Waldfischbach-Burgalben
Streit um Schulsportanlage: Verpokert oder verplant?
„Du wolltest pokern und warst der Meinung , gegenüber einer höheren Instanz in der vorteilhafteren Position zu sein. Ganz ohne Rücksicht auf Verluste. Dazu kann man nur sagen: Verpokert, und zwar zum großen Nachteil unser aller“, beurteilte SPD-Fraktionssprecher Philipp Peiser das Agieren von Bürgermeister Michael Oestreicher (BWB) und begründete das mit dem Ablauf der Geschehnisse. Peiser bestritt nicht, was ihm Oestreicher entgegenhielt: dass es 2019 einen Ratsbeschluss gegeben habe, in dem alle Fraktionen für die Lösung auf dem SGW-Gelände plädiert hatten, niemand einen dritten Sportplatz in der Gemeinde wollte. Damals sei seitens der Ortsführung erbeten worden, dass nochmals klärende Gespräche hinsichtlich der besten Lösung für alle geführt werden sollen. Dem hätten alle Parteien wohlwollend zugestimmt.
SPD: Anlage in Bruchwiesen als letzte Möglichkeit
Diese klärenden Gespräche hätten sich fast zwei Jahre hingezogen. Sie seien schwierig, aber zunächst zielführend gewesen. Bis zum Punkt der abschließbaren Umzäunung, auf die der Kreis aus seiner Sicht verständlicherweise bestand, zu der der Verein mit Blick auf die Gesundheit der Spieler aber nicht ja sagen konnte. Diese Differenz sei letztlich unüberbrückbar gewesen. Es habe parallel dazu aber ein Plan B existiert. Der sah vor, das IGS-Sportgelände in den Bruchwiesen zu bauen. Einen Ratsbeschluss gab es. Dass dieser Plan, die einzig noch realisierbare Lösung im Bruch – der alte Hartplatz bei SV Burgalben war nämlich keine, so Peiser – verworfen wurde, sei entscheidend gewesen im Poker-Duell. So sei dem Kreis keine andere Wahl geblieben, als die jetzige Lösung anzugehen. Aus Sicht der SPD sei ganz klar, dass die Lösung auf dem SGW-Sportplatz die beste gewesen wäre. Nachdem sich diese aber nicht realisieren ließ, hätte die Sportanlage in den Bruchwiesen gebaut werden müssen.
Dass Oestreicher und einige Ratsmitglieder anschließend erklärt hätten, die Gemeinde habe nicht den Schwarzen Peter, zeige, dass sich viele im Rat der Konsequenzen, die mit dieser Entscheidung verbunden sind, nicht bewusst seien. Die skizzierte Peiser, verwies auf daraus resultierende Probleme in der Außendarstellung der Gemeinde: eine sinkende Attraktivität des Schulstandortes, die letztlich die Gemeinde weniger attraktiv mache.
BWB wirft SPD Realitätsverlust vor
Das werteten die Vertreter der übrigen Parteien und Gruppierungen im Rat als Angriff, warfen der SPD vor, „die Realität ganz verloren zu haben“, so Sven Scholz (BWB). Er spiele nicht auf Zeit, sagte Ortsbürgermeister Oestreicher. Dass es die Möglichkeit in Burgalben geben könne, sei erst spät Thema geworden. Er erinnerte noch mal daran, dass der Beigeordnete Alexander vom Hagen (BWB) die Strecke von der Schule zu den beiden Sportplätzen abgelaufen sei, es habe einen Zeitunterschied von knapp drei Minuten gegeben, die es nach Burgalben länger dauere. „Wenn das der Landrätin zu lange dauert oder zu gefährlich ist, und dafür die erwachsenen Kinder lieber nach Thaleischweiler mit dem Bus gekarrt werden, dann verstehe ich die Problematik nicht. Das dauert länger“, sagte Oestreicher. Er geht davon aus, dass das Thema Sportplatz Burgalben noch mal ins Gespräch komme.
