Südwestpfalz
Störche: Grund zur Freude, Sorge und Trauer
32 Storcheneltern brüten dieses Jahr im Schwarzbachtal – das ist die bisherige Höchstzahl. Noch ist das Brutgeschäft auf dem von Bernd Fürst in seinem Wiesengarten in Dellfeld aufgestellten Mast nicht vollständig abgeschlossen. Doch in der vorigen Woche hat der erste Jungvogel das Licht der Welt erblickt. In den kommenden Tagen werden wohl die nächsten Geschwister folgen. Jedenfalls bringen die Störche schon häufiger Futter zum Nest.
Vor rund acht Jahren hat sich der Storchenfreund entschieden, eine Nisthilfe aufzustellen. Bis diese vom ersten Storch angenommen wurde, brauchte es jedoch fünf Jahre Geduld. Eigentlich hatte die Familie Fürst früher mit dem Einzug eines Storchs gerechnet, da es ja im Nachbardorf Rieschweiler und in Höhmühlbach genug umherziehende Exemplare gab. Inzwischen hat sich ihr Wiesengarten zu einem ruhigen und gut anzufliegenden Plätzchen für Störche entwickelt. Der nun im Nest stehende Storch wurde 2022 auf dem Hitscherhof geboren und beringt. Die Partnerin dagegen ist nicht beringt. Rechtzeitig vor der Rückkehr der Rotschnäbel aus dem Winterquartier hat der Hausherr die Nestplattform erneuert, sodass die Störche jede Menge Baumaterial anschleppen konnten.
Trockenheit führt zu Futterengpass
Von einem Freund aus dem Saarland hat Fürst vor einigen Tagen erfahren, dass die dortigen Vogelschützer Störche, die Nachwuchs haben, durch ein zusätzliches Futterangebot unterstützen. Denn die Trockenheit auf den Wiesen und Feldern habe zu einem Futterengpass geführt. Die Helfer wollen vermeiden, dass die Störche die Anzahl ihrer Jungen dem geringeren Futterangebot anpassen. Im Vorjahr, als das Wetter häufig zu nass und kalt war, hätten die in Dellfeld nicht weit von der Bahnlinie entfernt nistenden Störche nur eines von drei Storchenbabys großgezogen.
Für Betrübnis bei den Vogelfreunden sorgte kürzlich ein Unglück an der Straße nach Nünschweiler. Dort hatte ein Storchenpaar auf einem Strommast der Pfalzwerke Quartier bezogen und auch bereits gebrütet, berichten Bianca und Willi Stauch aus Rieschweiler. Sie sind öfter auf dem Radweg am Schwarzbach Richtung Dellfeld unterwegs, um die Entwicklung bei den Störchen zu beobachten. Am Wochenende vorm Weißen Sonntag gab es einen vorübergehenden Stromausfall im Dorf, weil einer der Störche einen tödlichen Stromschlag erhielt und damit einen Kurzschluss auslöste.
Kritik: Pfalzwerke müssten alle Masten absichern
Einige Spaziergänger, die fast täglich bei den Störchen vorbeikommen, waren schockiert darüber. Sie sind der Ansicht, dass die Pfalzwerke alle ihre Masten, die zwischen dem Hitscherhof und Dellfeld eine Gefahr für die Störche bedeuteten, absichern müssten – so wie es jetzt am „Todesmast“ geschehen ist. Laut des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) im Zweibrücker Land wären solche Unglücke in vielen Fällen vermeidbar. Seit 2012 sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz gefährliche Masten von den Energieunternehmen abzusichern und ältere nachzurüsten. Leider werde diese Vorgabe nur lückenhaft umgesetzt, da es Zeit und Geld kosten würde, einen umfassenden Schutz zu gewährleisten, so der Nabu.
Schön ist dagegen der Anblick auf einem riesigen Erlenbaum am Bachlauf bei den Mühlen: Dort haben gleich vier Storchenpaare ihre Domizile errichtet. Ab und zu ist ein Köpfchen des Nachwuchses zu sehen. Aktuell gebe es neun Nester im Umkreis des alten Feuerwehrhauses, der Fischerhütte und der Rieschweiler Getreidemühlen. In den beiden Horsten am Rande der Dorfsiedlung hat jedes Storchenpaar drei Jungstörche zu versorgen. In die Baumnester lässt sich schwierig hineinschauen – da heißt es abwarten, bis der Nachwuchs noch größer ist.
Weitere Probleme: kalter Nordwestwind und Sonne
Rund um die Schuhfabrik Stuppy an der Höhmühlbacher Bahnlinie fühlen sich die Störche seit Jahren in ihren Baumnestern und auf den angebotenen Nisthilfen wohl. Die weitgehend ruhige Lage und der sichere Nestbau in der lockeren Koloniensiedlung haben die Vögel heimisch werden lassen. Weitere Baumnester vor der Gärtnerei Empel und beim Rieschweiler Sportplatz sind erneut bewohnt. Auf dem Hitscherhof haben die Störche ihre Brutplätze ebenfalls erweitert, sodass es noch zahlreiche Jungstörche geben wird. Auf den Schornstein der Faustermühle ist der Ringstorch des vergangenen Jahres zurückgekehrt.
Eine Bewohnerin des Hitscherhofes erzählte, dass Anfang Mai die Störche wegen des kalten Nordwestwindes ihre Gelege nicht verlassen hätten. Vor allem in der Nacht hätten die Temperaturen mit drei bis fünf Grad einen bedenklichen Tiefststand erreicht. Nun müssten die Storcheneltern seit Tagen ihre Babys vor der Sonne schützen. Sie stehen mit ausgebreiteten Flügeln am Rand des jeweiligen Nestes und halten die direkte Einstrahlung ab. Das viel zu trockene Wetter führe dazu, dass die Störche schwieriger an Würmer und Kleingetier als wichtige Erstnahrung für ihren Nachwuchs kommen. In der Phase, als die Landwirte ihre Wiesen mähten, war das Futterangebot noch einfach einzusammeln. Jetzt ist der Zeitaufwand deutlich höher – für die Vogelwelt sowie für die Landwirtschaft insgesamt wären zwei oder drei Regentage wie eine Erlösung, sagt Müllermeister Hans Isemann. Ihn hat der Stromtod des Storches unterhalb seines Mühlengrundstücks ebenfalls betrübt, da es zugleich noch zu einem Verlust an Nachkommen führe.