Wirtschaftsleben
Steinmetz Rainer Stucky über neue Bestattungsformen und Raum zum Trauern
Sein Einstieg in die Welt der Steine, „verlief ziemlich klassisch“, sagt Rainer Stucky. Vater Erich hatte einen Steinmetzbetrieb in Heltersberg. Nach der Schule stand für Rainer Stucky die Ausbildung in diesem Handwerk an, das wie viele andere Nachwuchs sucht. Auf die Gesellenprüfung folgten die Fachhochschulreife und in Wunsiedel im Fichtelgebirge der Besuch der Fachschule für Steintechnik und Gestaltung, schließlich die Meisterprüfung. 1993 übernahm er den elterlichen Betrieb.
Die Eigenschaften der Steine akzeptieren
Anfangs war das Angebot breitgefächert. Neben der Herstellung von Grabdenkmalen „haben wir alles gemacht. Fensterbänke, Treppen“, schildert der 60-Jährige. Aber er habe schnell gemerkt, „dass es wichtig ist, sich zu spezialisieren“. Das tat er. Er verlegte sich auf Grabdenkmale. Gestalten, das „war schon immer ein Aspekt meiner Arbeit, den ich sehr geschätzt habe“, sagt Stucky, der bundesweit Kunden hat. 1993 baute er im Scheideller Weg in Heltersberg ein neues Firmengebäude mit großem Ausstellungsbereich. Neben dem Firmeninhaber sind zwei Mitarbeiter im Betrieb tätig.
Stucky schätzt die Arbeit mit dem Pfälzer Sandstein, arbeitet auch gerne mit Steinen aus dem Alpenraum. „Man muss die Eigenschaften des jeweiligen Steines kennen, sie akzeptieren“, weiß er. Das sagt er auch den Kunden. Den passenden Stein zu finden, „hängt ganz stark davon ab, wie die Lebensverhältnisse der Menschen sind“. Je nachdem, ob sich jemand um den Grabstein kümmern könne und wolle, solle dieser schlichter oder aufwendiger gestaltet werden. Die Steine, die für das Grabdenkmal verarbeitet werden, werden auf Wunsch mit anderen Materialien kombiniert – Naturmaterialien, Stahl oder Glas.
Wunsch nach pflegeleichten Grabstätten
Das Unternehmen gehört der Landesinnung des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks an. Stucky freut sich, dass – wenn auch auf niedrigem Niveau – die Anzahl der Auszubildenden in diesem Berufsfeld zuletzt gestiegen ist. „Wir schaffen Dinge mit unseren Händen“, sagt er. Eine Ausbildung in diesem Bereich eröffne zahlreiche Berufswege. Fachkräfte, die einem Stein eine neue Form, eine neue Funktion geben oder alten Steinen wieder ihre Form zurückgeben, sind gesucht.
Stucky hat sich früh auf Grabdenkmale spezialisiert. Die Entwicklung zu mehr Urnenbestattungen hat auch seine Arbeit verändert. Zunächst habe er das vornehmlich aus der Perspektive des Steinmetzes verfolgt, sagt Stucky. Längst sieht er das Thema aus viel breiterer Perspektive, beschäftigt sich intensiv mit dem Wandel der Bestattungsformen. „Pflegeleicht“ sei ein Begriff, der bei der Wahl der Grabstätten eine große Rolle spielt. Viele wollen den Hinterbliebenen keine Arbeit mit einem Grab hinterlassen. Daraus resultierten Bestattungsformen wie Ruheforste und Friedwälder.
Viele unterschätzen ihr Bedürfnis zu trauern
„Vielen, die sich für diese Bestattungsform für Angehörige entschieden haben, merken irgendwann, dass es nicht die richtige Wahl war“, weiß er aus vielen Gesprächen. Oft lägen diese Bestattungsfelder weit entfernt vom Wohnort. Mit zunehmenden Alter werde es für Hinterbliebene oft schwieriger, diese Orte zu erreichen. „Sehr viele Menschen unterschätzen ihr Bedürfnis zu trauern, einen Platz zu haben, wo sie um einen Menschen trauern können“, weiß Stucky aus Erfahrung. Das sieht er auf allen Friedhöfen, auf denen er tätig ist. Egal in welchem Bundesland. Diesem Bedürfnis müsse bei der Friedhofsgestaltung Rechnung getragen werden, ist er überzeugt. Er hat zahlreiche Seminare zum Thema Friedhofsgestaltung, Gestaltung von Trauerorten besucht, sich fortgebildet und bringt viel praktische Erfahrung mit. „Man muss nicht alles neu erfinden. Aber schauen, was andere machen, und übernehmen, was gut funktioniert.“
In Deutschland sind Kommunen gehalten, den Betrieb ihrer Friedhöfe kostendeckend zu gestalten. „In der Schweiz ist das Thema Bestattung beispielsweise ein Teil der Daseinsvorsorge“, ergänzt Stucky. Dort müsse eine Einwohnergemeinde eine würdige Bestattung vornehmen – auch wenn der Verstorbene kein Geld hatte. In Deutschland lautet die Vorgabe: kein defizitärer Friedhofsbetrieb. Was nahezu unmöglich ist. Auch die privaten Ruheforst- und Friedwaldunternehmen sind – rein finanziell betrachtet – Konkurrenten für die kommunalen Friedhöfe.
Neue Angebote „machen Friedhöfe attraktiv“
Die Kommunen haben reagiert, bieten verschiedene Bestattungsformen an. Pflegeleichte Bestattungsangebote, wo möglich auch Baumbestattungen. Rasenurnenfelder, Rasenerdgräber liegen im Trend. Aber auch sie seien nicht immer die richtige Wahl. Wenn die Platten im Boden eingelassen sind, „finden viele bestimmte Gräber nur schwer, wenn sie über den Friedhof gehen“, berichtet der Steinmetzmeister aus einer Erfahrung. Es werden auch an diesen Grabstellen, obwohl es nicht gestattet ist, Kerzen, Blumensträuße, Erinnerungsstücke hinterlassen. „Weil die Menschen Trauerorte brauchen.“
Auf dem Friedhof in Heltersberg gibt es ein neu gestaltetes Grabfeld. Dort können in einer gärtnerisch gepflegten Anlage höchst unterschiedliche Gestaltungsformen gewählt werden. Stehende kleine Steine, Steinplatten, die flach liegen. „Es können auch größere Steine als zentrales gestalterisches Element eingesetzt werden“, sagt Stucky. Die Anlage erfülle den Anspruch, pflegeleicht zu sein und unterschiedlichen Trauer- und Erinnerungsbedürfnissen Rechnung zu tragen. Die Grabanlage lasse die Möglichkeit zur individuellen Trauer, so lange Angehörige zum Beispiel noch regelmäßig das Grab besuchen können. „Ist das nicht mehr möglich, wird die Pflege automatisch bis hin zu 100 Prozent übernommen“, erläutert Stucky. In Heltersberg, wo das Bestattungsangebot sehr gut angenommen werde, übernimmt die Gemeinde die Pflege. Solche Angebote machten Friedhöfe attraktiv, ist Stucky überzeugt.