Kreis Südwestpfalz Tante Margit hört auf

Der Kindergarten im Jahr 1978. Margit Ernst steht rechts von der Birke, die links hinten zu sehen ist.
Der Kindergarten im Jahr 1978. Margit Ernst steht rechts von der Birke, die links hinten zu sehen ist.

„Ja, ich verspüre seit Wochen Abschiedsschmerz, was ich in dieser Form nicht erwartet hätte. Die fröhlichen Kinderaugen, das stetige Treiben und auch manchmal das Trocknen der Tränchen, um Trost bei Enttäuschung oder einer Wehleidigkeit zu spenden, das wird mir fehlen“, sagt Margit Ernst aus Contwig. Sie wird am heutigen Freitag um 16 Uhr nach 45 Dienstjahren im katholischen Kindergarten Contwig mit einem Gottesdienst in der Sankt Laurentius Kirche verabschiedet.

Zum Ende ihrer Ausbildung als Kinderpflegerin in Landstuhl war sie im Nardinihaus in Pirmasens, wo sie ihr Anerkennungsjahr verbrachte. Eigentlich war der Weg zur Kinderkrankenschwester vorgezeichnet. In Pirmasens hat man ihr jedoch einen anderen Weg aufgezeigt, was sie bis heute nicht bereute. Sie könne gut mit Kleinkindern umgehen, fand der Arzt des Nardinihauses damals, sodass man sie sofort zur Probe in diesen Fachbereich steckte. Dabei blieb es. So ging es für sie noch einmal nach Landstuhl ins Internat, um die Ausbildung zur Erzieherin abzulegen. Danach folgte schon der endgültige Weg nach Contwig, wo sich Schwester Nicola über Unterstützung freute. Sie hatte weit über 50 Kinder zu umsorgen. Nur zwei oder drei Mütter standen ihr zur Seite, die ihr abwechselnd zur Hand gingen. Dies war nicht nur aus heutiger Sicht ein Personalmangel. Trotzdem sei alles sehr rund gelaufen. Der Kindergarten hatte einen VW-Bus, und mit dem ging es am Morgen vor 8 Uhr durchs Dorf, um die Kindergartenkinder einzusammeln. Kurz gehupt, und schon kamen ein oder zwei Kinder gesprungen und stiegen in den Bus. Zwei Rundtouren waren nötig, dann waren alle Kinder eingesammelt. Ein übervoller Bus, ohne Kindersitze – heute wäre eine solche Lösung unvorstellbar. Kurz vor der Mittagszeit wurden die Kinder wieder zurück zu den Eltern gebracht, um sie gegen 13.30 Uhr wieder abzuholen, damit es um 14 Uhr weiterging. Schluss war jeden Tag nach 16 Uhr mit der letzten Fuhre durchs Dorf. Irgendwie sei das ganze lustig und normal gewesen, ein wenig wie Bullerbü. Den Kindergarten musste das Personal noch selbst putzen. Am Ende der Woche wurde er mit dem Bohnerbesen wieder auf Hochglanz gebracht. Telefonisch war der Kindergarten nur über das Schwesternhaus in über 200 Meter Entfernung erreichbar gewesen. Der damalige Kindergarten sei ein riesiger Saal mit einer Trennwand gewesen, sodass man die Kinderzahl auch einmal zumindest in zwei Gruppen aufteilen konnte. Die Schwester habe mit den Kindern gerne gesungen, da sie eine begeisterte Gitarrenspielerin war. Es gab stets zahlreiche Spielkreise. Stets wurde ausgiebig geturnt und natürlich gebetet. Die Herzlichkeit sei ansteckend gewesen, erinnert sich die heutige Kindergartenleiterin. Hoch im Kurs standen die Frühlingsfeste in der Turnhalle und die Fastnacht mit Verkleidung. Dazu die Einstimmung auf Ostern, Sankt Martin mit der wichtigen Botschaft, dass das teilen Können eine gute Eigenschaft ist, und natürlich die Freude der Kinder an der Vorweihnachtszeit. Im Kindergarten waren nur Kinder die drei Jahre und älter waren und keine Windeln mehr benötigten. Längst schon bringen die ehemaligen Kindergartenkinder ihre eigenen Kinder in die Kindertagesstätte, wo es heute Ganztagesplätze mit Schlafgelegenheit gibt. Es gibt mehrere Gruppenräume und für die pädagogische Ausbildung entsprechendes Personal. Im Kindergarten wird gekocht, sodass die Kinder gemeinsam am Mittagstisch sitzen. Die letzten 15 Jahre seien von gewaltigen Veränderungen geprägt gewesen. Immer wieder hat Margit Ernst Begegnungen beim Einkauf in der Stadt, auf einem Vereinsfest oder als Zuschauerin beim Eishockeyspiel, wo sie spontan umarmt werde. Danach komme sofort der Satz: „Kennsche mich noch, Tante Margit?“ Fast immer könne sie sich nach einiger Zeit noch erinnern, da sie ja schon immer eine Contwigerin sei. Es verwundert demnach nicht, wenn man jetzt immer wieder im Dorf hört „Die Tante Margit hört jetzt auf“. Das sei schade, heißt es dann im Umfeld des Kindergartens. Und: „Sie hatte doch so viel Herz für die Kinder.“

Margit Ernst mit (von links) Maximilian, Liam, Lara und Rachel.
Margit Ernst mit (von links) Maximilian, Liam, Lara und Rachel.
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