Waldfischbach-Burgalben RHEINPFALZ Plus Artikel Streit um Sportanlage: Schulleiterin hat die Nase voll

Zwischen Zuschauerbalustrade (links) und Rasenplatz plant der Kreis vier Tartanbahnen für den Schulsport der IGS, die durch eine
Zwischen Zuschauerbalustrade (links) und Rasenplatz plant der Kreis vier Tartanbahnen für den Schulsport der IGS, die durch einen Zaun vom Spielfeld abgegrenzt werden – genau dort, wo derzeit die Umrandung des Platzes ist. Das sorgte im Kreisbauausschuss für heftige Diskussionen.

„Ich habe langsam die Nase voll. Seit über drei Jahren das gleiche Thema, die gleichen Gespräche und keine Lösung. Wir sind keinen Schritt weiter.“ Irmgard Bauer, Leiterin der Integrierten Gesamtschule Daniel Theysohn (IGS) in Waldfischbach-Burgalben, hat ihrem Ärger Luft gemacht. Im Bauausschuss ist eine heftige Diskussion über die geplante Schulsportanlage entbrannt.

Was Irmgard Bauer so ärgerte, war eine weitere Diskussion über das Freisportgelände für die IGS. Bei einer Sitzung des Bauausschusses des Landkreises Südwestpfalz, der sich am Montag das dafür in Frage kommende Sportgelände der SG Waldfischbach (SGW) anschaute, schlugen die emotionalen Wellen wieder hoch. Neben dem Ausschuss schauten sich Kreistagsmitglieder, Vertreter der Schule, der Verbands- und der Ortsgemeinde sowie der SGW und des Bauamts des Kreises das Gelände an. Der Wunsch des Kreisbeigeordneten Peter Spitzer (SPD), der die Sitzung für die erkrankte Landrätin Susanne Ganster (CDU) leitete, „dass wir alles, was in der Vergangenheit war, hinter uns lassen und eine Lösung finden“, wurde nicht lange beherzigt. An der geplanten Grenze zwischen künftigem Schulsportgelände und Rasenplatz der SGW entzündete sich die Diskussion inklusive konfliktbeladener Vergangenheit. Stein des Anstoßes war ein Zaun: 1,50 Meter hoch, soll er die vier 100-Meter-Laufbahnen, die für den Schulsport gebaut werden, vom Rasenplatz trennen.

Zaun geht gar nicht, meinten einige sofort – weil das Verletzungsrisiko für die Kicker steigt, weil es schwierig wird, Platz für Zuschauer zu finden. Ohne Zaun geht es nicht, machten Kreisvertreter hingegen deutlich, dass die 1,3 Millionen Euro teure Schulsportanlage nicht ohne klare Abgrenzung zum Vereinsgelände gebaut wird. Das gilt auch beim geplanten Kleinspielfeld für Handball und Basketball, die Weitsprung- und Kugelstoßanlage.

Für Schulsport seit Jahren ungenügend

Die Anlage ist im hinteren Bereich des Sportplatzes geplant, wo aktuell die Weitsprunganlage ist. Durch das Haupttor kommend sind rechts des Rasenplatzes, auf der Seite zur Straße „Am Petersberg“, die vier 100-Meter-Tartanbahnen geplant. Jede Bahn wird 1,10 Meter breit. Sie zu verschieben, unter anderem wegen des Flutlichtes, ist im Prinzip nicht möglich.

Bereits seit 2016, erinnerte Spitzer, wird für das Problem eine Lösung gesucht. Die IGS nutzt derzeit vereinbarungsgemäß das SGW-Gelände für den Schulsport im Freien. Die vorhandenen Möglichkeiten entsprechen aber nicht dem, was eine vierzügige IGS mit Oberstufe von Gesetzes wegen für den Schulsport im Freien vorhalten muss. „Ich muss nun schon seit Jahren gegenüber der Aufsichtsbehörde vertreten, dass wir hier den Anforderungen nicht gerecht werden“, sagte Bauer. Die fehlende Sportanlage, die manches schulische Angebot verhindert – zum Beispiel Sport-Leistungskurse in der Oberstufe –, lasse die Attraktivität der Schule sinken, und wer die laufenden Diskussionen verfolgt, müsse verstehen, dass es auch um den Erhalt des Schulstandortes gehe.

