gerne Schiffsreisen. Am liebsten auf russischen Schiffen, weil man da kurzfristig planen und buchen könne. „Und nicht auf großen Pötten“, betont er. Ein bisschen Abenteuer muss wohl immer noch dabei sein. Die Serie Ganz vorne steht der Bürgermeister, und den kennt fast jeder. Aber direkt dahinter? Die Beigeordneten sind die Stellvertreter der Bürgermeister. Manche haben besondere Aufgaben, anderen liegen bestimmte Bereiche besonders am Herzen, und wieder andere vertreten einfach nur hin und wieder den Bürgermeister, wenn er krank oder in Urlaub ist. In unserer Serie stellen wir die Männer und Frauen in der zweiten Reihe näher vor.