Andreas Peiser (SPD) hielt ihm entgegen, dass der Sportplatz der SGW genau halb so weit entfernt von der IGS sei wie der Sportplatz des SV Burgalben. Ein Ratsmitglied habe beide Strecken gleichfalls abgelaufen und das Ergebnis zeigte: zwölf Minuten bis zum SGW-Sportplatz, 25 Minuten bis zum Sportplatz in Burgalben. „Glaubt ihr ernsthaft, wenn ihr schreibt, das sind nur drei Minuten, dann merkt die Kreisverwaltung nicht, dass ihr sie behumpsen wollt?“, fragte Andreas Peiser.
FWG kritisiert Kreis
Michael Lehmann (FWG) kritisierte, dass von Kreisseite die beste Lösung SGW-Sportplatz nicht mitgetragen wurde, und stellte fest, „dass hier mit zweierlei Maß gemessen werde“. Er habe sich die Sportgelände Contwig und Thaleischweiler angeschaut, „da gibt es keinen Zaun, warum muss das bei uns sein. Das gesamte Gelände ist eingezäunt“. Es sei ein Schlag ins Gesicht, wenn nun unterstellt werde, man gefährde den Schulstandort. Andreas Peiser wies ihn darauf hin, dass die Umzäunung von Sportplätzen in diesem Landkreis normal ist. Der Sportplatz in Thaleischweiler-Fröschen sei nicht frei zugänglich. In Contwig handele es sich sowieso um reines Schulgelände.
David Bernhard (CDU), wertete die Ausführungen von Philipp Peiser als Schlag ins Gesicht von allen, die sich in den vergangenen Jahren bemüht hätten, die Lösung auf dem SGW-Sportplatz hinzubekommen. „Niemand kann mir erzählen, dass eine 100-Meter-Bahn und ein Kleinspielfeld aus Gummi etwas mit der Attraktivität des Dorfes zu tun hat“, sagte Bernhard. Er habe sich als Ratsmitglied in der Pflicht gesehen, für die einzig rationale Lösung – IGS-Sportgelände auf SGW-Sportplatz – zu kämpfen.
CDU-Sprecher lobt Ortsbürgermeister
CDU-Fraktionssprecher Felix Leidecker unterstrich, dass sich Oestreicher nicht verpokert habe. Es sei von Kreisseite geplant gewesen, „um es mal richtig zu sagen, drei Hasenkästen zu bauen. Das wäre den Bürgern nicht zu erklären gewesen“. Der Kreisverwaltung warf er vor, die Erdung verloren zu haben, am Leben vorbei geplant zu haben. Das bezog er auf die Planung eines zwei bis zweieinhalb Meter hohen Zaunes. Dem hätte kein Verein in Deutschland zugestimmt. Dass es die Lösung auf dem SGW-Gelände nicht gab, habe nicht der Verein, habe nicht die Ortsgemeinde verschuldet. Die Lösung sei an einem bestimmten Protagonisten gescheitert, sagte Leidecker, benannte diesen allerdings nicht. Die Gespräche seien nicht einfach gewesen, es habe zerschlagenes Porzellan aus der Vergangenheit gegeben. „Ich finde, der Ortsbürgermeister hat das sehr, sehr gut gemacht“, lobte Leidecker Oestreicher. Was die Zukunft des Schulstandortes anbelangt, sei entscheidend, dass die Schule ein Konzept habe, das sich abhebt von anderen Schulstandorten.
Sachliche Kritik oder Angriff?
Sachgemäße Opposition, forderte Günther Schramm (BWB) von der SPD. Zurück zur Sachlichkeit, das wäre auch sein Anliegen, sagte Andreas Peiser. Aber es zeige sich immer wieder, dass als sachgemäße Oppositionsarbeit von der Ratsmehrheit nur empfunden werde, wenn man allem vorbehaltlos zustimme. Sachliche Kritik werde als Angriff gewertet, als Majestätsbeleidigung. Was den Umgang angehe, da nehme er sich selbst nicht aus, denn auch er habe schon mehrfach scharfe Worte benutzt, müsse sich etwas ändern. Formal musste der Rat noch über die Aufhebung des Ratsbeschlusses aus dem Jahre 2019 entscheiden, mit dem dem Kreis das Gelände im Bruch überlassen worden wäre. BWB-, FWG und CDU stimmten dafür, aufseiten der SPD gab es eine Nein-Stimme und fünf Enthaltungen.