Kreis Südwestpfalz Streifen für die Artenvielfalt
Die Zahl der Insekten und der Insektenarten ist dramatisch zurückgegangen, und in der Folge gibt es auch weniger Vögel. Vor diesem Hintergrund startet die Daniel-Theysohn-Stiftung gemeinsam mit Unterer Naturschutzbehörde, Naturschutzbund Nabu und Landwirt Rolf Lehmann in Contwig ein Pilotprojekt, damit die Artenvielfalt wieder zunimmt: Auf fünf Hektar Fläche entstehen binnen fünf Jahren mehrere Meter breite Blühstreifen und artenreiches Grünland. Zeigt es Erfolg, soll das Projekt deutlich ausgeweitet werden.
„Katastrophal“ und „alarmierend“ seien die wissenschaftlich belegten Zahlen, sagte Gerhard Herz, bis Dienstag Vorsitzender des Zweibrücker Nabu – zur Nachfolgerin wurde Miriam Krumbach gewählt. Bei den Schmetterlingen beträgt der Rückgang seit den 70er Jahren 80 Prozent; bei Kleininsekten liegt der Schwund bei 90 Prozent. Diese Daten nannte Arno Sprau von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Südwestpfalz diese Woche bei einem Ortstermin. Betroffen seien vor allem Arten, die spezielle Wirtspflanzen brauchen. Herz brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass derartige Verluste nicht sein müssen. Den Beleg fand er auf einer Reise nach Kalabrien: Dort seien Feldwege und selbst Straßen durchweg von blühenden Randstreifen gesäumt, die somit vernetzt würden und einer Vielzahl unterschiedlicher Insekten Nahrung böten. „Da müssen wir auch wieder hin“, forderte der Naturschützer, der auch die Politik in der Pflicht sieht. Den Kommunen werde es ohne Rückendeckung nicht gelingen, wieder solche Randstreifen herzustellen. „Gerade diskutiert man ja Verbote von Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmitteln. Mit unserem Projekt wollen wir zeigen, dass sich die Artenvielfalt und die Zahl der Insekten mit einem nachhaltigen Ansatz deutlich erhöhen lassen“, sagte Gerhard Andreas von der Daniel-Theysohn-Stiftung, zu deren Stiftungszweck auch Naturschutz und Landschaftspflege zählen. Ein Jahr Vorbereitung war erforderlich. Bis zu 40 000 Euro stellt die private Stiftung aus Ludwigswinkel bereit, um die Flächen anzupachten und gemäß der Projektidee zu bewirtschaften. Wichtiger Kooperationspartner ist dabei Landwirt Rolf Lehmann vom Heidelbingerhof. „Ich finde es gut, dass wir im Team arbeiten, ganz praktisch, Hand in Hand und vor Ort“, beschreibt der konventionell wirtschaftende Praktiker den Ansatz. Diese Woche säte er auf einer Teilfläche mit kalkhaltigem Lehmboden eine Wildblumenmischung mit Kulturpflanzen wie Schwarzkümmel, Labkraut, Sonnenblumen und Ringelblume aus. Im Lauf der fünf Jahre sollen sich an den verschiedenen Standorten stabile Pflanzengesellschaften entwickeln, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern viele Insekten- und in der Folge auch Vogel- oder Reptilienarten anziehen sollen. Die Prüfung, ob das tatsächlich eintritt, obliegt den Ehrenamtlern des Nabu. Im Rahmen eines sogenannten Monitorings werden sie untersuchen, wie sich das Vogelvorkommen entwickelt. Fried-Achim Kiffmeyer, neuer stellvertretender Nabu-Vorsitzender in Zweibrücken, betonte im Namen aller vier Partner, das Projekt könne nur ein Einstieg sein. „Wir sind aber dabei, einen Pflock für die Zukunft einzuschlagen. Im nächsten Schritt soll es dann um etwa 30 Hektar Fläche und einen Zeitraum von vielleicht 20 Jahren gehen“, kündigte Arno Sprau an. Nicht ohne den Hinweis, dass auch jeder selbst etwas für mehr Artenvielfalt tun kann: Versiegelte Flächen oder „Granulat-Gärten“ bewirkten eher das Gegenteil.