Kreis Südwestpfalz Studienplatz für Landarzt von morgen
«Saarbrücken/Homburg.» Im Saarland soll eine bestimmte Anzahl an Medizin-Studienplätzen für solche Jung-Mediziner frei gehalten werden, die sich dazu verpflichten, nach Abschluss ihres Studiums im Saarland zu bleiben. Mit dieser Idee einer Landarzt-Studentenquote soll im Bundesland dem drohenden Ärztemangel vorgebeugt werden.
Wie die Kassenärztliche Vereinigung Saarland (KVS) warnt, sind im Land inzwischen viele Hausärzte schon im Rentenalter oder stehen kurz davor. Oft finden sie keine Nachfolger. Den Patienten drohen weite Wege zu einem anderen Allgemeinmediziner. Das Problem werde sich verschärfen. Nach KVS-Angaben werden im Saarpfalz-Kreis im Jahre 2028 rund 66 Prozent der Ärzte über 65 Jahre alt sein. Viele arbeiteten jedoch über die reguläre Altersgrenze von 65 Jahren hinaus, damit sie weiter für ihre Patienten da sein können. Schon jetzt könnten laut KVS im Saarland 40 Hausarztpraxen neu eröffnen – im Bereich Neunkirchen zum Beispiel mehr als neun, im Raum Lebach acht und in Saarbrücken über sieben. Im östlichen Saarland sei die Gefahr einer künftige Versorgungslücke besonders hoch, warnt die KVS. Schon lange wird im Saarland über eine Landarzt-Quote fürs Medizinstudium diskutiert. Jetzt werden die Pläne konkreter. Der stellvertretende KV-Vorsitzende Joachim Meiser, selbst Hausarzt, regt an, jungen Leuten per Quote einen Studienplatz zu vermitteln, wenn sie sich verpflichten, später im Saarland zu bleiben. Die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) spricht sich grundsätzlich für die Quote aus, doch müsse man verlässliche Daten abwarten. Sie stehe der Sache aber „sehr positiv gegenüber“, sagt die Ministerin. Mit der Landarzt-Quote ließen sich die nächsten 20 Jahre absichern. Bachmann: „Im Moment sieht es noch relativ gut aus, Aber es gibt Regionen, da würden wir gerne Arztpraxen besetzen.“ Bei Landesregierung und KVS werde die Landarzt-Quote aber nur als einer von mehreren Ansätzen angesehen, um dem Ärztemangel zu begegnen. Die KVS hat zum Beispiel zum 1. Januar ihre Förderung für verpflichtende Praktika, sogenannte Famulaturen, während des Medizinstudiums in Facharzt- oder Hausarztpraxen auf 500 Euro verdoppelt. Weil Famulaturen häufig im Ausland absolviert würden, gerne in Übersee, sei dies für die jungen Studenten interessant. „Aber das hält uns natürlich die Ärzte später nicht im Saarland – und da müssen wir was gegenhalten“, weiß der stellvertretende Vorsitzende Meiser. Es scheint durchaus zu wirken. Zumindest steigen die Zahlen an geförderten Praktika von neun anno 2016 und fünf im Jahr 2017 auf 20 anno 2018. Für 2019 seien jetzt schon 22 Anträge gestellt worden. Die Landesregierung zahlt derzeit an sieben Studenten ein Stipendium, damit sie anschließend auf dem Land arbeiten. Außerdem werden zwölf Praxis-Übernahmen und eine Praxis-Neugründung auf dem Land gefördert. Allerdings, so gibt die KVS zu bedenken, schließen mehr Praxen als übernommen oder neugegründet werden. Die KVS im Saarland hat deshalb in Zusammenarbeit mit der Landesregierung Programme aufgelegt, um die Hausärzte in ihrer Arbeit zu unterstützen – zum Beispiel die „Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis (Verahs)“. Erfahrene medizinische Fachangestellte können sich dazu ausbilden lassen. Sie unterstützen den Hausarzt, können Hausbesuche übernehmen. Ob auch eine Landarzt-Quote zum anerkannten Instrument gegen den Hausärztemangel im Saarland werden könnte, ist aber nicht unumstritten. Kritiker sagen, Abiturienten könnten sich nicht schon vor Beginn des Studiums in jungem Alter entscheiden, wie sie später arbeiten. In Nordrhein-Westfalen (NRW) wird die Landarzt-Quote bereits zum Wintersemester 2019/20 eingeführt. Wer über diesen Weg einen Studienplatz unabhängig vom Numerus clausus erhält, verpflichtet sich, nach dem Studium zehn Jahre lang als Hausarzt in unterversorgten Regionen in NRW zu arbeiten. Auch in Bayern ist die Quote geplant. Ein Entwurf für ein Landarzt-Gesetz liegt auch bei die Landesregierung in Rheinland-Pfalz auf dem Tisch. unbesetzte Hausarzt-Sitze —Raum Homburg: einer —Region Blieskastel: null —Raum Neunkirchen: 9,5 —Raum Saarbrücken: 7,5 —Region St. Ingbert: vier —Raum St. Wendel: einer