Vertrag bei VG hängengeblieben

Elisabeth Hüther von der Kreisverwaltung verdeutlichte die rechtliche Lage: Die Ortsgemeinde ist verpflichtet, dem Kreis kostenlos ein geeignetes Grundstück für die zwingend erforderliche Freisportanlage bereitzustellen. Der Kreis baut diese Anlage. „Und wir müssen unsere Anlagen schützen“, unterstrich Hüther. Das sei kein Problem und im Erbbaurechtsvertrag beinhaltet, sagte die Anwältin der SGW, Ulrike Kahl-Jordan. Dieser Vertrag müsste zwischen Verein und Ortsgemeinde abgeschlossen werden, damit die Gemeinde Eigentümer des Geländes wird und es dem Kreis überlassen kann.

Den Vertrag, den die SGW termingerecht vorgelegt hatte, hat beim Kreis noch niemand gesehen. Er sollte dem Bauausschuss bereits im Oktober, als die Sitzung ursprünglich terminiert war, zur Info zugehen. Das geschah nicht, in Absprache mit dem Kreis, weil die Sitzung damals bedingt durch Corona ausfiel, sagte Verbandsbürgermeister Lothar Weber (SPD). Auf VG-Ebene war der Vertrag sozusagen hängengeblieben. Die Auslieferung soll jetzt nachgeholt werden. Den Vertrag brauche es im Grunde erst, wenn es für den Ausschuss an die Beschlussfassung geht, sagte Spitzer und betonte: „Das heute ist eine informelle Veranstaltung“.

Mehrere Versuche sind gescheitert

Im April 2019 hatte der damalige Ortsgemeinderat mit den Stimmen der SPD, CDU und FWG entschieden, dem Kreis eine Fläche in den Bruchwiesen für die Schulsportanlage zur Verfügung zu stellen. Näher bei der Schule gibt es kein Gelände. Die Zustimmung war mit Auflagen verbunden: unter anderem der, dass die Überlassung hinfällig ist, wenn sich Landkreis und SGW doch noch einigen. Alle vorangegangenen Versuche waren gescheitert.

Der Kreis entwarf den Plan für die Freisportanlage im Bruch. Nach den Kommunalwahlen kam es zu einem politischen Wechsel. Der jetzige Ortsbürgermeister Michael Oestreicher (BWB) hatte gebeten, erneut zu versuchen, eine Lösung auf dem SGW-Sportplatz zu finden. Hintergrund sei, dass fast niemand in der Ortsgemeinde Verständnis dafür habe, wenn man am Freizeitgelände in den Bruchwiesen eine weitere Sportanlage baut. Mit der Inaugenscheinnahme des Geländes, der vorliegenden Planung für das SGW-Gelände prüfe man bereits die Alternative, sagte der Leiter des Bauamtes, Peter Martini, am Montag. Und die gebe es nur mit Zaun.

Freizeitanlage wichtiger als Schule?

Man habe schon schlechte Erfahrungen gemacht, verwies die Kreisbeigeordnete Martina Wagner (CDU) zum Beispiel auf die Sportanlagen an der Vinninger Schule. Ihr stelle sich die Frage, wie die Ortsgemeinde eigentlich zu ihrer IGS steht, sagte Wagner. Er lasse sich nicht unterstellen, dass er den IGS-Standort gefährden will, entgegnete Oestreicher. Der sei ihm wichtig – die Freizeitanlage Bruchwiesen aber auch.

Den Eindruck, dass ihm die Freizeitanlage wichtiger sei als die Schulsportanlage, habe er schon vermittelt, machten mehrere Ausschussmitglieder deutlich, dass sie Oestreicher auch so verstanden hatten wie Wagner. „Es ist ein Trauerspiel, dass die Ortsgemeinde nicht fähig ist, Gelände zur Verfügung zu stellen“, hielt ihm der Kreisbeigeordnete Josef Bauer (CDU) vor. Die SGW sei bereit, Gelände zu geben, sagte Vereinsvertreter Gustav Decker, und Ulrike Kahl-Jordan unterstrich: „An der SGW liegt das nicht“.

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