Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Starkregen-Brennpunkte sollen abgesichert werden

Heftige Regenfälle sind in Contwig keine Seltenheit. Beim Katastrophenschutz soll jetzt was passieren. Das Foto entstand beim Sc
Heftige Regenfälle sind in Contwig keine Seltenheit. Beim Katastrophenschutz soll jetzt was passieren. Das Foto entstand beim Schwimmbadfest 2013.

Jedes Mal wenn es in Contwig heftig regnet, schrillen bei Bürgermeisterin Nadine Brinette die Alarmglocken. Die größte Gefahr geht nicht vom Bach aus, sondern von den Äckern oberhalb des Dorfes. Für sechs Straßen soll es nun konkrete Sicherheitsmaßnahmen geben.

„Der Regen wartet leider nicht, bis wir soweit sind oder bis es irgendeine Förderung vom Land gibt“, mahnt Brinette in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend im Stambacher Sportheim. Brinette macht klar: Beim Starkregenschutz muss etwas passieren − der Gemeinderat ist auf ihrer Seite.

Schon vor der Ratssitzung sagte Brinette zur RHEINPFALZ, dass die wirkliche Hochwassergefahr gar nicht vom Schwarzbach ausgeht. Sie wohnt selbst am Bach, der tritt auch mal über die Ufer, bis ins Haus der Bürgermeisterin ist das Wasser aber noch nicht gelaufen. Die regelrechten „Starkregen-Brennpunkte“ liegen am Ortsrand, an den Hängen. Und genau diese Brennpunkte hat sich das Ingenieurbüro CP aus Spiesen-Elversberg angeschaut.

Auch die Anwohner müssen vorsorgen

Grundsätzlich, so Nele Guthörl vom Ingenieurbüro, gibt es drei Maßnahmen, das Wasser von Wohnsiedlungen fernzuhalten: den Regenabfluss frühzeitig zurückhalten, etwa mit Mulden oder Abflussrinnen, den Abfluss lenken, das funktioniert mit Notfließwegen und anderen Leitungen sowie der Selbstschutz der Bürger. Bei Letzterem verweist Guthörl auf Paragraf fünf des Wasserhaushaltsgesetzes, demnach müssen Anlieger in Hochwassergebieten auch etwas für den Selbstschutz tun, beispielsweise druckdichte Kellerfenster einbauen oder mobile Hochwasser-Schotten vor den Garageneinfahrten errichten.

Die sechs Starregenbrennpunkte in Contwig und Stambach sind laut Brinette die Drosselstraße, Oststraße, Hahnbergstraße, Fasaneriestraße, Keppbergstraße und die Straße an der Kirche. Die Gebiete hat das Büro geprüft und einen Maßnahmenkatalog erarbeitet. In der Drosselstraße, so Guthörl, kommt das meiste Oberflächenwasser vom Acker oberhalb des Neubaugebietes. „Der Graben dort ist nicht durchgängig, zudem gibt es keinen Unterhaltungsweg“, sagt die Ingenieurin. Gemeint ist der Graben zwischen Acker und der oberen Bebauung. Die Folge: Das Oberflächenwasser vom Acker fließt zwar in den Graben, jedoch führt der nicht bis zum Ablauf im Norden, der hinunter ins Tal und somit zum Bach führt. Dort, wo der Graben zum Ablauf führt, ist das Ableitungsrohr zudem nicht ausreichend vor Ablagerungen, die bei Starkregen schnell zusammenkommen können, geschützt. Als Maßnahmen nennt Guthörl die Verlängerung des Grabens sowie dessen regelmäßige Pflege. Und auch beim Ableitungsrohr muss die Gemeinde etwas tun.

In der Oststraße kommt das Oberflächenwasser von einer weitaus größeren Fläche. „Es gibt eine Abflussrinne, die sich über die Zeit gebildet hat“, sagt Guthörl. Problem: Diese führt direkt in Richtung Bebauung. Es gibt im Bereich der Oststraße ein ausreichend großes Einlaufbauwerk, das ist aber verdreckt und muss laut Guthörl dringend aufbereitet werden. Weiter schlägt sie vor, den Weg innerhalb der Ackerflächen so aufzubereiten, dass er dem Starkregenschutz dient. Und die Anwohner müssen über mögliche Selbstschutzmaßnahmen informiert werden. In der Hahnbergstraße gibt es ebenfalls ein groß genug dimensioniertes Einlaufbauwerk, laut Guthörl ist auch das stark verdreckt. Die Ingenieurin rät, dieses aufzubereiten und auch die Straßengräben sauber zu halten, damit das Wasser gut abfließen kann.

Wasser von 25 Hektar trifft auf Mini-Gully

In der Fasaneriestraße gibt es keinen geeigneten Regenabfluss, auf ein knapp 25 Hektar großes Gebiet, auf das der Regen prasselt, kommt lediglich ein regulärer Gullydeckel. Die Wiesen bieten laut Guthörl aber Platz für Regenrückhaltebecken. Die Keppbergstraße ist aufgrund ihrer dichten Bebauung stark gefährdet. Schutzmaßnahmen sind hier kaum möglich. Guthörl schlägt der Gemeinde daher vor, dass Wasser von den Feldern in die parallel verlaufende Egerstraße abzuleiten. Dort gibt es ein passendes Einlaufbergbauwerk. Auch das sollte im selben Zug gereinigt werden.

Eine größere Baustelle steht in der Straße An der Kirche an. Hier gibt es zwar oberhalb der Häuser einen Regenwall, jedoch ist der nicht durchgehend verdichtet und kann bei Starkregen schnell überlaufen. Guthörl rät, den Wall auszubauen und in Richtung des Stambachs abzuleiten. Ratsmitglied Thorsten Sefrin weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ein weiteres Problem vor Ort der Schutt und Dreck ist, der sich bei Starkregen an der Dellfelder Straße sammelt. Das Ingenieurbüro rät in diesem Zusammenhang zu einem Sand- und Geröllfang.

Die einzelnen Schutzmaßnahmen sollen laut Brinette so schnell wie möglich umgesetzt werden. Dafür sollen auch die Landwirte ins Boot geholt werden. Noch in diesem Jahr soll damit begonnen werden, Gleiches gilt für die Bürgerinformationen zum Selbstschutz, geplant sind Arbeitskreise und Informationsveranstaltungen. Brinette verweist auf das letzte Unwetter, das keine zwei Wochen her ist. „Das hat jeder hier im Dorf gemerkt, sogar die Verbandsgemeindewerke in der Kläranlage“.

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