Kreis Südwestpfalz Stück Heimatgeschichte hat im Rathaus Einzug gehalten
Mit der Eröffnung der Ausstellung über die Burgruine Steinenschloss, die mit Unterstützung der Landesarchäologie Speyer zustande kam, hat für die nächsten vier Wochen ein Stück Heimatgeschichte Einzug ins Rodalber Rathaus gehalten. Das Ziel sei, die Burgruine bekannter zu machen und mehr Besucher für die historische Anlage aus den Anfängen des vorigen Jahrtausends zu gewinnen, sagte Emil Schumacher, der Vorsitzende des Burgvereins, bei der Vernissage am Samstag.
Es sei diesem Anliegen dienlich, dass über die Burgruine gesprochen werde, meinte Verbandsbürgermeister Wolfgang Denzer. Allen Zuspruch verstand er als Wertschätzung der Arbeit des Vereins. Landrätin Susanne Ganster ordnete das „Projekt Steinenschloss“ in eine Menge ähnlicher Schätze ein, die es im Landkreis im Verborgenen gebe und um die sich Bürger mit Herzblut kümmerten. Die Ausstellung wertete sie als Beitrag, Historisches zu erschließen, um „das Alte zu bewahren und Bürger daran teilhaben“ zu lassen. Die Landesarchäologie, erklärte Bettina Hünerfauth von der Außenstelle Speyer, widme sich Ausgrabungen und der Pflege öffentlicher Belange bei Bauvorhaben, darüber hinaus „speziellen Fällen“ aus der Geschichte, wozu das Steinenschloss gehöre. Unter anderem habe die bürgernahe Kultureinrichtung des Landes den Auftrag, Ausstellungsstücke öffentlich zu machen, wie dies jetzt bei der Ausstellung geschehe. Über Funde vom Steinenschloss verfüge die Landesarchäologie reichlich, teilte ihr Kollege Marc Bentz der RHEINPFALZ mit. Allerdings seien die Stücke sorgsam in Kisten verpackt, und es sei deshalb mühsam, sie hervorzukramen. Wie die Tochter des früheren Pirmasenser Arztes Ludwig Alois Hoffmann der RHEINPFALZ mitteilte, habe ihr Vater gemeinsam mit dem damaligen Landesarchäologie-Leiter Karlwerner Kaiser schon in den 50er Jahren an der Geschichte des Steinenschlosses geforscht. Im März 1954 sei er öffentlicher Beauftragter für die Ausgrabungen geworden. Der Burgverein sei maßgeblich in die Ausgrabungen eingebunden gewesen, so Hünerfauth, und leiste seinen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt sowie zur Pflege der Anlage. Fotos dokumentieren in der Ausstellung diese Arbeit. Infotafeln geben Hinweise auf die Geschichte. Sie schreiben die Gründung der Burg dem Grafen Emich I. von Leiningen (gestorben 1117) zu. Die Burg, um 1100 errichtet, zählt zu den ältesten des Landkreises. Sie gilt als Beispiel für die in der Salier-Zeit gebauten Turmburgen (hier mit einem Durchmesser von 13 Metern). Vermutlich diente sie als südliche Grenzburg dem Schutz der Besitzungen des Reichslandes um Kaiserslautern. Ihr ursprünglicher Name – womöglich „Atzenstein“ – blieb nicht erhalten. Der heutige Name geht auf eine Siedlung zurück, die im 13. Jahrhundert am Burgberg lag mit dem Namen „Steinen“, „Steigen“ oder „Stegen“. Aus dem Namen „Steinerschloss“ ergab sich das „Steinenschloss“. Zerstört wurde die Burg wohl durch Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahr 1168. Urkundliche Erwähnung fand die zerstörte Burg 1237. Die Ausstellung wurde in vier Themenblöcke aufgeteilt. Neben Allgemeinem zur Burg und zum Burgverein zeigt sie in Vitrinen Beispiele für Keramik, die Verarbeitung von Metallen und die „Beinwerkstatt“. Kunsthistorisch fällt die Burg in die Blütezeit der Romanik. Ein Fenster spiegelt durch seinen wuchtigen Baustil und die sparsame Ornamentik mit nur einer Linie den damaligen Baustil wider. Unter den Gefäßkeramiken befinden sich Rundtöpfe (als Kochtöpfe verwendet) und eine Zwei-Henkel-Kanne mit Ausgusstülle (für Wein oder Wasser). Die becherförmigen Ofenkacheln fallen auf. Sie ragten in den Ofen hinein, wobei die breite Öffnung eine Vergrößerung der Ofenoberfläche und folglich eine höhere Wärmeabgabe bewirkte. Die Werkzeuge erzählen ein Stück vom Leben und Arbeiten auf der Burg. Sie belegen die Fadenherstellung mit Spindeln, zeigen Eisennägel für den Bau oder „Alltagshelfer“ wie Hammer, Meißel, Zange, Schmiedeesse oder Striegel zur Pflege der Pferde. Schmuckapplikationen aus Bronze auf Zierbeschlägen oder Zaumzeug mögen auf eine herausgehobene Position des Burgherrn hindeuten. Die „Beinwerkstatt“ präsentiert Werkzeuge wie Nadeln oder Knochenschnitzereien für Verzierungen. Ausstellung Bis zum 24. Februar ist die Ausstellung im Rodalber Rathaus zu sehen. Geöffnet ist sie während der Dienstzeit der Verwaltung: montags und dienstags von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, mittwochs und freitags bis 12 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr.